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Tatort Das Beste kommt zum Schluss
Thema Specials Tatort Das Beste kommt zum Schluss
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21:41 04.12.2016
Sebastian Bezzel als Kommissar Kai Perlmann und Eva Mattes als Kommissarin Klara Blum in der Tatort-Folge „Wofür es sich zu leben lohnt“
Sebastian Bezzel als Kommissar Kai Perlmann und Eva Mattes als Kommissarin Klara Blum in der Tatort-Folge „Wofür es sich zu leben lohnt“ Quelle: Patrick Seeger / Dpa
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Koblenz

Der letzte Bodensee-Tatort. Mein erster Gedanke: Kein großer Verlust. Doch angesichts dieses fulminanten Abschieds kommen Zweifel auf. Denn Sathyan Ramesh und Aelrun Goette ziehen in diesem Tatort alle Register. Elementare Themen, große Gefühle, grandiose Charaktere.

Und die Kritikerin denkt: Warum denn erst jetzt? Im allerletzten Fall? Mehr davon zu einem früheren Zeitpunkt und der Bodensee-Tatort wäre ein Quoten-Renner. Herrlich, wie die Gebäude ein exaktes Abbild ihrer Bewohner darstellen, wunderbar die Dialoge, bei denen man am liebsten mitstenographieren möchte, um keinen Satz zu vergessen („Das Leben ist eine ganz schöne Zicke“) und als absolutes Highlight die dreigroßen Fassbinder-Frauen Irm Hermann, Hanna Schygulla und Margit Carstensen, die erstmals zusammen vor der Kamera standen.

Hexen oder Heilige?

Der Faszination dieser drei alten Damen kann sich auch die schwer kranke Klara Blum nicht entziehen. Das Trio (sind sie Hexen oder Heilige?) will Gerechtigkeit zurück in die Welt bringen, doch ganz so leicht ist es dann doch nicht mit dem Schwarz und dem Weiß. Es gibt so furchtbar viel Grau. Und wie sagt eine der Ladys so schön: „Jeder hat für alles seine Gründe. Das macht das Ganze ja so kompliziert.“

Der Geschäftsmann, der es mit dem Brandschutz nicht so genau nimmt und so für den Tod von fast 200 Arbeitern mitverantwortlich ist, spielt anrührend mit behinderten Kindern und hat einen Humor, dem man schwer widerstehen kann.

Die Tochter des rechtsradikalen Hetzers hat einen dunkelhäutigen Freund und eine Mutter, die zu ihr hält, obwohl sie ihren Mann abgöttisch liebt. Perlemann kann diese Mutter eigentlich nicht leiden und trotzdem muss er dauernd an sie denken.

Das Leben ist verdammt kompliziert

Was lernen wir aus diesem Tatort, der auch durch seine Musikauswahl glänzt? Das Leben ist verdammt kompliziert. Und jeder muss für sich selbst herausfinden, wofüres sich zu leben lohnt.

Aelrun Goette wollte eine „radikale Geschichte erzählen über unsere Zeit, die aus den Fugen ist und sich den bösen Mantel der humorvollen Leichtigkeit überwirft. Eine poetische Parabel, die in der Frage mündet, wem und warum man sich beugt.“

Besser hätte man es nicht machen können. So fällt der Abschied vom Bodensee-Tatort wirklich schwer.

 Grit Petersen