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Greifswald In der Badesaison fuhren elf Personenzüge
Vorpommern Greifswald In der Badesaison fuhren elf Personenzüge
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06:16 29.06.2019
Im Mai 2017 fuhr nach 33 Jahren wieder eine 86er Dampflok auf der Insel Usedom und kam mit einem Sonderzug nach Ahlbeck. Quelle: UBB Sammlung
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Heringsdorf/Swinemünde

In diesen Tagen begeht die Eisenbahnstrecke SwinemündeAhlbeckHeringsdorf ihr 125-jähriges Jubiläum. Wie kaum eine andere Strecke hat sie eine außerordentlich wechselvolle Geschichte erlebt. Die Strecke wurde am 10. Mai 1890 genehmigt und 600 000 Mark für den Bau sowie die benötigten Fahrzeuge bereitgestellt. Die Bauarbeiten kamen aber erst 1893 in Gang. Am 1. Juli 1894 wurde die eingleisige „Nebeneisenbahn“ von Swinemünde nach Heringsdorf eröffnet. Sie stellte eine Verlängerung der 1876 bis Swinemünde eröffneten Hauptbahn dar. Nun konnten die bereits zuvor zahlreich besuchten Badeorte Ahlbeck und Heringsdorf mit dem Zug von Berlin über Ducherow und Swinemünde erreicht werden.

Die neue Strecke begann am Swinemünder Hauptbahnhof. Nach dem Schrankenposten über die Große Kirchenstraße wurde das Stadtzentrum in einem S-Bogen umfahren und nach kurzer Fahrt die Station Swinemünde Bad erreicht. Von hier aus war es nur noch ein kurzer Weg zu den Hotels und Pensionen des Seebads. Die Strecke führte von Swinemünde Bad parallel zur Chaussee weiter zur Haltestelle Ahlbeck und nach 7,67 km wurde der neue Endbahnhof Heringsdorf erreicht.

Güterverkehr: Eier, Käse und Bier geliefert

Die Bahnhöfe Ahlbeck und Heringsdorf dienten von Anfang an dem Personen- und Güterverkehr. Angeliefert wurde alles, was die Einwohner und Badegäste brauchten – Milch, Butter, Margarine, Käse, Eier, Honig, frisches Obst und Gemüse, Kartoffeln, Fleisch und Wurst, Bier und Obstsäfte von der Insel Usedom, der Pommerschen Umgebung, aus Stettin, dem benachbarten Mecklenburg oder Berlin. Weite Wege legten Schokoladen aus der Schweiz, Kaffee aus Hamburg, Zigarren aus Leipzig oder Fische (!) aus Altona, Bremen und Königsberg zurück. Leicht Verderbliches wurde als „Eilgut“ und gut gekühlt bevorzugt befördert. Güterwagen brachten Kohlen, Baumaterial aller Art, Tapeten aus Marburg und Möbel aus Berlin. Leere Milchkannen, Fässer, Körbe und Kisten wurden selbstverständlich wiederverwendet und an den Absender zurückgesandt.

Drei Schnellzüge BerlinHeringsdorf

Wegen des beständigen Anwachsens des Verkehrs erhielt die Bahnstrecke von Swinemünde bis Heringsdorf 1908 ein zweites Gleis, das nun von Berlin Stettiner Bahnhof bis Heringsdorf führte. Zu dieser Zeit fuhren in der Badesaison elf Personenzüge und bereits drei Schnellzüge BerlinHeringsdorf mit Halten in Swinemünde Hauptbahnhof, am Bad-Bahnhof und in Ahlbeck. Die Schnellzüge hatten Wagen 1.-3. Klasse und sogar Speisewagen. Das Gepäck für den Badeaufenthalt wurde in großen Koffern, Reisekörben oder Kisten vorgeschickt. In den Bahnhöfen der Seebäder türmte sich das Gepäck, bevor es mit Pferdefuhrwerken oder Handkarren zu den Villen und Pensionen geschafft wurde.

Der Bahnhof Heringsdorf blieb für 17 Jahre Endpunkt, bis am 1. Juni 1911 die Streckenverlängerung HeringsdorfZinnowitz – Wolgaster Fähre eröffnet wurde. Der Bäderverkehr hatte seine Blütezeit bis in die 1930er Jahre, als Eilzüge mit modernem Wagenpark für ein breites Publikum auf die Insel fuhren. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb von der einstigen Eisenbahnverbindung BerlinDucherowSwinemündeHeringsdorf nur noch der kurze Streckenabschnitt AhlbeckHeringsdorf erhalten. Die „Inselbahn“ fuhr zwischen Ahlbeck und Wolgaster Fähre. Der Ansturm der Sommerurlauber und Kurgäste war beachtlich. Dampfbespannte Personenzüge fuhren bis 1974 mit bis zu 14 Wagen über die Insel.

Ab 2008 wieder von Ahlbeck nach Swinemünde

Mit der Usedomer Bäderbahn (UBB) bekam die Eisenbahn auf der Insel Usedom ab 1995 eine neue Perspektive. Schnell rückte die frühere Strecke AhlbeckSwinemünde in den Blick. Am 8. Juni 1997 wurde der Streckenabschnitt bis Ahlbeck Grenze wieder in Betrieb genommen. Für die Verlängerung der Bahnstrecke von Ahlbeck Grenze nach Swinemünde brauchte es einen längeren Atem. Am 20. September 2008 konnte der neue Streckenabschnitt eingeweiht werden. Der Bahnhof Swinemünde Centrum befindet sich auf der alten Bahntrasse an der Straßenkreuzung Listopada / Wojska Polskiego, ganz in der Nähe der früheren Station Swinemünde Bad. Heute – 125 Jahre nach der ersten Eröffnung – nutzen rund 500 000 Fahrgäste im Jahr die wieder entstandene moderne Bahnverbindung.

Andreas Pinske

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