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Greifswald Ahmadiyya-Muslime reisen durch Vorpommern-Greifswald
Vorpommern Greifswald Ahmadiyya-Muslime reisen durch Vorpommern-Greifswald
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Imam Shakeel Ahmed Omar (30) leitet die Hamburger Gemeinde der Ahmadiyya. In Greifswald stellte er die bundesweite Infokampagne „Wir sind alle Deutschland“ für Vorpommern vor. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

 Der Islam hat einen schlechten Ruf, findet Shakeel Ahmed Omar. „Wenn wir das Wort ’Islam’ hören, erscheinen in den Köpfen sofort Gewalt und Gräueltaten. Wäre ich kein gläubiger Moslem und würde nur die Medien konsumieren, hätte ich auch so ein Bild“, sagt der Imam der Hamburger Ahmadiyya-Gemeinde. Gegen Vorurteile kämpfen will die Gemeinde mit einer bundesweiten Infokampagne, die dieser Tage in Vorpommern läuft.

Das Motto der Gemeinde: „Liebe für alle. Hass für keinen.“ Religion wolle Frieden und ein liebevolles Miteinander fördern, sagt Ahmed Omar. Fehlender Kontakt zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, im Namen der Religion verübte Gewalt und Vorurteile auch in Regionen wie Vorpommern, würden das Bild der Religion verzerren. Das Gegenmittel: der persönliche Kontakt und Gespräche. „Wir werden in 244 Ortschaften in Vorpommern Flyer verteilen und mit den Menschen reden“, sagt Adnan Mahmood, bei der Ahmadiyya in Hamburg zuständig für interreligiösen Dialog.

Keine Ahmadiyya-Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es keine organisierte Ahmadiyya-Gemeinde, nur vereinzelt Mitglieder, sagt Mahmood. Deswegen organisiert die Hamburger Gemeinde die Kampagne in Vorpommern. Halt machen werden die Gläubigen unter anderem in Greifswald, Wolgast, Ahlbeck, Anklam, Ueckermünde, Eggesin, Torgelow, Pasewalk und Angermünde. Im Zeitraum von Mitte April bis Ende Juni laufen die Aktionen, pausiert wird während des Fastenmonats Ramadan ab der zweiten Maiwoche bis Anfang Juni.

Die Ahmadis sind eine Minderheit innerhalb des Islams, die 1889 im heutigen Pakistan von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad (1835 bis 1908) gegründet wurde. Er wird von den Ahmadis als Messias angesehen, der im Koran prophezeit wurde. Andere Glaubensrichtungen lehnen diese Interpretation ab. Für ihren Glauben werden die Ahmadis in Pakistan verfolgt, manche Mitglieder getötet.

In Deutschland leben laut eigenen Angaben rund 45.000 Ahmadis, davon rund ein Zehntel in Hamburg. Hamburg und Hessen erkennen die Ahmadiyya als Körperschaft des Öffentlichen Rechts an – als einzige muslimische Gemeinde in Deutschland.

Imam Shakeel Ahmed Omar (r.) und Adnan Mahmood von der Ahmadiyya-Gemeinde aus Hamburg stellen die Infokampagne für Vorpommern in Greifswald vor. Quelle: Christopher Gottschalk

Oberbürgermeister Fassbinder begrüßt Infokampagne

Zuspruch erhält die Kampagne von Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) und dem SPD-Politiker Ibrahim Al Najjar, Integrationsbeauftragter des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Beide erklären auf OZ-Nachfrage, offen für ein Treffen mit Vertretern der Gemeinde zu sein. „Ich stehe der Infokampagne positiv gegenüber und finde es wichtig, dass informiert wird und man ins Gespräch kommt“, sagt OB Fassbinder. „Alles, was negative Vorurteile abbaut, begrüße ich. Liberale Muslime, die die Gesetze, unsere Verfassung und die demokratische Gesellschaft respektieren, sind hier herzlich willkommen“, sagt Al Najjar.

Greifswalds OB Fassbinder besucht muslimische Gemeinde in Greifswald

Die hiesige muslimische Gemeinde äußert sich so: „Sie wollen aufklären. Wir stimmen der Botschaft zu, dass alle Religionen friedlich sind und ein gutes Zusammenleben fördern wollen“, sagt Mohammad Alkilzy, Vorsitzender des Islamischen Kulturzentrums Greifswald. In den Räumlichkeiten in der „Kiste“ finden unter anderem die Freitagsgebete der 2000 Muslime starken Greifswalder Gemeinde statt.

Anhänger der Ahmadiyya gebe es in Greifswald jedoch nicht, sagt Alkilzy. Die in Greifswald lebenden Muslime stammen hauptsächlich aus Syrien, Afghanistan, Iran, Ägypten, der Türkei, aber auch aus der Russischen Föderation und der Ukraine. Unter ihnen sind geflüchtete Familien, aber auch zahlreiche Studierende, Wissenschaftler und Ärzte.

Frauen leiden unter Islamophobie

In die gleiche Kerbe der Zustimmung schlägt der Pommersche Evangelische Kirchenkreis (PEK). „Der Pommersche Evangelische Kirchenkreis pflegt einen intensiven interreligiösen Dialog, dazu gehört auch der Dialog mit Menschen verschiedener muslimischer Glaubensrichtungen“, sagt Sebastian Kühl, Pressesprecher des PEK.

Diskriminierung und Vorurteile erführen Muslime, wenn auch nicht alltäglich, so doch immer wieder, sagen sowohl Vertreter der Ahmadiyya als auch der Greifswalder Gemeinde. „Islamophobie trifft extrem die Frauen, die ein Kopftuch tragen. Sie werden dann beschimpft und leiden darunter. Das tut weh“, sagt Mohammad Alkilzy. Um das Thema weiter in die Öffentlichkeit zu tragen, findet Anfang Juni ein Vortrag zum Thema „Islam – Eine Bedrohung oder eine Quelle für den Frieden“ statt im Greifswalder Mercure-Hotel.

Christopher Gottschalk

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