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Greifswald Ärger um Zaun in der Dänischen Wiek
Vorpommern Greifswald Ärger um Zaun in der Dänischen Wiek
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00:00 29.07.2015
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Greifswald

120 Meter weit ragt der Zaun in die Dänische Wiek. Er soll das Strandbad Eldena vor einem Besuch ohne Eintritt schützen. Doch der Zaun wird Jahr für Jahr illegal ins Wasser gebracht.

Eine Gefahr für den Bootsverkehr sei er, schreibt das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund der Stadt unter Berufung auf eine am 12. Juni durchgeführte Ortsbesichtigung. Das Tiefbau- und Grünflächenamt wird gebeten, „umgehend den Rückbau des Zaunes zu veranlassen“, heißt es in dem Schreiben vom 29. Juni. Doch die Stadt will nicht: „Sie hat am 13. Juli die nachträgliche Genehmigung zur Abgrenzung der Hafenanlage ,Kommunales Wassersportzentrum‘ zum Badebereich des Strandbades beim Wasser- und Schifffahrtsamt beantragt“, informiert dazu Bärbel Lenuck, Mitarbeiterin der Pressestelle. Ferner habe die Pächterin, die Gemeinnützige Gesellschaft für Arbeitsförderung, Beschäftigung und Strukturentwicklung (ABS), um Aufschub bis zum 10. August gebeten. Nach dem Urlaub der zuständigen Mitarbeiterin werde es in Eldena einen Termin im Strandbad geben, um eine einvernehmliche Lösung zu finden, informiert Lenuck weiter.

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Carsten Becker, Betreiber des nahen Campingplatzes „An der Dänischen Wiek“, hat ebenfalls Argumente gegen den Zaun. „Ich habe im letzten Jahr den Platz eröffnet und dabei Naturschutzauflagen einhalten müssen“, sagt er. „Kein Mensch versteht, dass Jahr für Jahr ein Bauzaun in einem Europäischen Vogelschutzgebiet errichtet wird.“ Ein Fall für die Untere Naturschutzbehörde, den Landkreis Vorpommern-Greifswald, der deshalb Montag Post vom Umweltministerium bekam. „Nach einer ersten Recherche steht der Bauzaun fast vollständig in Flachwasserbereichen außerhalb der Gemarkung Greifswald“, so Sprecher Achim Froitzheim. Damit sei nicht der Kreis, sondern das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt zuständig, dass sich nun mit dem Fall beschäftigen wird. „Vorsichtig eingeschätzt würde ich eher nicht erhebliche Naturschutzkonflikte sehen“, meint Froitzheim.

Carsten Becker hat noch mehr Anti-Zaun-Argumente. Er verweist auf das Landesnaturschutzgesetz: Das Wandern am Strand müsse möglich sein, ohne zu bezahlen. Ein angemessenes Verhältnis zwischen abgabepflichtigem und abgabefreiem Strand sei zu wahren. Das kann Becker in Eldena nicht entdecken. Abgesehen davon: Gäste des Campingplatzes würden täglich fragen, warum der hässliche Bauzaun das idyllische Bild von Wieck und Eldena störe. Stimmt, sagen Meike, Holger und Nico Frank aus St. Augustin bei Bonn. „Das Strandbad kann doch nur ein Zuschussgeschäft sein“, meint Holger Frank mit Blick auf die wenigen Besucher. „Es wäre besser, Kurtaxe zu nehmen und davon die Reinigung des Strandes zu bezahlen“, so Frank. Eldena und Wieck seien sehr schön, betont er. „Alles wunderbar hier“, bestätigt der Wuppertaler Bernd Uebermuth, der die Sommermonate hier verbringt und eine Dauerkarte fürs Strandbad gekauft hat. „Auch damit wir nach Wieck und zurück am Strand entlang gehen können“, sagt er. Der Zaun störe die Idylle, findet er.

Becker meint zudem, dass die ABS wegen fehlender Strandbadeinnnahmen versuche, Geld mit Veranstaltungen zu verdienen. Zu Lasten der Camper, die mit unzulässigem Lärm gestört würden.

Die Gäste fragen, warum der hässliche Zaun hier steht.“Carsten Becker, Campingplatzbetreiber



Eckhard Oberdörfer