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Greifswald Abrafaxe bislang nur zu 20 Prozent ausgelastet
Vorpommern Greifswald Abrafaxe bislang nur zu 20 Prozent ausgelastet
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02:15 08.07.2014
Leere Ränge? Intendant Dirk Löschner (re.) mit seinem Bruder und Chefdramaturgen Sascha Löschner auf der neuen Tribüne. Quelle: Christian Rödel

Greifswald — Die Nachricht sorgte vorige Woche für Überraschung: Der Aufsichtsrat des Theaters Vorpommern will dem Intendanten Dirk Löschner zum Sommer 2015 kündigen. Die OSTSEE-ZEITUNG nahm das für ein Interview zum Anlass.

OSTSEE-ZEITUNG: Herr Löschner, können Sie sich die Entscheidung des Aufsichtsrates erklären?

Dirk Löschner: Mir wurden bislang keine Gründe mitgeteilt. Insofern könnte ich nur spekulieren, das will ich nicht. Natürlich möchte ich gern bleiben. Ich bringe ja nicht so viel Arbeit und Energie auf, um mittendrin hinzuschmeißen. Aber man braucht natürlich auch von den Trägern und der Politik Rückhalt für das, was man tut. Das wird jetzt in Gesprächen zu klären sein.

OZ: Derweil haben mit den „Abrafaxen“ die Ostseefestspiele begonnen. Der Verkauf in Greifswald und Stralsund lief nicht gut. Wie sieht Ihre Einschätzung aus?

Löschner: Gemischt. Für die Abrafaxe als erste von drei Produktionen bekamen wir sehr viel Zuspruch. Ich denke, das Publikum hat sich zu 95 Prozent sehr gut amüsiert bei den ersten neun Aufführungen. 13 folgen noch. Ich kann nicht sagen, dass die Besucherzahlen eine Katastrophe waren. Aber sie sind natürlich noch nicht das, was wir am Ende insgesamt erwarten.

OZ: Wie sind denn die Zahlen konkret? Sie rechneten vorab mit einer Auslastung von 50 Prozent.

Löschner: Wir hatten pro Aufführung 100 bis 500 verkaufte Karten. Das ist bezogen auf die Gesamtkapazität eine Auslastung von etwa 20 Prozent. Aber die 1400 Plätze sind die Maximalkapazität, da wollen wir mal in ein paar Jahren hin. Jetzt fangen wir an. Natürlich bin ich mit den Zahlen nicht zufrieden, aber auch nicht todunglücklich.

OZ: Wie wollen Sie mehr Gäste anlocken?

Löschner: Unser Ziel ist es, die Urlauber zu erreichen. Das schaffen wir aber nicht in Greifswald vor der Urlaubssaison, sondern erst in den Ferien auf den Inseln.

OZ: Wie läuft dort der Vorverkauf?

Löschner: Das ist im Moment noch nicht so doll. Wir sind erst ab 16. Juli in Heringsdorf. Unmittelbar davor laufen die Marketingmaßnahmen, denn die Urlauber, die dann dort sind, kommen ja erst. In Vorbereitung sind Plakatierungen an Straßen, in Geschäften, Hotels. Eine halbe Million Flyer wurden verteilt. Außerdem agieren wir gemeinsam mit dem Tourismusverband, bilden Promotionteams, die in den Badeorten gezielt Familien mit Kindern ansprechen. Zusätzlich wird es Radiospots geben.

OZ: Laut Spielplan wollen Sie 2015 die „Abrafaxe 2“ aufführen. Egal, wie jetzt die Resonanz ist?

Löschner: Wenn man etwas unternimmt, dann kann man sich auch irren. Natürlich wird es am Ende eine wirtschaftliche Betrachtung geben. „Die Abrafaxe und das Auge des Sri Ranga“ heißt heute der Plan. Wenn sich zeigt, dass das kein guter Plan ist, werden wir ihn ändern.

OZ: Aufsichtsratsmitglieder werfen Ihnen vor, Sie produzierten zu teuer. Wie sehen Sie das?

