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Greifswald 6500 Pendler strömen nach Greifswald
Vorpommern Greifswald 6500 Pendler strömen nach Greifswald
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06:47 02.03.2019
Pendler aus dem Umland rollen morgens über die Grimmer Straße zur Arbeit nach Greifswald. Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Staus, zu viele Autos in der Innenstadt und ein lückenhafter ÖPNV: Die Verkehrssituation in Greifswald muss nach Auffassung der Linken völlig neu gedacht werden. In ihrer ersten Großen Anfrage löcherte die Bürgerschaftsfraktion die Stadtverwaltung mit einem detaillierten Fragenkatalog. Die Forderung der Linken: alle Maßnahmen daran ausrichten, den motorisierten Individualverkehr – sprich Autoverkehr - zu reduzieren. Verkehrsplanung sollte vom Klima- und Umweltschutz aus gedacht werden und auf die Änderung von Gewohnheiten zielen, begründete Fraktionsvorsitzender Jörn Kasbohm, den Vorstoß.

Doch so einfach ist das nicht. Denn Greifswald ist eine Stadt der Einpendler. „Schon seit Jahren gibt es einen deutlichen Pendlerüberschuss, der zuletzt auf 6500 gestiegen ist“, stellte Bausenatorin Jeannette von Busse klar. Diese Pendler hätten eine ganz andere Erwartung an die Verkehrsinfrastruktur als die Einwohner, deren Interesse auf Verkehrsberuhigung beziehungsweise Verkehrsvermeidung abziele. Die Stadt arbeite deshalb an Untersuchungen für eine Integrierte Verkehrsentwicklungsplanung. Die Botschaft der Verwaltung: Problem erkannt.

„Vor dem Hintergrund der hohen Pendlerzahlen benötigen wir dringend ein Pendlerkonzept“, so ein erstes Fazit Kasbohms. Die Verkehrsströme müssten genau ermittelt werden, um zu sehen, über welche Trassen die Pendler in die Stadt kämen. Seine Idee zur Entlastung: Firmenfinanzierte Tickets für den ÖPNV.

Die Verwaltung sieht den Lückenschluss der Greifswalder Ortsumgehung zwischen Groß Schönwalde und Lubmin als einen deutlichen Schritt zur Entlastung der Stadt vom LKW-Verkehr. Allerdings sind dafür noch dicke Bretter zu bohren. „Zu erwarten, es seien bereits Initiativen erfolgt, die zu einer kurzfristigen Umsetzung führen, ist eine Fehlvorstellung“, so die Bausenatorin. Bislang befinde sich das Thema noch in der städtischen Diskussion. Erst ein Bürgerschaftsbeschluss würde die Verwaltung legitimieren, bei den zuständigen Behörden die Forderungen zum Bau der Ortsumgehung aufzumachen.

In noch weiterer Ferne sieht von Busse die Idee einer Ryckquerung mit einem Tunnel, der die Verkehrsbelastung in der Innenstadt verbessern und Anfahrtswege von Feuerwehr und Notdienste nach Ladebow deutlich verkürzen würde. „Es ist eine innovative Idee, aber keine konkrete Umsetzung dafür vorgesehen“, so die Vize-OB. Die Kosten für ein solches Vorhaben könnten zudem nur unter Beteiligung Dritter gestemmt werden.

Ein verbesserter ÖPNV ist nach Auffassung der Linken eine der wichtigsten Stellschrauben, um den Autoverkehr in der Stadt zu minimieren. Die Einrichtung einer neuen Buslinie zum Campus des Berthold-Beitz-Platzes ist allerdings erst einmal vom Tisch – zumindest über die Felix-Hausdorff-Straße. Die Universität habe mitgeteilt, dass im Institut für Physik wie auch im „Center for Functional Genomics of Microbes“ schwingungsanfällige Apparaturen genutzt würden, die nicht direkt an einer Busstrecke liegen dürften, so von Busse. Nun müsse ein anderer Streckenverlauf geprüft werden. Kasbohm fordert, in puncto Campus-Buslinie nicht locker zu lassen und nach alternativen Linienführungen zu suchen. Zum einen könnte sie die Parkplatzsituation am Biotechnikum und künftigen Life Science Center entspannen und Studenten dazu bewegen, vom Auto auf den Bus umzusteigen.

Eine weitere Forderung der Linken zielt auf die bessere Anbindung der Ortsteile Riems, Ladebow und Friedrichshagen. Eine zusätzliche Busverbindung zum Ortsteil Friedrichshagen hält die Verwaltung derzeit aus Kostengründen jedoch nicht für machbar. Schon jetzt verursache die Bedienung der Verbindung einen jährlichen Verlust von 13 800 Euro, so von Busse. Der Vorsitzende der Ortsteilvertretung, Detlef Göring, will sich damit aber nicht zufrieden geben. Friedrichshagen sei zwar mit 300 Einwohnern der kleinste, aber prozentual der am stärksten wachsende Ortsteil von Greifswald. In den vergangenen drei Jahren seien 40 Eigenheime entstanden. „Da wachsen Kinder heran, die auf eine Busverbindung angewiesen sind“, so Göring. Die Ortsteilvertretung fordert eine zusätzliche Verbindung am frühen Abend, damit Schüler auch an außerschulischen Aktivitäten in der Stadt teilnehmen können.

Handlungsbedarf sieht die Verwaltung bei der Anbindung von Eldena, pflichtete von Busse der Linksfraktion bei. Die im Nahverkehrsplan vorgeschlagene Variante zur Weiterführung der Buslinie 3 über die Hainstraße sei aber wegen des Denkmalschutzes, der schmalen Straßen und des derzeit schlechten Zustandes problematisch und würde erhebliche Investitionen bedürfen. Geprüft würde deshalb eine alternative Buslinienführung. „Zielstellung bleibt die Errichtung eines P&R-Parkplatzes auf dem Parkplatz Klosteruine mit der Verknüpfung zum City-Bus.“ Konkreter dagegen –so klang es zumindest aus dem Mund der Bausenatorin - sind die Pläne für Ladebow. Dort sieht der Nahverkehrsplan die Einrichtung einer neuen Citybus-Linie 4 vor: zunächst bis zur Max-Reimann-Straße, dann später im weiteren Linienverlauf bis zur Wiecker Brücke. Wann es zur Einrichtung der Linie kommt, konnten die Stadtwerke allerdings noch nicht sagen. Von der Stadt als Aufgabeträger seien bislang noch keine detaillierten Anforderungen an den Verkehrsbetrieb herangetragen worden, sagte die Sprecherin der Stadtwerke, Steffi Borkmann.

Martina Rathke

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