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Greifswald Angeklagter nach Messerstecherei in Greifswald vorläufig auf freiem Fuß
Vorpommern Greifswald

Angeklagter nach Messerstecherei in Greifswald vorläufig auf freiem Fuß

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09:21 11.12.2019
Nach vier Verhandlungstagen soll am kommenden Freitag das Urteil im Strafprozess gegen Nader und Adel S. gesprochen werden. Quelle: Stefan Sauer
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Greifswald

Tränen fließen, als sich Vater und Sohn nach sechs Monaten im Gerichtssaal erstmalig wieder in die Arme schließen dürfen: Der 23-jährige Iraner Nader S., der sich wegen des versuchten Totschlags eines 16-jährigen Syrers bei einer Messerstecherei im Greifswalder Stadtteil Schönwalde II seit Ende November vor dem Landgericht Stralsund verantworten muss, darf nach einem halben Jahr Untersuchungshaft nach Hause. Zumindest zeitweise, denn das Urteil steht noch aus. Der Vorsitzende Richter Kai Klingmüller hat am Dienstag nach den Plädoyers lediglich dem Antrag des Verteidigers Rene Neumeister stattgegeben, den Haftbefehl bis zum Prozessende am Freitag außer Vollzug zu setzen. Ein Hinweis auf einen möglichen Freispruch, wie ihn Neumeister für seinen Mandaten beantragte?

Der Hauptangeklagte Nader S. wurde mit Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt. Quelle: Stefan Sauer

Fakt ist: Auf dem Schmetterlingshof, ein Innenhof nahe der Ostrowskistraße/Koitenhäger Landstraße, geriet eine Gruppe junger Männer – Syrer und Iraner – am 6. Juni gegen 1 Uhr in Streit. Eine zunächst verbale Auseinandersetzung eskalierte, es kam zur Messerstecherei. In deren Folge erlitt ein 16-jähriger Syrer schwere Verletzungen, musste operiert werden. Laut Staatsanwaltschaft habe er acht Stich- und Schnittverletzungen am Oberkörper und am Kopf erlitten. An der Auseinandersetzung beteiligt war laut polizeilichen Ermittlungen nicht nur Nader S, sondern auch dessen Bruder Adel S. Der 22-jährige muss sich wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung ebenfalls vor Gericht verantworten, ist aber seit Juni auf freiem Fuß.

Nichtiger Anlass führte zum Streit

Auslöser des nächtlichen Streits war ein am Tag zuvor von jungen Syrern aufgenommenes und in einem sozialen Netzwerk gepostetes Video. Es zeigt den Angeklagten Adel S. mit Kindern auf dem Greifswalder Marktplatz – unterlegt mit einem Kinderlied. Ein 22-Jähriger, der noch mit Kindern spielt? „Die Filmproduzenten machen sich lustig über ihn. Das ist nicht nett, sondern ehrverletzend. Das muss sich in Deutschland niemand gefallen lassen“, stellt Anwalt Neumeister klar.

Anwalt Rene Neumeister mit seinem Mandanten im Gespräch. Quelle: Stefan Sauer

„Ein nichtiger Anlass für so eine schwere Tat“, schlussfolgert Heiko Tiegs, Vertreter des Nebenklägers und Geschädigten Mohammad Al K., nach vier Verhandlungstagen. Indes sei nach der Anhörung aller beteiligten Zeugen der genaue Ablauf des Ereignisses „schwammig geblieben“.

Die Aussagen der syrischen jungen Männer widersprachen sich, waren zum Teil sogar anderslautend als in den Vernehmungsprotokollen vom Juni. „Die Schilderungen der Zeugen sind nicht glaubwürdig“, urteilt auch Anwalt Mario Wittkopf, der Adel S. vertritt. Nach deren Darstellung seien die Schuldigen die Polizisten, „die schlichtweg zu blöd sind, das aufzuschreiben, was sie gesagt haben.“ Doch so laufe das nicht. „Was passiert ist, ist nicht aufzuklären“, so Wittkopf. Er fordert daher wie Neumeister Freispruch für seinen Mandanten.

Staatsanwalt Schäfer räumt zwar ein, dass nicht geklärt werden konnte, ob es sich bei der Tat von Nader S. um einen Tötungsvorsatz oder doch eher um Notwehr handelte. Doch die Verletzungen des Geschädigten seien erheblich, stünden in keinem Verhältnis zum Video. Er beantragt daher eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden soll, sowie 150 Stunden gemeinnützige Arbeit. Laut Strafgesetzbuch seien bis zu zehn Jahre Haft möglich. Für Adel S. hingegen beantragte er ein Jahr Freiheitsstrafe, die ebenfalls drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden soll, sowie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit. Am Freitag wird das Urteil erwartet.

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