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Greifswald Lehrermangel an Dorfschulen in MV: So will die Uni Greifswald dagegen vorgehen
Vorpommern Greifswald Lehrermangel an Dorfschulen in MV: So will die Uni Greifswald dagegen vorgehen
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21:46 07.03.2019
Schulen in Greifswald und Stralsund sind bei Absolventen der Uni beliebt, in Dörfer und Kleinstädte wollen nur wenige. Quelle: dpa
Greifswald

In Mecklenburg-Vorpommern fehlen in den kommenden Jahren Lehrer. „Selbst wenn alle 500 Absolventen eines Jahrgangs bleiben, reicht es nicht, um die frei werdenden Stellen zu besetzen“, stellt Andreas Fritsch, Leiter der Integrierten Qualitätssicherung in Studium und Lehre der Uni Greifswald, fest. Allein zum Schuljahr 2019/2020 müssten in MV 700 Lehrerstellen besetzt werden.

Die noch von 2016 stammende Bedarfsprognose des Landes geht von einem Anstieg bis 2022 auf dann knapp 800 aus. Den größten Bedarf für Neueinstellungen haben in den nächsten Jahren die Regionalschulen vor den Gymnasien. Die Zahl der Lehramtsstudenten muss erhöht werden. Das Land plant langfristig mit 4000 Lehramtsstudienplätzen, davon 1500 in Greifswald. Die absolute Zahl ist indes nur eine Seite des Problems.

Stralsund und Greifswald haben guten Zulauf

Während die größeren Städte wie Greifswald und Stralsund guten Zulauf haben, besteht nach Angaben des Bildungsministeriums im ländlichen Raum Mangel. „Schon jetzt gibt es zu wenig Lehrer in den Kreisen Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte und darum hier auch die meisten Quereinsteiger“, bestätigt Fritsch.

Um Grundlagen für Veränderungen zu schaffen, hat der zuständige Prorektor Prof. Steffen Fleßa die Integrierte Qualitätssicherung mit einer Befragung der Studenten an den vier lehrerbildenden Hochschulen des Landes beauftragt. „Ruhe, Entspannung und Natur sprechen für den ländlichen Raum“, nennt Fritsch Ergebnisse. Auch die Nachfrage nach studierten Fächern, vorhandene Stellen sind für die Absolventen Argumente, sich fürs Land zu entscheiden. Neben klassischen Gründen wie Erreichbarkeit und fehlende Infrastruktur führten die Befragten auch rechte Tendenzen und die Überalterung der Dörfer und Kleinstädte gegen den ländlichen Raum an.

Prorektor Prof. Steffen Fleßa Quelle: Kilian Dorner/Universität Greifswald

Studenten wollen lieber aufs Dorf als in die Großstadt

„Die Studierenden wollen aber mehrheitlich nicht in wirklich große Städte, sondern in solche zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnern“, ergänzt Fleßa. „Sie wollen lieber das Dorf als die Großstadt.“ Wer Lehrer werden will, hat offenbar meist einen relativ starken Bezug zur Herkunftsregion. 75 Prozent der Lehramtsstudierenden stammen aus MV. „71,5 Prozent der Greifswalder Studierenden können sich vorstellen, in Mecklenburg-Vorpommern zu bleiben“, berichtet Fritsch. „In Rostock sind es 82,9 Prozent.“

Um mehr junge Leute für den ländlichen Raum zu gewinnen, schlägt Steffen Fleßa Vorverträge mit Studierenden und kostenlose Praktika vor, bei denen das Land die Reisekosten übernimmt. Erfreulicherweise sei das Interesse der ländlichen Schulen an Partnerschaften mit der Uni groß. Wer im Studium dort möglichst schon früh, das heißt in den ersten Semestern, Erfahrungen sammelt, entscheidet sich im leichter für Dorf- und Kleinstadtschulen.

MV lädt zu Bustour in die Kleinstädte ein

Darum lädt das Land aktuell zu einer Bustour nach Pasewalk, Löcknitz, Torgelow und Ueckermünde ein, mit der für die Schulen vor Ort geworden werden soll. Auch Projekte wie „Uni auf dem Dorf“ gehören in diesen Werkzeugkasten. Die Uni Greifswald hat positive Erfahrungen in einem Projekt mit Weitenhagen gesammelt. Frühe Erfahrungen an der Schule tragen sicher dazu bei, die Abbrecherquote in späteren Semestern zu senken. „Wer im zweiten Semester wechselt, ist weder böse noch dumm“, betont der Prorektor. Ein Wechsel sei legitim. Von einer Absenkung der Anforderungen hält er nichts. „Die Leistungsanforderungen sind angemessen.“

Besonders dramatisch ist der Mangel in Vorpommern-Greifswald, Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische Seenplatte in Fächern, die an der Universität Greifswald nicht angeboten werden beziehungsweise 2009 bei der großen Kürzungsrunde an der Hochschulen des Landes abgeschafft wurden. Seither gibt es in Greifswald mit Ausnahme der Geographie und der wieder eingeführten Mathematik für Gymnasien keine naturwissenschaftliche Ausbildung für Pädagogen mehr. „Diese Entscheidung fällt dem Land jetzt auf die Füße“, sagt der Prorektor.

Wer MV verlässt, kommt selten zurück

Greifswalder Absolventen bleiben eher im Osten, Rostocker im Westen von MV. Und wer weiter weggeht, kommt in der Regel nicht zurück. Kostenneutral wieder Biologie-, Chemie- oder Französischlehrer auszubilden, sei unmöglich. „Es müsste mindestens jeweils eine Fachdidaktikerstelle zugewiesen werden.“ Die vorhandenen Didaktiken sind schon jetzt schwach besetzt.

Es sei aber illusorisch, dass das Land des nötige Personal für die gestrichenen Fächer zur Verfügung stellt, meint der Prorektor. Wenigstens Physik soll es möglichst im neuen Jahrzehnt wieder geben.

Gymnasium populär

Laut einem Positionspapier der lehrerbildenden Hochschulen Mecklenburg-Vorpommerns studieren in Greifswald derzeit 1.276 Frauen und Männer Lehramt an Gymnasien (886), an Regionalen Schulen (304) sowie an Haupt- und Realschulen (86), wobei für letztere letztmalig 2011 eingeschrieben wurde.

Die Fächer werden von der Philosophischen (Deutsch, Englisch, Geschichte, Kunst und Gestaltung, Philosophie, Polnisch, Russisch), Mathematisch-Naturwissenschaftlichen (Geografie, Mathematik) und Theologischen Fakultät (evangelische Religion) angeboten.

Dazu kommeneine Reihe von Drittfächern mit Alleinstellungsmerkmal (Dänisch, Schwedisch Norwegisch, Niederdeutsch, Deutsch als Fremdsprache).

Eckhard Oberdörfer

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