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Greifswald Abzocke per Mausklick: Die Polizei kennt Hunderte Fälle in Vorpommern
Vorpommern Greifswald Abzocke per Mausklick: Die Polizei kennt Hunderte Fälle in Vorpommern
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12:52 12.11.2019
Ein zu einfaches Passwort für den Account lässt sich schnell hacken. Quelle: picture alliance / dpa
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Vorpommern

Es ist einer dieser Fälle, bei denen man sich fragt: Kann mir das auch passieren? Und wie kann ich das vermeiden? Geschehen war Folgendes: Bei der Verlängerung seines Mobilfunkvertrags erhielt Arne Schmidt* 2014 ein neues iPhone. Sein altes stellte er bei Ebay-Kleinanzeigen ein. Für 630 Euro inklusive Versand wollte der 35-Jährige aus der Nähe von Stralsund das Handy verkaufen. Ein Interessent meldete sich kurze Zeit später. „Er fragte, wie schnell ich das Handy verschicken könnte. Es sollte ein Geschenk sein und er hat gesagt, dass er den zusätzlichen Expressversand bezahlen würde“, erinnert sich Schmidt.

Das Geld für das Handy ging auf Schmidts Paypal-Konto ein. Er verschickte den Artikel wie gewünscht per Express an die Adresse, die der Käufer ihm auf Ebay-Kleinanzeigen geschrieben hatte. „Nach vier Tagen meldete sich der angebliche Käufer via Paypal und fragte, wo das Handy bleibt.“

Online-Betrug: Mehr als 70 Prozent der Fälle auf Ebay

Was Schmidt zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: dass er auf den sogenannten Dreiecksbetrug hereingefallen ist. Das Prinzip ist recht ausgeklügelt (siehe Infokasten rechts). Die Kurzversion: Der Täter hat das Handy zwar gekauft, aber eine dritte Person via Paypal bezahlen lassen, die wiederum angegeben hat, dass der Artikel nie angekommen sei. Schmidt ist sein Handy am Ende losgeworden, doch das Geld ging durch den Käuferschutz von Paypal wieder zurück an die dritte Person.

Der Dreiecksbetrug ist nur eine von unzähligen Betrugsmaschen im World Wide Web. Im Landkreis Vorpommern-Rügen gab es in den Jahren 2015 bis einschließlich 2019 etwa mehr als 3300 angezeigte Internetdelikte (Stand 30. September). Dazu zählen nicht nur Vermögens- und Fälschungsdelikte über Plattformen wie Ebay, sondern auch das Verbreiten von Nacktbildern ohne die Zustimmung des Abgebildeten.

Cyberkriminalität: So schützen Sie sich im Internet

Mehr als 70 Prozent machen Ebay-Betrügereien wie auch im Fall von Arne Schmidt aus. „Hier kommt es häufig zu Identitäts-Diebstählen“, erklärt Mathias Müller von der Polizeiinspektion Stralsund. Dei diesem Betrug hacken die Täter den Account einer Person, bieten Ware im Namen des Opfers an und lassen sich das Geld auf ihr eigenes Konto überweisen. Die Opfer merken das oft zu spät. Die Zahl der Identitäts-Diebstähle hat in den vergangenen zwei Jahren stark zugenommen, so Müller. Zum Vergleich: 2017 wurden 71 Delikte verzeichnet, in diesem Jahr bis Ende September bereits 335. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald gingen im vergangenen Jahr 181 Anzeigen wegen Waren- und Warenkreditbetrug mit dem Tatmittel Internet ein. 2017 wurden 146 Anzeigen in Vorpommern-Greifswald gestellt.

Die Masche des Dreiecksbetrugs

Der Täter kauft einen Artikel wie beispielsweise ein Smartphone von Person A. Der Täter überweist aber kein Geld. Stattdessen bietet er das gleiche Modell zum gleichen Preis im Internet an. Eine dritte Person (B) kauft nun das Handy des Täters online, das er allerdings nicht hat. Der Täter übermittelt nun Person B die Paypal-Adresse von Person A. Sobald das Geld bei Person A eingeht, verschickt er das Handy an die vom Täter genannte Adresse. Da Person B das Smartphone nicht erhält, bekommt er sein Geld über den Paypal-Käuferschutz zurück. Das Handy liegt nun beim Täter. Da Person A den Artikel nicht an die bei Paypal hinterlegte Adresse des Käufers verschickt hat, sondern die Adresse des Täters per Nachricht erhalten hat, entfällt für ihn der Verkäuferschutz von Paypal.

