Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Verehrt und verschmäht – Arndt im Jubiläumsjahr
Vorpommern Greifswald Verehrt und verschmäht – Arndt im Jubiläumsjahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:22 09.02.2019
Beobachtet das Treiben aus luftiger Höhe vom Rubenowdenkmal: Eine Büste von Ernst-Moritz Arndt  vom Bildhauer Bernhard Afinger Quelle: P.Binder
Greifswald/Groß Schoritz

In diesem Jahr wäre Ernst Moritz Arndt 250 Jahre alt geworden. Ruhig ist es um den umstrittenen Autoren und Politiker (26. 12. 1769 – 29. 1. 1860) aber noch lange nicht geworden. Nachdem sich der Senat der Universität Greifswald im vergangenen Jahr entschieden hatte, den Namen Ernst-Moritz-Arndt abzulegen, gärt der Streit unter der Oberfläche weiter. Während Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) sich zum Jahreswechsel noch erleichtert über den im vergangenen Jahr gefundenen Kompromiss zeigte, sammelt die Initiative „Ernst-Moritz Arndt muss bleiben“ mittlerweile rund 4000 Unterschriften für die erneute Rückbennenung der Uni. Schwierige Zeiten also für ein Jubiläumsjahr Während die Hansestadt Greifswald und die Universität das Jubiläumsjahr eher zurückhaltend angehen und keine eigenen Veranstaltungen planen, haben sich Vereine im InitiativkreisArndt 250“ zusammengeschlossen und ein Veranstaltungsprogramm zusammengestellt. „Wir wollen das Jahr nutzen, um eine intelligente Reflexion der Person Arndt zu ermöglichen“, beschreibt Klaus-Michael Erben, Vorsitzender der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft in Groß Schoritz auf Rügen. „Die Diskussionen in der Vergangenheit sind doch sehr oberflächlich geführt worden.“ Das Thema „Arndt“ bewege die Menschen aber noch immer und zwar quer durch alle Parteien. „Als ich bei einer Buchlesung jüngst mit Gregor Gysi (Die Linke) sprach, sagte der mir zum Beispiel auch, dass er überhaupt nichts von der Umbenennung hält.“

Grund für die hitzigen Diskussionen um die Bedeutung und Wertschätzung Ernst Moritz Arndts waren vor allem die zweifelsfrei Überlieferten antisemitischen und rassistischen Äußerungen des Dichters und Politikers, die für die Befürworter der Namensänderung nicht zum Charakter einer weltoffenen und modernen Universität passen. Gegner der Namensänderung argumentierten mit der großen Bedeutung des Werkes Arndts für die Gesellschaft, etwa für die Abschaffung der Leibeigenschaft oder der Stärkung der Grundrechte.

Eine schwierige Ausgangssituation für ein Jubiläumsjahr. Statt informativer Veranstaltungen besteht zumindest in Greifswald die Gefahr, dass die oft sehr emotional geführte Debatte um die Umbenennung erneut aufflammt und alles andere überschattet. Erben versucht, das Beste daraus zu machen. „Wir wollen das Thema Namensstreit nicht neu aufmachen“, sagt er, und spricht damit zumindest für die Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft. „Allerdings möchten wir darauf hinweisen, dass Arndt es wert ist, nicht vergessen zu werden.“ Das könne nur geschehen, indem man die ganze Bandbreite Arndts darstelle. „Deshalb haben wir auch Veranstaltungen mit aufgenommen, die unterschiedliche Aspekte Arndts thematisieren. Wir wollen nichts aussparen oder die Diskussion scheuen“, so Erben. Kämpferischer sieht die Situation Grit Wuschek, Sprecherin der Initiative „Ernst Moritz Arndt muss bleiben“:„Unser Ziel bleibt ganz klar die Rückbenennung in Ernst-Moritz-Arndt-Universität und dass der Name wieder im offiziellen Rechtsverkehr genutzt wird“, sagt Grit Wuschek. „Wir wollen neben dem gemeinsamen Programm mit dem InitiativkreisArndt 250“ ein Treffen am 1. Mai auf dem Greifswalder Marktplatz veranstalten. Wenn das nicht möglich ist, wird das Treffen an einem anderen Ort stattfinden.“

Das neue Logo des Initiativkreises Arndt 250 wurde extra für das Jubiläumsjahr gezeichnet. Quelle: Initiativkreis

Die thematische Vielfalt der Veranstaltungen des Initiativkreises lässt auf viele neue Diskussionsaspekte hoffen. Im September werde es im Arndt-Museum Garz auf Rügen zum Beispiel einen Vortrag über Arndts für damalige Verhältnisse hochmoderne Ideen der Kindererziehung geben, sagt Erben. „Auf der anderen Seite wollen wir eine Veranstaltung mit dem Titel ,Romantiker und Judentum’ in das Jahresprogramm aufnehmen. Wir stehen dazu mit drei Lehrstühlen in Verbindung – zum Beispiel mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Die Veranstaltung soll im November stattfinden.“ Weitere Aktionen im Arndtjahr sind ein Symposium der Historischen Kommission für Pommern im Pommerschen Landesmuseum zu „Prägungen, Werk und Wirken Ernst Moritz Arndts in seiner Zeit“, aber auch eine Diskussionsveranstaltung mit OZ-Chefredakteur Andreas Ebel zum Thema „Pressefreiheit und der Zeitgeist der Fake News“.

