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Greifswald 600 Schüler demonstrierten in Greifswald
Vorpommern Greifswald 600 Schüler demonstrierten in Greifswald
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09:54 16.03.2019
Knapp 600 Teilnehmer zählte die Demonstration in Greifswald. Quelle: Stefanie Ploch
Greifswald

Eng und laut war es Freitagvormittag in der Langen Straße: Knapp 600 Schüler, Studenten, Eltern und Sympathisanten folgten dem Aufruf der Veranstalter der „Fridays for future“ – Demonstration und drängten sich durch die Greifswalder Innenstadt. „Hopp hopp hopp –Kohlestop!“ riefen die Teilnehmer.

Darunter auch Pia Dengler und Klassenkamerad Georg. Sie sind der Meinung, dass der Klimawandel nicht weiter ignoriert werden darf. „Es geht schließlich um unsere Zukunft“, sind sich die beiden 16-Jährigen einig. Sie versuchen schon länger umweltbewusst zu leben. „Strom sparen, den Wasserverbrauch und Müll reduzieren und Müll trennen sind alles Dinge, die jeder von uns machen kann“, ist sich Georg sicher. Neben Parolen wie: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ gab es bei der Demonstration ausreichend Zeit für Redebeiträge. Der alternative Nobelpreisträger und Biologe Michael Succow fand lobende Worte für die jungen Leute: „Bürgerbewegungen können viel erreichen“, sagt er. „Es muss um das Gemeinwohl und nicht um Einzelinteressen gehen.“ Auch Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) wandte sich an die Jugendlichen. „Die Schüler setzen ein wichtiges Zeichen. In Greifswald setzen wir uns ja schon lange für den Klimaschutz ein.“ Er motiviert die Jugendlichen zur Bürgerschaftswahl im Mai zu gehen.

So war die Klima-Demonstration von Schülern in Greifswald.

Rebekka Hertenstein geht auf das Jahn-Gymnasium, der Schule, die zahlenmäßig den größten Anteil an Teilnehmern stellte .„Meine Eltern finden es sehr gut, dass ich heute hier bin“, meint die 14-Jährige. Es sei toll, dass auch die Schule die Teilnahme an der Demonstration ermöglicht hat. Dort waren 250 Jugendliche und damit mehr als ein Drittel aller Jahn-Schüler freigestellt worden. „Weil es es sich an diesem Freitag um eine weltweite Aktion gehandelt hat, haben wir mit der Schülervertretung eine einmalige Regelung getroffen“, sagt Schuldirektor Bernd Albrecht. „Wir wollten nicht gegen die Eltern arbeiten, und wir wollten auch nicht, dass die Schüler in Zwiespalt geraten.“ Persönlich finde er das Engagement der Schüler für den Klima- und Umweltschutz gut.

Anton Schönborn und Ole Rückert gehen auf das Runge-Gymnasium in Wolgast. „Wir wollen zeigen, dass wir Jugendlichen auch eine Meinung haben“, sagt der 16-Jährige Anton Schönborn. „Unsere Klassenlehrerin hat uns unterstützt und uns auf die Demonstration hier in Greifswald aufmerksam gemacht.“ Viele andere Lehrer stünden der Veranstaltung jedoch kritisch gegenüber, berichten die Schüler. Der Unterricht sei aus Sicht der Lehrer wichtiger, als an Demonstrationen teilzunehmen. „Das ist gelebte Demokratie und kein Schule schwänzen“, finde der 17-jährige Ole Rückert. „Mir ist es wichtiger meine Meinung kundzutun als stur Fakten auswendig zu lernen.“ Schwierig sei es auch an Greifswalder Grundschulen gewesen eine Freistellung zu bekommen. „Ich habe zwar keinen Freistellungsantrag von Eltern bekommen“, meint Jens Stein, Schulleiter der Karl-Krull-Grundschule. „Aber ich finde auch, dass Grundschüler nicht zur Zielgruppe der Demo gehören.“ Er verweist auf die Schulpflicht. Auch Axel Hochschild, Fraktionsvorsitzender der CDU äußert sich kritisch: „Dass sich die Jugendlichen dafür einsetzen, finde ich gut. Allerdings sollten sie nicht während der Schulzeit demonstrieren. Letztlich verzichten sie auf Bildung, die sie nicht nachholen und schwänzen die Schule während der Demonstration."

Nicht nur Schüler, auch einige Eltern nahmen an der Versammlung teil. Gudrun Bürth kam mit ihrem Sohn aus dem Greifswalder Umland zu der Demonstration: „Ich wollte eigentlich alleine kommen, aber wenn ein Sechsjähriger mehr von der Umwelt versteht, als so mancher Politiker, darf er auch mitkommen.“ Die Forderungen der jungen Leute an die Stadt und die Politik waren klar formuliert: „Mehr Regionales! Der Verpackungswahnsinn soll ein Ende haben. Ein Unverpacktladen in Greifswald wäre die ideale Lösung, dieser sollte auch von der Stadt gefördert werden.“ – tosender Applaus der Jugendlichen.

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