Love-Scamming: Opfer schämen sich und erstatten keine Anzeige

Doch die Dunkelziffer bei Cyberkriminalität liege deutlich höher, erklärt Polizeisprecher Andrej Krosse von der Polizeiinspektion Anklam. Die Dunkelfeldstudie Mecklenburg-Vorpommern, die vom Landeskriminalamt zusammen mit der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege im vergangenen Jahr durchgeführt wurde, zeigt, dass lediglich knapp zehn Prozent der Delikte angezeigt werden. „Der Großteil der Straftaten wird der Polizei also nicht bekannt gegeben“, so Krosse. Dennoch raten sowohl die Anklamer als auch die Stralsunder Polizei, Anzeige zu erstattet.

Jeder Betrug sollte angezeigt werden, sagt Andrej Krosse von der Polizeiinspektion Anklam Quelle: Hannes Ewert

„Es ist nicht auszuschließen, dass es Menschen gibt, die aus Scham auf eine Anzeigenerstattung verzichten. Gerade beim sogenannten Love Scamming, das ein weiteres immer häufiger auftretendes Phänomen ist“, erklärt Mathias Müller von der Polizeiinspektion Stralsund. Auf Datingportalen werden Menschen beim „Love oder Romance Scamming“ von Unbekannten mit Liebesbekundungen um den Finger gewickelt. Dafür nutzen Täter, die meist im Ausland sitzen, Bilder von fremden Personen und geben sich als gut situierte Menschen aus. Nach einiger Zeit äußern die Täter, dass sie unverschuldet in Geldnot stecken. Die Opfer sind bis dahin meist schon so tief in den Liebesfängen, dass sie die Geschichte glauben und Geld verschicken. „Das führt teilweise so weit, dass die Geschädigten Kredite aufnehmen und Geldsummen bis in den fünfstelligen Bereich an die Täter überweisen“, erklärt Müller. Wenn das Opfer nichts mehr überweist, weil kein Geld da ist, bricht der Kontakt seitens der Täter ab.

Erst vor zwei Wochen war der Fall einer 59-jährigen Stralsunderin bekannt geworden, die mit dieser Masche von einem angeblichen US-Soldaten um 8000 Euro geprellt worden war. In einem weiteren Fall verlor eine 58-jährige Neubrandenburgerin 8700 Euro an einen Mann, den sie auf Facebook kennengelernt hatte und der vorgegeben hatte, bei einer Telekommunikationsfirma in Kabul zu arbeiten.

Opfer: „Diesen Fehler werde ich nicht noch mal machen …“

Auch Anzeigen wegen sogenannter Bitcoin-Erpressungen treten immer häufiger auf. „Täter drohen hier beispielsweise per E-Mail mit der Veröffentlichung von Videos des Geschädigten, wenn sie nicht bereit sind, zu zahlen“, erklärt Müller.

Im Fall von Arne Schmidt stellte sich heraus, dass die Adresse, an die er das Smartphone geschickt hatte, bereits mit anderen Betrugsmaschen im Internet in Verbindung gebracht wurde. Nachdem er Anzeige in Stralsund erstattet hatte, ging der Vorgang weiter nach Hamburg, „weil der Betrug in Hamburg begangen wurde“, so Schmidt.

Als der 35-Jährige die Polizei in der Hafencity erneut kontaktierte, wurde ihm mitgeteilt, dass es nur wenig Hoffnung gebe, das Geld zu erhalten. Eines steht jedoch fest: „Diesen Fehler werde ich nicht noch mal machen. Artikel werde ich nur noch an die bei Paypal hinterlegte Adresse schicken.“*Name von der Redaktion geändert

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