Einen ersten Höhepunkt stellt die Aufführung des Stückes „Arndt – ein Mann der vielen Eigenschaften“ des Greifswalder Studententheaters am 23. Februar in Groß Schoritz dar. Das Dokumentartheaterstück wird sich dabei auch mit den weniger bekannten Facetten von Arndt auseinandersetzen, seiner Familie etwa. „Die Intention des Stückes besteht darin, mit den Mitteln des darstellenden Spiels ein mögliches Gesamtbild zu erstellen“, heißt es in einem Exposé des Studententheaters. „Wir wollen verdeutlichen, dass auch ein Ernst Moritz Arndt, bei allem berechtigten Streit um seine Person, nicht auf das Wesentliche reduziert werden sollte.“

Die Zusammenarbeit mit der Universität Greifswald habe der InitiativkreisArndt 250“ nicht explizit gesucht. „Wir haben unseren eigenen Plan gemacht“, betont Erben. Stadtvertreter der Hansestadt hatten wiederholt kritisiert, dass die Universität das Jubiläum nicht ausreichend würdige. „Universitätsmitglieder setzen sich nach wie vor wissenschaftlich, künstlerisch und in der Lehre aktiv mit Leben, Werk und Wirken Ernst Moritz Arndts auseinander“, führt hingegen Jan Meßerschmidt, Pressesprecher der Universität Greifswald aus. „Es gibt Lehrveranstaltungen mit direktem Arndt-Bezug“, so Meßerschmidt. „Die Universität stellt ihre historische Aula für eine Veranstaltung mit dem Titel ,Liebe und Zorn. Gedichte und Lieder von Ernst Moritz Arndt und Zeitgenossen’ zur Verfügung.“

Veranstaltungen im Arndt-Jahr

23. Februar, Geburtshaus Ernst-Moritz-Arndt, Groß Schoritz/Rügen: Szenische Aufführung: „Arndt: Eine Zeitreise zum Mann der vielen Eigenschaften“ des Studententheaters Greifswald e.V. (kostenfrei, Voranmeldung unbedingt nötig im Arndt-Museum der Stadt Garz 038304/12212)

15. März, Arndt-Museum Garz/Rügen: Auftakt – Inspiration Arndt: Bildnerische Ansichten und Einblicke hiesiger und auswärtiger Künstler zu Biografie und Oeuvre von Ernst Moritz Arndt

20. März, Rubenow-Denkmal Greifswald: Eröffnungstreffen der Bürgerinitiative „Ernst Moritz Arndt bleibt!“

 26. Juni, Vineta Museum Barth: Eröffnung Jubiläumsausstellung Ernst Moritz Arndt

14. September, Geburtshaus Ernst-Moritz-Arndt, Groß Schoritz/Rügen: Vortrag „Gebt Kindern eine ‚freie Erziehung‘ / Arndt’s Nicht-Erziehungskonzept aus heutiger Sicht“ von Katharina Venz-Weiße (Arndt-Museum)

4. Oktober, Aula der Universität Greifswald: Konzert des Karl-Lappe-Vereins. „Liebe & Zorn - Gedichte und Lieder von Ernst Moritz Arndt und Zeitgenossen“ – musikalisch-lyrischer Abend mit Künstlern aus Vorpommern

25. Oktober, Geburtshaus Arndts in Groß Schoritz/Rügen: „Pressefreiheit und der Zeitgeist der Fake News“ mit OZ-Chefredakteur Andreas Ebel

23. November, Stralsund oder Groß Schoritz: Vortrag und offene Runde: „Erinnerungen an Arndt“ – eine Spurensuche zur Judenfeindlichkeit im Kreise der Romantiker unterstützt vom Zentrum für Antisemitismusforschung

Alle Veranstaltungen sind ohne Gewähr, aktuelle Informationen auf der Seite der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft: www.ernst-moritz-arndt-gesellschaft.de

Anne Ziebarth

Usedom Ehemaliger Obdachloser wird 75 - Der „Schwarze Mann“ ist sesshaft geworden

Als „Schwarzer Mann“ kannte ihn auf Usedom Jung und Alt. Viele Jahre war Rolf Marquardt als Obdachloser auf der B 111 unterwegs. Das Ehepaar Freygang half ihm, wieder sesshaft zu werden.

09.02.2019

Ein Rohr unterhalb der Straße muss erneuert werden

08.02.2019
Greifswald Kneipen in der Innenstadt - Gemütlichkeit im Rauchernebel

Rauchen gehört in Greifswald zum Kneipenabend dazu. Für die Gäste schafft es Gemütlichkeit und für die Existenz der Kneipen ist es unabdingbar. Selbst Nichtraucher suchen ganz bewusst Raucherkneipen auf.

08.02.2019