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Multimedia Lahmes Internet an Schulen: FDP fordert Gigabit-Anschluss
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00:01 25.01.2018
Lennok, John und Lukas (von links) aus der zweiten Klasse der Kollwitzschule bei der Textverarbeitung. Quelle: Foto: Peter Binder
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Greifswald

Vom Zeitalter des schnellen Internets sind die Greifswalder Schulen weit entfernt. Aktuell sind höchstens 50 Megabit/Sekunde möglich, an der Käthe-Kollwitz-Schule gar nur 16 Mbit/s, weil technisch nicht mehr geht.

Unser WLAN reicht nicht aus, wenn viele Schüler gleichzeitig ins Internet wollen.Rainer Heiden Leiter CDF-Schule

Die Greifswalder FDP will das ändern. „50 Megabit mögen für eine vierköpfige Familie reichen“, begründet der Vorsitzende David Wulff. „Das Humboldt- und das Jahngymnasium haben aber jeweils rund 600 Schüler. Wenn dort im Informatikunterricht die Rechner angeschaltet werden, geht das Netz in die Knie. Möchten gleichzeitig andere Lehrer im Geographie- oder Geschichtsunterricht über das Internet interaktive Karten nutzen, geht das schlichtweg nicht oder nur sehr langsam.“

Die Idee der FDP: Die Schulen werden ans interne Netz der Verwaltung angeschlossen. Die Kosten seien überschaubar. Denn im Verwaltungsnetz beträgt die Geschwindigkeit großteils zehn Gigabit pro Sekunde. Die Stadt müsste nur ihr Netzwerk mit einer Gigabit-Anbindung aufrüsten. Neubrandenburg mache es vor, dort hätten schon 30 Schulen Gigabit-Internet, so Wulff. „Unsere Lehrer in der Fraktion haben uns aufgeklärt, wie beschränkt die Internetmöglichkeiten an den Schulen sind“, unterstützt Jörn Kasbohm, Fraktionsvorsitzender der Linken. „Jede Aktivität ist willkommen.“ Die Anbindung der Schulen ans Verwaltungsnetz ist „theoretisch möglich“, sagt Stadtsprecherin Andrea Reimann. Allerdings sei aktuell nicht klar, ob das an allen Schulen technisch machbar sei und welche Kosten für Anschluss und Betrieb entstehen. In der Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der Fraktion FDP/Bürgerliste werden für eine Flatrate aller elf Schulen etwa 11000 Euro monatlich für Ein-Gigabit-Anschlüsse genannt. Für die Verwaltung selbst bestehe aktuell kein Handlungsbedarf, betont Reimann. Laut Stadt werden derzeit für die technisch möglichen 50-Megabit-Anschlüsse je Schule 29,95 Euro bezahlt. Die 16 Megabit der Kollwitzschule kosten nichts. Bei den Schulleitern stößt die Initiative auf Zustimmung. Das wäre eine gute Sache für den modernen Unterricht, sagen Bernd Albrecht, Leiter des Jahngymnasiums und Ulf Burmeister, Leiter des Humboldtgymnasiums. Rainer Heiden, Leiter der Regionalschule „Caspar David Friedrich“, ist der drahtlose Zugang besonders wichtig.

„Unser WLAN reicht nicht aus, wenn viele Schüler gleichzeitig ins Internet wollen.“ Die Anbindung über das lokale Netz, das LAN, sei okay. „Es wäre schon erfreulich, wenn wir schnelleres Internet hätten“, meint Ute Prochnow, Leiterin der Kollwitz-Grundschule. „Aber wir haben uns mit den 16 Megabit arrangiert und können damit arbeiten. Mehr geht nun mal im Moment nicht.“

In der Stadtpolitik gibt es eine breite Zustimmung für den FDP-Vorstoß. „Wir sind grundsätzlich dafür“, sagt CDU-Fraktionschef Axel Hochschild. Allerdings müsse die FDP die Finanzierung klären.

Vielleicht sei das durchs Umschichten nicht benötigter Mitteln möglich, regt SPD-Fraktionsschef Andreas Kerath an. Das liebe Geld sieht auch Alexander Krüger, der Vorsitzende der Fraktion Grüne/Forum 17.4 als das wichtigste Problem. Zuerst müsste der Bedarf der Schulen ermittelt werden, um Investitionen nach dem Gießkannenprinzip zu vermeiden.

FDP/Bürgerliste wollen nun den OB durch die Bürgerschaft beauftragen lassen, Varianten für die Gigabit-Anbindung zu suchen. Kosten für Investitionen, den Betrieb sowie Möglichkeiten für eine Finanzierung im Doppelhaushalt 2017/18 soll er ebenfalls darstellen. „Die SPD unterstützt das“, kündigt Kerath an.

Eckhard Oberdörfer

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