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Greifswald Alte Physik in Greifswald „verfault“ von innen.
Vorpommern Greifswald Alte Physik in Greifswald „verfault“ von innen.
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15:02 26.12.2018
Die Alte Physik steht seit 2007 leer. Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Das seit 2007 leer stehende Gebäude des früheren Physikinstituts, „verfault“ von innen. Im November dieses Jahres fielen Ziegel herab, sodass der Zugang zur Sternwarte zeitweise gesperrt werden musste. Tiefgreifende Änderungen sind nicht in Sicht, aber Ideen für die Nutzung gibt’s genug.

Das Denkmal im Herzen der historischen Uni machte im letzten Jahrzehnt deutschlandweit Positiv-Schlagzeilen. Mit Spenden sollte es in das Schauhaus „Gryphia“ verwandelt und 2008 eröffnet werden. Das Büro Brakeley Fundraising & Management Consultants hatte 2002 in einer Planungs- und Machbarkeitsstudie gemeint, dass eine Spendenkampagne zehn Millionen Euro bringen könnte. Aber außer der Krupp-Stiftung fanden sich keine Stifter größerer Mittel.

Zehn Millionen Euro, das ist die Summe, die die letzte Kostenschätzung für eine Sanierung ergeben hatte. Das ist einige Jahre her. Seitdem dürfte es wegen der stark gestiegenen Baupreise eher mehr geworden sein, zumal Feuchtigkeit im Innern die Schwammbildung fördert.

„Es ist richtig, dass sich der Zustand der Alten Physik durch den langen Leerstand weiter verschlechtert hat und weiter verschlechtert“, bestätigt Unisprecher Jan Meßerschmidt. „Es gibt schweren Schwammbefall und eine hohe Quecksilberbelastung. Das Treppenhaus konnte so abgedichtet werden, dass die Nutzer und Besucher der Sternwarte nicht gefährdet werden.“

Die hohe Schadstoffbelastung ist höchstwahrscheinlich auf Havarien beim jahrzehntelangen Betrieb von Quecksilberdampfpumpen zur Erzeugung von Vakuum im Institut zurückzuführen. Selbst im Hörsaalgestühl wurde 2009 Quecksilber gefunden. Die Dämpfe dieses Metalls sind extrem schädlich, beispielsweise für das Nervensystem. Nach dem Fund der großen Quecksilbermengen und der damit verbunden Kostensteigerungen auf mehr als das Doppelte wurde eine bereits vorbereitete Sanierung abgesagt. Dafür standen auch 2,8 Millionen Euro aus Rücklagen bereit.

Der fürs Bauen an der Uni zuständige Vizekanzler Peter Rief bestätigt, dass die Zeit dränge. Zuerst müsse klar sein, was konkret wo für die Beseitigung der Quecksilberbelastung zu unternehmen sei, was für eine Sanierung aktuell für welche Nutzung notwendig sei. Darum werde jetzt ein Bauantrag vorbereitet.

„Derzeit ist schlichtweg kein Geld für eine aufwändige Gesamtsanierung vorhanden“, dämpft Unisprecher Meßerschmidt Erwartungen. Die Mittel im sogenannten Hochschulbaukorridor bis 2020 sind komplett verplant. Auch danach stehen schon viele andere Vorhaben auf dem Programm.

„Grundsätzlich halten wir an unseren Plänen fest, das Gebäude nach einer Sanierung für Lehre, Verwaltung und Präsentationen zur Universität zu nutzen“, bestätigt Jan Meßerschmidt. Das von Universitätsarchivar Dirk Alvermann erarbeitete Konzept hat der Senat bereits im September 2016 gebilligt. Peter Multhauf, Bürgerschaftsmitglied der Linken, regte damals eine Kooperation mit der Stadt an, um Greifswalder Exponate auszustellen und Städtebaufördermittel einzusetzen. Seit Eröffnung des Landesmuseums gibt es kein Greifswald-Museum mehr. Von einer Umsetzung dieser Idee hat man seither nichts gehört.

Der frühere Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) sah die „Schauhaus-Idee“ übrigens skeptisch. Er bezeichnete das Nutzungskonzept als nicht überzeugend. Brodkorb schlug vor, das Studierendenwerk einzubeziehen, das derzeit ein neues Domizil sucht. Auch das ist schon wieder zwei Jahre her.

Die Schauhausidee

Eine eigenständige Professur für Physik gibt es seit 1853, vier Jahre später wurde das Physikalische Institut gegründet. Anton Oberbeck war Direktor, als 1891 das alte Institutsgebäude eingeweiht wurde, jetzt arbeiten die Physiker am Beitzplatz.

Laut Konzept von 2016 sollen die Bereiche Abenteuer, Leben und Visionen in der Alten Physik präsentiert werden. „Die Linien der Entwicklung sollen durchbrochen und Schaufenster der Entwicklung gezeigt werden.“ Herausragende Sammlungsobjekte wie der Saurier Emausaurus Ernsti oder die Eiserne Lunge könnten präsentiert werden. Meilensteine in der Historie und Größen der Uni- und Stadtgeschichte wie der Unigründer Heinrich Rubenow, der Maler Caspar David Friedrich, der Mitbegründer der Virologie, Friedrich Loeffler oder der Nobelpreisträger Gerhard Domagk fänden einen Platz.

Ein virtueller Rundgang durch die Uni, multimediale Angebote, die Einbindung digitalisierter Sammlungen, Forschungsschwerpunkte, Wissenstransfer, die weltoffene Uni, Angebote für verschiedene Zielgruppen, Werbung für Greifswald und ein Café gehören auch zu den Ideen.

Eckhard Oberdörfer

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