Löschner: Für das neue Equipment der Ostseefestspiele haben wir eine Förderung von 90 Prozent erhalten, also fast geschenkt — und zwar nach langer Vorbereitung, nach eingehender Prüfung durch das Landesförderinstitut und Beschlüssen des Aufsichtsrates. Es ist unser Equipment, damit sind wir autark, müssen es nicht teuer mieten. Das allein ist ein Erfolg. Im Übrigen haben auch die Störtebeker-Festspiele nicht bei 8800 Gästen pro Tag begonnen. Natürlich haben wir es mit hohen Kosten zu tun. Die betreffen weniger die Investition, als viel mehr den Auf- und Abbau.

OZ: Einige OZ-Leser bemängeln das fehlende Niveau bei den Abrafaxen. Wie sehen Sie das?

Löschner: Man kann im Sommer bei Familienstücken nicht die gleiche Messlatte anlegen wollen, wie etwa bei einer Wagner-Oper. Es geht hier um Unterhaltung, die gut gemacht sein sollte. Wir denken, dass wir das tun.

OZ: In der Vergangenheit war oft von Unzufriedenheit im Ensemble zu hören. Wie schätzen sie die Situation derzeit ein?

Löschner: Ich denke, dass jetzt eine gute Stimmung herrscht. Nehmen Sie das Ballett: Da steckt ein sehr guter, produktiver Geist drin. Dasselbe kann ich vom Musiktheater sagen. Da gibt es ein wunderbares Miteinander, was auch an den Ergebnissen sichtbar ist. Auch das Schauspiel hat eine sehr erfolgreiche Spielzeit hinter sich, das tut der Ensemblebildung gut. Ich denke, wir haben einen Weg gefunden, die älteren und jüngeren Mitglieder stärker in einen Dialog zu bringen. Im Orchester ist es angesichts der Metrum-Sparvorschläge aktuell unruhiger. Dort gibt es die meisten Zukunftssorgen, das ist sehr schade, weil auch hier die qualitative Entwicklung hervorragend ist.

OZ: Der Spielplan für die kommende Saison steht. Es scheint, als gäbe es weniger große Schauspielproduktionen.

Löschner: Wir machen nicht eine weniger als in der Vergangenheit. Im Gegenteil: Wir planen sechs große Aufführungen — und damit sogar eine mehr — plus Ostseefestspiele. Außerdem haben wir die Produktionen für die kleinen Spielstätten vervielfacht. Ohne mehr Mittel oder Personal. Zur Erinnerung: Seit der Fusion der Häuser 1994 hat das Theater 105 Mitarbeiter verloren.

OZ: Um den begrenzten und seit Jahren nicht erhöhten Etat gibt es immer wieder Diskussionen. Wie sehen Sie das, auch angesichts des Vorwurfs, die Lohengrin-Aufführung sei zu teuer gewesen?

Löschner: Um die hohen Kosten für Lohengrin wusste ich vorher aus meiner Erfahrung in Detmold. Deshalb bin ich rechtzeitig auf Suche nach Kooperationspartnern gegangen, wurde in Stettin fündig. Selbst Reise- und andere Kosten wurden mit Fördermitteln externer Geldgeber finanziert. Lohengrin war ein sehr erfolgreiches Stück, bei dem alle Kräfte gebündelt wurden. So etwas tut dem Haus gut, verbreitet eine positive Energie. Im Übrigen arbeiten wir die Spielzeit über mit einem Gästeetat von 500 000 Euro für sämtliche Produktionen. Das kann man bundesweit suchen. Vergleichbare, ebenfalls fusionierte Stadttheater mit Haustarifvertrag verbrauchen bis zu 900 000 Euro.

OZ: In der Spielzeit 2012/13 verlor das Theater Vorpommern 38 600 Zuschauer im Vergleich zum Vorjahr. Wo werden Sie jetzt landen?

Löschner: Diesen Einbruch machen wir wett, das Ergebnis vom Jahr vor meinem Amtsantritt werden wir auf alle Fälle erreichen.

OZ: Worauf können sich die Theaterbesucher ab August freuen?

Löschner: Zum Beispiel auf das neue Abo für Studenten, Schüler und Azubis. Es heißt Theatersixpack: Sechs Karten, die nicht personengebunden sind, zu einem sehr attraktiven Preis von 36 Euro.

Damit kann man an einem Abend auch zu sechst kommen. Im Übrigen wollen wir die neue Spielzeit wieder mit einem Theaterfest einläuten — in Greifswald am 27. September. Und ich meine, es gibt jede Menge Gründe, dieses Theater und seine Ensembles zu feiern.



Petra Hase

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