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Greifswald Angriffe, Analysen und Antisemitismus
Vorpommern Greifswald Angriffe, Analysen und Antisemitismus
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00:00 15.03.2017
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In der Bibel liegt Keim für Antisemitismus Da erregen sich die Gegner Ernst Moritz Arndts gegen dessen antisemitische Äußerungen so sehr, dass sie dafür stimmen, den Namen der EMAU zu ändern. Dabei bedenken sie nicht, woher der Antisemitismus kommt und wer ihn in die Welt gesetzt hat. Der Keim liegt im Neuen Testament der Bibel, in der Ostergeschichte: Ein jüdischer König hat das Todesurteil gefällt, so wie sein Volk es forderte, und Juden vollstreckten es – vor 1987 Jahren. Rührige Religionslehrer haben im Mittelalter diese Tatsachen genutzt, die Christenheit gegen die Mörder Christi – also gegen die Juden – aufzuhetzen. So wuchs aus dem Keim die furchtbare Pflanze des Antisemitismus, die bis in unsere Gegenwart nicht ausgerottet werden konnte. Zu Arndts Zeiten war sie noch allgegenwärtig, und Arndt, der in der christlichen Tradition aufgewachsen ist, hat dem Denken des Judenhasses Ausdruck verliehen. War das ein Verbrechen? Nein! Es ist nur sehr traurig. Verbrechen waren europaweite Judenpogrome und nationalsozialistische Gaskammern.

War die Völkerschlacht bei Leipzig ein Verbrechen? Der Abschluss der Konvention von Tauroggen am 30.12.1812, an deren Zustandekommen auch Arndts Dienstherr Freiherr vom Stein beteiligt war, wurde der Anstoß zum bewaffneten Widerstand gegen Napoleon. Arndt, der unter der Fremdherrschaft sehr zu leiden hatte, verstärkte nun sein Bemühen, zum Kampf gegen den Kaiser aufzurufen. Mit seinen leidenschaftlichen Liedern und Gedichten mobilisierte er die Massen, sich an den Befreiungskriegen zu beteiligen. Dass er zu diesem Zweck keine Loblieder auf den Feind sang, sondern Hasstiraden formulierte, versteht jeder normal denkende Mensch. Höhepunkt der Widerstandsbewegung war die Völkerschlacht bei Leipzig. Wenn Arndt sich mit seinen Liedern schuldig gemacht haben sollte, muss das Völkerschlachtdenkmal geschleift werden. Dass Frankreich noch lange der Erzfeind Deutschlands war, ist wohl kaum Arndt anzuschulden.

Adelheid Ulbricht Dank Protests wurde gründlich geprüft Wer denkt, die ministerielle Ablehnung der Namensänderung hatte nichts mit den Protesten zu tun, sollte sich die Hintergründe anschauen. Viele Senatsentscheidungen des Unisenats sind vom Ministerium durchgewunken worden, obwohl die jetzt bemängelten Formfehler jedes Mal vorlagen. Ohne die Proteste auf der Straße und die Klagen bzw. Eingaben gegen die Rechtsverstöße wäre auch diese Entscheidung im Ministerium einfach bestätigt worden!

Peter van Helten, Potthagen Wer nicht kämpft, hat schon verloren Sie lassen nicht locker – die Kulturrevolutionäre. Es muss doch zu schaffen sein, den Deutschen ihre kulturreiche Vergangenheit zu nehmen und gegen eine „Allerweltskultur“ auszutauschen. Sprache und Traditionen (Weihnachten, Ostern) stehen schon lange in der Diskussion. Waren die Demonstrationen der Greifswalder kein klares Signal gegen diese Machenschaften? Im Herbst sind Bundestagswahlen und ich glaube kaum, dass Parteien, die die Abschaffung des Namens unserer Universität mittragen, Stimmen aus Greifswald und Umgebung bekommen werden. Man sollte sich nicht den Ast absägen, auf dem man sitzt. Greifswalder, wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren. Wir müssen weiterhin für den Erhalt des Namens unserer Ernst-Moritz-Arndt Universität auf die Straße gehen.

Günter Rüpprich Bemerkungen aus psychologischer Sicht Auch ohne selbst in der Arndt-Debatte Stellung zu beziehen, ist eine Analyse der Argumentationsstrukturen in vielen Leserbriefen der Arndt-Unterstützer psychologisch sehr interessant. Der Umstand, dass Arndt eine Persönlichkeit mit positiven und negativen Seiten ist, wird nicht in Abrede gestellt, aber durch differenzierende Attribution (Ursachenzuschreibung) entschärft. Die positiven Seiten werden internal attribuiert und ihm als persönliche Verdienste zugeschrieben. Die negativen Seiten (u.a. Franzosenhass und Antisemitismus) werden external attribuiert und auf die damaligen Umstände (napoleonische Besatzung) und den Zeitgeist (damals war Antisemitismus weit verbreitet) zurückgeführt. Dass hier auch gut begründbare alternative Attributionsmuster vorstellbar sind und Personen aufgrund derselben Faktenlage zu anderen wohl fundierten Einschätzungen, Bewertungen und Schlussfolgerungen kommen können, wird nicht ernsthaft in Betracht gezogen. Deshalb muss mit Personen, die andere Auffassungen zu Arndt vertreten, etwas nicht stimmen. Sie werden als Radikale, Linksradikale, Populisten oder Fanatiker bezeichnet oder milder als Personen, die sich mit Arndt nicht gründlich, nicht unvoreingenommen oder nicht wirklich vorurteilsfrei auseinandergesetzt haben. Da alle diese Zuschreibungen negativ konnotiert sind, fühlt man sich zu Intoleranz und offener Feindseligkeit gegenüber Andersdenkenden berechtigt. Als Ergänzung zu den genannten Abwertungen oder an ihre Stelle tritt die besonders gern von Weggezogenen benutzte abfällige Bezeichnung der Studierenden als Personen, die bald die Region wieder verlassen und deshalb gar nicht mitbestimmen dürften, und der zugezogenen Lehrenden als Personen, die nicht in der Region verwurzelt sind und sich deshalb zurück halten sollten. Dass diese Diskriminierungen weder mit dem Hochschulgesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern, noch mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vereinbar sind, sei hier nur abschließend angemerkt.

Prof. Dr. Hans Westmeyer, Greifswald

OZ

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