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Greifswald Greifswalder für mehr Tempo-30-Zonen
Vorpommern Greifswald Greifswalder für mehr Tempo-30-Zonen
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16:30 16.01.2019
In Teilen der Wolgaster Straße gilt nachts Tempo 30 Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

Über 90 Prozent der Greifswalder fühlen sich durch zuviel Krach in der Stadt belastet oder sehr belastet. Das ist das Ergebnis der Auswertung der Antworten in Fragebögen im Zuge der Fortschreibung des Lärmaktionsplans der Hansestadt. Allerdings ist das keine repräsentative Befragung. Genutzt haben die im Internet mögliche Beteiligung 117 Bürger beziehungsweise Familien.

Tobias Schönefeld sieht die Stadt indes auf einem guten Weg. Der Mitarbeiter des Dresdner Planungsbüro Ditmar Hunger führt die Feder bei der Überarbeitung des Lärmaktionsplans. „Die Geschwindigkeitsreduzierungen auf Teilstrecken viel befahrener Straßen auf 30 km/h haben ihr Ziel erreicht“, informierte er auf der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend. Dort würde nun der als gesundheitsgefährdende geltende Wert von 60 Dezibel unterschritten. Die Lärmbelastung wird dabei nicht gemessen, sondern berechnet. Berücksichtigt werden zum Beispiel die Zahl der Fahrzeuge, der Anteil der Lkw, die zugelassene Höchstgeschwindigkeit und die Art der Straßenbeläge. „Das wird europaweit so gemacht“, sagte Schönefeld auf eine Frage von Christian Radicke (Bürgerliste. „Damit werden sehr gute Ergebnisse erzielt.“

Goethe- und Stephanistraße brauchen Hilfe

Tempo 30 in der Nacht gelten aktuell beispielsweise in Teilen der Anklamer -, der Wolgaster - und der Bahnhofstraße. In der Fragebogenaktion war die Geschwindigkeitsbegrenzung die populärste Maßnahme. 80 Prozent der Befragten befanden sie als besonders geeignet, zumal sich die Beschilderung schnell umsetzen lässt. Im Zuge der Fortschreibung des Lärmaktionsplans wird die Ausweisung weiterer Tempo-30-Bereiche diskutiert, zum Beispiel in der Makarenkostraße und der Wolgaster Landstraße in Eldena. Tempo 30 ist nicht das einzige Mittel im Kampf gegen Krach. Auch die Gestaltung der Verkehrswege und der Belag der Straßen spielen eine große Rolle.

„Wir müssen auch etwas für die Anwohner der Goethe- und der Stepanistraße tun“, betonte Tobias Schönefeld. „Die Loefflerstraße ist momentan auch kein vernünftiges Vorzimmer der guten Stube der Stadt.“ Die Aufzählung lasse sich fortsetzen. Im Fokus der Lärmaktionsplanung stehen dabei alle Straßen, an denen die Anwohner mit Straßenverkehrslärm über 65 Dezibel ganztags und über 55 Dezibel nachts belastet sind.

„Fußgänger haben nicht die Lobby der Radfahrer“

Lenkung des Durchgangsverkehrs auf die Ortsumgehung, Durchfahrtverbote in Wohngebieten, Parken-und-Reisen-Plätze sowie ein besserer Öffentlicher Personennahverkehr bleiben Themen der Planer. Auch die Stärkung des Radverkehrs sowie die Vernetzung von Bus, Bahn und Rad spielen bei der Fortschreibung des Lärmaktionsplans weiter eine wichtige Rolle. Schönefeld wartet schon sehnsüchtig auf die Radstation, die am Bahnhof gebaut werden soll.

Man müsse stärker auf die Bedürfnisse der Fußgänger eingehen, forderte der Planer. „Sie spielen eine zentrale Rolle“, sagte Schönefeld. „Es gibt noch großen Handlungsbedarf bei der Barrierefreiheit. Fußgänger haben nicht die Lobby der Radfahrer.“ Eine Auffassung, die auch die Bauausschussvorsitzende Monique Wölk (SPD) teilt.

Zweifel an Wirksamkeit des Carsharings

Carsharing wird auch bei der Fortschreibung des Plans eine Rolle spielen. „Das ist ein tot geborenes Kind, Carsharing trägt sich in Greifswald nicht“, meint dazu Jürgen Liedtke (CDU). „Ein wenig Individualverkehr darf doch sein, diese Idee müssen wir nicht weiter verfolgen.“Das sieht Schönefeld anders. „Carsharing wird in Greifswald durch ein privates Unternehmen angeboten“, erinnerte er. Die Firma trage das Risiko, die Stadt habe keine Kosten. In Großstädten sei Carsharing ein Selbstläufer.

Gegen den Lärm

Insgesamt sind in Greifswald 2.978 Anwohner einer nächtlichen Lärmbelastung über 55 Dezibel ausgesetzt. Für neue Wohngebiete wird eine maximale Lärmbelastung von 45 Dezibel angestrebt. Schlafen bei abgekipptem Fenster setzt in der Regel eine Lärmbelastung unterhalb von 45 Dezibel voraus.

Die Umgestaltung von Kreuzungen zu Kreisverkehren ist eine wichtige Möglichkeit. Der Lärmaktionsplan nennt acht Kreuzungen, darunter Bahnhofstraße/Fleischerstraße/Gützkower Straße/Goethestraße und Stralsunder Straße/Ladebower Allee. Realisiert werden jetzt Ernst-Thälmann-Ring/Makarenkostraße und Lomonossowallee/Dubnaring/Einsteinstraße

Eine „bauliche Untersetzung des Niedriggeschwindigkeitsniveaus und die optische Gliederung“ der Loefflerstraße sind Teil der Planungen

Die Umgestaltung des Hanserings gehört zu den Maßnahmen. Im Lärmaktionsplan steht „Reduzierung von Trennwirkungen und Dominanz des Kfz-Verkehrs, gestalterische Aufwertung“.

Ortseingangsbereiche sollen geschwindigkeitsdämpfendgestaltet werden, Vorschläge sind Kreisverkehre in der Stralsunder und der westlichen Zufahrt der Anklamer Straße.

Zur Vermeidung von Pendlerverkehr sollen in Kooperation mit dem Umland weitere Wohn- und Einzelstandort auf der „Grünen Wiese“ vermieden werden.

Eckhard Oberdörfer

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