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Greifswald US-Finanzunternehmer Mike Hodges von Greifswalder Philosophieprofessor Stegmaier fasziniert
Vorpommern Greifswald US-Finanzunternehmer Mike Hodges von Greifswalder Philosophieprofessor Stegmaier fasziniert
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16:02 25.11.2019
Das Parthenon in Nashville Quelle: Rafi. B/Texas
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Greifswald/Nashville

Es ist eine Geschichte wie im Märchen. Ein schwerreicher amerikanischer Finanzunternehmer interessiert sich für Philosophie und gibt Geld, um Antworten für unsere Zeit zu finden. Über Friedrich Nietzsche gelangt Mike Hodges zum Werk des Greifswalder Philosophieprofessors Werner Stegmaier, über 17 Jahre Mitherausgeber der Nietzsche-Studien, Autor von Monografien und Texten zu Nietzsches Werk. Er entwickelte die Philosophie der Orientierung.

Stegmaiers Werk hat den Unternehmer Hodges derart fasziniert, dass er Ende Oktober in Nashville eine Stiftung, die Hodges Foundation of Philosophical Orientation, im Kunstmuseum Parthenon gründete. Ein großer Anspruch und für Europäer wirkt es schon sehr amerikanisch, wenn unter der gewaltigen Statue der Athene eine neue Stiftung gegründet wird. Die Inszenierung war perfekt.

Nietzsche und ein glücklicher Zufall

„Ich habe ihn durch einen glücklichen Zufall kennengelernt“, erzählt Stegmaier. Mike Hodges war der Nietzsche-Gesellschaft beigetreten und kannte dadurch deren Jahrbücher. „Es war zufällig ein Aufsatz von mir darin und Mike Hodges war sofort Feuer und Flamme. Das Leben besteht aus Zufällen.“ Dieser Zufall war der Beginn des Kontaktes und persönlichen Kennenlernens.

Die Statue der Athene im Parthenon von Nashville Quelle: Wikipedia

Hodges hat es als Kind nicht einfach gehabt, den Vater früh verloren. Übers Pokern, über das Gewinnen und Verlieren am Spieltisch, den Umgang mit Risiken als Unternehmer – meist gewinnt Hodges – kam er zum Nachdenken übers Leben, zur Philosophie, zu Nietzsche und zu Stegmaier, zur Philosophie der Orientierung in einer Welt voller Risiken, Bedrohungen, aber auch der Hoffnung. Sein Geld hat Hodges übrigens mit der Firma Advance Financial 24/7 gemacht. Sie vergibt Kurzzeitkredite in Existenzkrisen.

Hodges interessiere sich nicht nur für Philosophie, er verstehe sie auch, sagt Stegmaier. „Man kann wunderbar mit ihm arbeiten.“ Globalisierung, Klimawandel, Erosion der Demokratie, wachsender Terrorismus; das sind Schlagworte unserer Zeit ein Jahrhundert nach Nietzsche.

Hodges wolle mit seiner Stiftung nicht nur die Wissenschaft fördern, sondern einen Austausch mit Medien, Politik und Wirtschaft organisieren, beschreibt Stegmaier. Die Philosophie der Orientierung ist Hodges finanziell etwas wert. Die Stiftung von Hodges greift die Jahrhunderte alte Tradition wissenschaftlicher Preisausschreiben auf (50 000 Dollar für die ersten Drei). Bis zum 25. Oktober 2020 können Beiträge, die „wegweisende philosophische Einsichten“ zu der Frage „Wie verändert die Digitalisierung unserer Welt unsere Orientierung“ geben, vorzugsweise auf Englisch beim Stiftungsvorstand eingereicht werden (mehr auf www.hfpo.com).

Eine Philosophie

2008 erschien Werner Stegmaiers Werk „Die Philosophie der Orientierung“. Auf die Analyse der Umstände und deren Zuordnung beruht das Finden erfolgversprechender Handlungsmöglichkeiten. Orientierung ist grundlegend für menschliches Denken, Sprechen und Handeln, gleich ob im Alltag oder in der Kunst oder Wissenschaft.

Der vor 73 Jahren in Ludwigsburg(Baden-Württemberg) geborene Werner Stegmaier war Gründungsdirektor des Instituts für Philosophie der Universität Greifswald nach der Wende und von 1994 bis 2011 Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie mit Schwerpunkt Praktische Philosophie. Er hat Philosophie, Germanistik und Latinistik in Tübingen studiert undlange an Gymnasien unterrichtet. 1990 habilitierte er mit der Arbeit „Philosophie der Fluktuanz. Dilthey und Nietzsche“.

In Greifswald begründeteStegmaier 1995 das Nord- und osteuropäische Forum für Philosophie, das alljährlich Sommerschulen veranstaltet.

Deutsch-amerikanischer Stiftungsvorstand

Den Stiftungsvorstand ist paritätisch deutsch-amerikanisch mit Tina und Mike Hodges sowie Reinhard G. Müller und Werner Stegmaier besetzt, die mit Gutachtern auch die Jury bilden.

Werner Stegmaier, Mike Hodges und Reinhard Müller (von links) u. a. bei der Unterzeichnung der Stiftungsdokumente Quelle: Sammlung Reinhard Müller

Der in den USA lebende Müller wurde in Greifswald geboren. Er hat in Vorpommern studiert und bei Stegmaier promoviert. In Zusammenarbeit mit seinem Doktorvater sorgte Müller für die englische Fassung der Philosophie der Orientierung „What’s Orientation? A Philosophical Orientation“. Der Sohn zweier Chemiker begann in Greifswald Geschichte und Englisch zu studieren, interessierte sich aber auch für Philosophie. Wie er in Tennessee bei der Gründungsveranstaltung erzählte, wollte er sich in seinem ersten Studienjahr darum eine Philosophie-Lehrveranstaltung anhören und danach entscheiden, ob das etwas für ihn sei.

Der Zufall wollte es, dass er bei Werner Stegmaier landete. Sein Urteil 2006: „Philosophie ist großartig. Dieser Professor ist großartig.“ Wäre er bei einem der beiden anderen Greifswalder Philosophieprofessoren gelandet, hätte er sich nie für diese Wissenschaft entschieden, so Müller.

Reinhard Müller, Werner Stegmaier, Tina und Mike Hodges (von links) Quelle: Selfie von Reinhard Müller

Und als er Promotionsstudent in Austin/Texas war, schrieb ihn 2017 ein Mitarbeiter von Hodges per E-Mail an, ob er der Übersetzer des Stegmaier’schen Artikels aus den Nietzsche-Jahrbüchern sei. Der Unternehmer flog daraufhin nach Austin, sie trafen sich im Starbucks. Etwa 20 Mal hatte der Unternehmer den Artikel gelesen und viele Fragen mitgebracht. Hodges verpasste den Rückflug nach Tennessee. Es folgte die Übersetzung der Philosophie der Orientierung und schließlich die Gründung der Stiftung.

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