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Lesen und lesen lassen!
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00:00 04.02.2016
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„Mach doch mal die Kiste aus und lies ein Buch.“ Dieser Spruch der Eltern ist wohl den meisten Jugendlichen bekannt, wobei mit der „Kiste“ in der Regel ein „teuflisches“, elektronisches Gerät unseres 21. Jahrhunderts gemeint ist.   Informationen werden in den modernen Medien aufbereitet, um sie immer leichter verdaulich zu machen. In Fernsehen und Internet stehen oft prägnante Aussagen im Vordergrund, die auf einen Blick erfasst werden können. Aber muss das bedeuten, dass junge Leute dadurch weniger in der Lage sind, lange Texte zu lesen?

Jeder dritte Jugendliche liest

Erst einmal, lesen Jugendliche überhaupt weniger als früher? Die Studie „Jugend, Information, (Multi-) Media“, kurz JIM, informiert seit 1998 jährlich über das Medienverhalten von Jugendlichen (12 bis 19 Jahre alt). Die Ergebnisse der Studie schwächen Theorien über einen baldigen Tod des Mediums Buch ab. Demnach gaben im vergangenen Jahr 36 Prozent der befragten Jugendlichen an, in ihrer Freizeit regelmäßig (das heißt mehrmals pro Woche) Bücher zu lesen. 2002 waren es 37 Prozent. Durchschnittlich lag der Wert in den vergangenen Jahren bei etwa 40 Prozent. Die Zahlen sinken dabei mit steigendem Alter: Zwölfjährige lesen im Schnitt mehr als 19-Jährige. Das Leseverhalten der Jugendlichen hat sich also trotz verstärkter Nutzung der modernen Medien nicht drastisch verändert. Man könnte sogar argumentieren, dass Jugendliche heute mehr lesen als früher. Studien wie diese beschäftigen sich nämlich ausschließlich mit dem Leseverhalten der Jugendlichen in ihrer Freizeit.

Umfangreiche Pflichtlektüre

an Schulen und Universitäten

Jugendliche und junge Erwachsene müssen jedoch immer mehr „Pflicht-Lesen“, für die Schule und die Universität. Das geht aus aktuellen Studien hervor und das bestätigte auch eine Umfrage des OZelot.

Im Rahmen dieser haben wir zwölf junge Leute in Rostock und Stralsund befragt. Tatsächlich gaben alle Befragten an, wenigstens ein Mal pro Woche zum Buch zu greifen. Und das trotz Verpflichtungen in Universität und Schule. „Ich lese gern englische Bücher, oft etwas Romantisches. Bestimmt ein, zwei Abende in der Woche“, meint Josefine Härtel, eine Studentin aus Rostock.  

Es gibt sogar Erkenntnisse darüber, dass das Bücherlesen förderlich für die Gesundheit ist. Brigitta Hayn leitet seit 41 Jahren die Patientenbibliothek des Universitätsklinikums Charité in Berlin.

„Lesen entspannt, lenkt von der Krankheit ab und schafft für den Kranken einen Rückzugsort“, sagt sie In den USA kann Lesen sogar vom Arzt gegen Demenz verschrieben werden.

Nicht nur Bücher werden gelesen

Zum Entspannen nach einem harten Tag reizt laut OZ-Umfrage viele trotzdem eher die leichtere Kost aus Fernsehen und Internet. Und auch dort wird viel gelesen, auch wenn es meist nur kurze, prägnante Schlagaussagen sind. Dazu muss man außerdem beachten, dass die Freizeit, in der man das Leseverhalten der Jugendlichen untersucht, tendenziell immer weniger wird. Die Schultage werden länger, die Hausaufgaben mehr. Wenn weniger Freizeit da ist, ist es logisch, dass in der Freizeit auch weniger gelesen werden kann. Für Eltern, die trotzdem finden, dass ihre Kinder nicht genug Bücher lesen, stellt sich die Frage: Wie kann ich mein Kind zum Lesen motivieren? Oder, anders gefragt, warum liest mein Kind nicht gerne in der Freizeit? Schuld sind nämlich nicht ausschließlich die neuen Medien. Bücher, die etwa in der Schule behandelt werden, wecken bei den Schülern selten die Lust, nach dem Unterricht weiterzulesen. Zu dieser Erkenntnis gelangten die Schüler des Gymnasiums Oppenheim (Rheinland-Pfalz), die sich mit dem Thema bei einem Schulprojekt befassten.     Die Unterrichts-Literatur empfinden die Schüler eigenen Aussagen zufolge oft als zu trocken und realitätsfern. Außerdem werde sie zu lange im Unterricht durchgekaut.  

Besonders das Elternhaus ist für das Leseverhalten der Kinder mitverantwortlich. „Kinder, denen abends von den Eltern vorgelesen wird, neigen später häufiger dazu, selber zu lesen“, sagt Manfred Keiper, Inhaber der „anderen buchhandlung“ in Rostock.

Die Lesekompetenz bei deutschen Schülern steigt

Durch das reiche Medienangebot in unserer Zeit können Jugendliche ihre Freizeit zwar vielfältiger gestalten, doch das traditionelle Buch verliert dadurch keinesfalls an Wert.

Denn die regelmäßige Romanlektüre ist nach wie vor ein fester Bestandteil vieler Menschen, ob jung oder alt. Außerdem sind die meisten Jugendlichen heute fähige Leser, selbst wenn sie in der Freizeit keine Bücher lesen. Bei der letzten PISA-Studie von 2012 lag Deutschland mit 508 Punkten im Bereich Lesekompetenz über dem internationalen Mittelwert von 496. Bei der ersten PISA-Studie im Jahr 200 erreichten die Deutschen nur 484. Also, an die Pessimisten: Lesen und lesen lassen!



Max Hase