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Greifswald Abgebrannter Rewe-Markt: Inhaberin fühlt sich wie amputiert
Vorpommern Greifswald Abgebrannter Rewe-Markt: Inhaberin fühlt sich wie amputiert
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18:31 25.05.2018
Großbrand Greifswald: So sieht es auf dem Gelände des früheren Rewe-Marktes jetzt aus.  Quelle: Kay Steinke
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Greifswald

Noch immer liegt Brandgeruch über der Ruine des einstigen Rewe-Marktes in der Lomonossowallee. Petra Götz, Inhaberin des Marktes, steht davor und kann noch immer nicht richtig fassen, was sie da sieht. Am Pfingstsonntag war gegen 17 Uhr das Feuer durch die Zündelei zweier 14- und 15-jähriger Jugendlicher an einem Unterstand für Einkaufswagen ausgebrochen und hatte sich binnen zehn Minuten auf den gesamten Markt ausgebreitet (die OZ berichtete). Die Polizei schätzt den Schaden auf 6,5 Millionen Euro. „Ich fühle mich wie amputiert“, sagt Petra Götz, „ein Teil von mir ist einfach weg.“ Seit 20 Jahren arbeitet die gelernte Verkäuferin mit großem Engagement für die Rewe-Gruppe. Ihre beiden Märkte in der Lomonossowallee und der Beimlerstraße in Greifswald sind ihr Lebenswerk. Insgesamt 50 Mitarbeiter beschäftigt sie, davon 28 in der Lomonossowallee. Am Sonntag, gesteht Petra Götz, habe sie nicht gewusst, wie es weitergeht. „Die Flammen haben mir das Herz zerrissen“, sagt sie rückblickend.

Mitarbeiter gaben Halt

Dabei sollte es ein vergnügliches Pfingstfest werden: Sie war in Hamburg, wollte sich das Musical „Mary Poppins“ anschauen. Dann ereilte sie die Brandnachricht. „Das erste Foto schickte mir mein Sohn aus Dänemark. Wir sind sofort zurück nach Greifswald. An Musical war nicht mehr zu denken“, berichtet Petra Götz. Vor Ort in Greifswald habe sich ihr dann ein furchtbares Bild präsentiert. Zum Glück sei den beiden Mitarbeiterinnen der Bäckerfiliale, die vorbereitende Arbeiten erledigt hatten, nichts passiert. Die Frauen konnten sich rechtzeitig ins Freie retten, doch ihre persönlichen Sachen verbrannten. „Ich stand neben mir, konnte keinen klaren Gedanken fassen“, erzählt Petra Götz. Tränen rollen bei diesen Worten über ihre Wangen.Halt gaben ihr die Mitarbeiter, die fast alle zum Unglücksort geeilt waren. Das sei sehr tröstlich für sie gewesen. „Wir verstehen uns als Team, halten zusammen. Mit etlichen meiner Beschäftigten arbeite ich schon 20 Jahre“, so Götz. Die Mitarbeiter aus der Lomonossowallee habe sie jetzt mit in der Beimlerstraße untergebracht. „Wir rücken alle zusammen. Entlassen wird niemand, da habe ich die Unterstützung der Rewe-Gruppe“, sagt sie.

Wut auf die Brandstifter

Nach wie vor unglaublich wütend macht Petra Götz aber der Gedanke an die beiden jugendlichen Brandstifter: „Wenn sie schon nicht überblicken, was sie tun, sollten sie Anstand besitzen und meine Mitarbeiter und mich um Entschuldigung bitten. Doch Fehlanzeige, das ist nicht passiert.“Stephanie Behrens von der Unternehmenskommunikation der Rewe-Gruppe war gestern ebenfalls nach Greifswald gekommen. Sie berichtete Petra Götz, dass die Versicherung den Schaden abdecken werde. „Als Gebäudeeigentümer wollen wir natürlich schnell wieder neu bauen“, erklärt sie. Der Architekt sei bereits mit der Bauantragserstellung beschäftigt. „Wir setzen auf die Unterstützung der Hansestadt, um möglichst zügig zu bauen“, so Behrens. Der neue Markt werde größer als der jetzige. Dieser hatte 1300 Quadratmeter Fläche, der neue soll 1800 Quadratmeter haben. „Es wird nach unserem neuen Konzept ein Markt mit ökologischen Merkmalen und Energieeffizienz, der kohlendioxidneutral betrieben wird“, erklärt Behrens.

Hoffen auf schnellen Neubau

Ein schneller Neubau würde viele treue Kunden aus Schönwalde I erfreuen, da der Weg in ihren anderen Markt in der Beimlerstraße gerade für ältere Menschen weit sei, sagt Petra Götz. „Ich freue mich aber über jeden Kunden, das hilft mir im Moment am meisten“, so die Marktinhaberin. Es sei für sie sehr berührend, dass sie und die Mitarbeiter in den zurückliegenden Tagen von vielen Kunden Mut zugesprochen bekamen. „Ich merke, dass ich nicht alleingelassen werde“, sagt Petra Götz und lächelt. Geschlossen bleibt nach Aussage von Behrens vorläufig erst einmal auch der angrenzende Penny-Markt, der ebenfalls zur Rewe-Gruppe gehört. „Allein der Schaden durch das Löschwasser ist ganz erheblich. Zudem müssen alle Waren und technischen Geräte ausgetauscht und auch das Dach instandgesetzt werden. Das lässt sich nicht in 14 Tagen realisieren, sondern dauert länger“, so die Rewe-Sprecherin. Aber auch hier gelte, dass niemand entlassen werde. „Wir wollen unser gutes Personal halten, damit es bei Wiedereröffnung zur Verfügung steht“, bekräftigt sie.

Meerkatz Cornelia

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