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Greifswald Greifswalder Sternwartenkuppel wird repariert
Vorpommern Greifswald

95 Jahre alte Sternwartenkuppel wird repariert

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10:00 18.01.2020
Der Verschluss der Kuppel der Sternwarte wird abgenommen und nun in der Werkstatt des Greifswalder Kunstschmieds Stefan Grimm repariert. Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Großer Bahnhof am Freitag auf dem historischen Universitätshof: Ein gewaltiger Kran rollte zunächst auf den Universitätshof. Arbeiter stiegen auf den aus Sicherheitsgründen eingerüsteten Turm der Sternwarte auf dem früheren Physikalischen Institut. Es ging vergleichsweise schnell. Schon vor 9 Uhr schwebte ein Teil der Kuppel herab. Er wurde auf einen Hänger des Greifswalder Kunstschmieds Stephan Grimm verladen. In dessen Werkstatt erfolgen nun nötige Reparaturarbeiten. Die Kuppel hat einen Durchmesser von sechs Metern. In einer Höhe von 35 Metern ist normalerweise ein toller Rundumblick möglich.

„Seit der Einweihung 1924 ist keine Reparatur erfolgt“, erläutert Christian Tambach, der Leiter des Referats Bau und Technik der Universität. Der Öffnungs- und Schließmechanismus funktionierte seit einiger Zeit nicht mehr richtig. Es war nicht mehr sicher, dass sich die Kuppel ordnungsgemäß öffnen und auch wieder schließen lässt. „Wir mussten etwas machen.“ Etwa 45 000 Euro gibt die Universität für diese Reparatur aus.

Geld für Sanierung der Alten Physik steht bereit

Tambach hofft, dass zum 100. Geburtstag der Sternwarte 2024 die Sanierung des seit über zwölf Jahren leerstehenden früheren Instituts abgeschlossen ist. Die Finanzierung – insgesamt rund 14 Millionen Euro – des stark mit Quecksilber belasteten Gebäudes ist im Grundsatz gesichert. Im Dezember 2019 hat zunächst der Bund 7,8 Millionen Euro und dann die Uni bis zu 8,4 Millionen Euro für die Sanierung bereitgestellt.

Bildergalerie: Greifswalder Sternwartenkuppel wird repariert

2024 feiert die Greifswalder Sternwarte ihren 100. Geburtstag. Dann soll die Sanierung des weltweit einzigen Zeiss-Doppelteleskops vollendet sein. Jetzt wird erst einmal die Kuppeltür repariert. 16 Millionen Euro stehen außerdem für die Sanierung des Physikinstituts bereit.

Ein potenzieller Nutzer ist das Zentrum zur Erforschung für Herrenhausforschung im Ostseeraum, das der Bund mit 2,59 Millionen Euro unterstützt. Konkret geplant und ausgeführt wird die Sanierung durch die Staatliche Bau- und Liegenschaftsverwaltung MV, den Nachfolger des Betriebs für Bau und Liegenschaften. Wer noch einzieht, stehe noch nicht fest, sagt Unisprecher Jan Meßerschmidt. Es gebe aber Ideen, wie beispielsweise den Einzug der Graduiertenakademie oder die Präsentation ausgewählter Objekte der Sammlungen.

Familie Conrads wird zum Ehrenmitglied ernannt

Für die Zugänglichkeit, das Funktionieren der Sternwarte hat die Universität in den zurückliegenden zwölf Jahren immer gesorgt. So wurden 2013 Kuppel und Turmzimmer repariert. Der 1992 gegründete Sternwartenverein konnte seine vielbeachtete Arbeit fortsetzen. Am 18. Januar findet nun im Audimax dessen Mitgliederversammlung statt.

Familie Conrads wird zum Ehrenmitglied ernannt, berichtet der Vorsitzende Tobias Röwf. Prof. Johannes Conrads vererbte dem Sternwartenverein Geld zur Finanzierung des mit 500 Euro dotierten Johannes-Conrads-Förderpreises für Astronomie & Raumfahrt. Vor der eigentlichen Versammlung werde ab 10 Uhr Prof. Timo Mappes vom Deutschen Optischen Museum Jena einen Vortrag über „Konzepte und Umsetzungen für das Leitmuseum der Optik“ halten, zu dem jedermann eingeladen ist. „Er verhandelt mit der Firma Schott über die Übernahme von deren alten Glas-Rückstellproben“, erzählt Röwf. „Das sind die aus der Schmelze, aus der unsere Doppellinse hergestellt wurde.“

Einziges Zeiss-Doppelteleskop soll saniert werden

Denn die 1924 eingeweihte Sternwarte kann auch mit ihrer Ausstattung punkten. Sie verfügt über das einzige erhaltene Carl-Zeiss-Doppelteleskop der Welt. Die Sternwarte wurde am 12. Juli 1924 eingeweiht. Für die Himmelsbeobachtungen wurde ein 20-Zentimeter-Refraktor der Jenaer Firma Carl Zeiss angeschafft. Das Doppelteleskop wurde 1935 um ein Spiegelteleskop erweitert.

Es muss restauriert werden. Laut Schätzung sind etwa 200 000 Euro nötig. Dafür werden durch den Verein Spenden gesammelt. „Die offizielle Wiedereröffnung soll zum 100. Jubiläum der Erstinbetriebnahme erfolgen“, so Röwf. Eine erste Etappe ist schon geschafft, die Sanierung der Optik. „Unser Mitglied Markus Ludes hat dafür gesorgt, dass wir seit dem letzten Jahr der breiten Öffentlichkeit sowohl das 20-cm-Linsenteleskop von 1924 als auch das 40-cm-Spiegelteleskop von 1935 für visuelle Beobachtungen zur Verfügung stellen können“, freut sich Tobias Röwf.

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Von Eckhard Oberdörfer

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