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Greifswald Angst vorm Verlust der Demokratie
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00:02 27.07.2018
Christian Suhm, Anna Lena Klatt und Prof. Roman Dubasevych (von links) freuen sich auf das 23. Ukrainicum. Quelle: Foto: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Wieder mit einem Ukrainistikprofessor als wissenschaftlichem Leiter startet am 6. August das 23. Ukrainicum in Greifswald. Roman Dubasevych vertritt seit 2015 den Greifswalder Lehrstuhl für ost- und westslawische Philologien. Seit 2018 ist er Juniorprofessor für Ukrainische Literaturwissenschaft. Er sieht die Ukraine im Aufwind. Für die diesjährige Sommerschule gebe es auch international großes Interesse. Das Krupp Kolleg vergibt Reisestipendien. Die Teilnehmer kämen aus der Ukraine, Polen, Tschechien, Österreich und Deutschland.

Die Greifswalder Ukrainistik ist ein Alleinstellungsmerkmal der hiesigen Hochschule. Trotzdem stand sie vor einigen Jahren vor dem Aus. Noch als Außenminister rettete der heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) 2015 die Ukrainistik. Durch sie erhalte das Auswärtige Amt die dringend benötigte wissenschaftliche Expertise über Osteuropa und speziell über die Ukraine, begründete er.

„Wir haben vor zwei Wochen eineinhalb Stunden mit dem ukrainischen Botschafter Andrij Mylnik sprechen können“, informiert der wissenschaftliche Geschäftsführer des Krupp-Kollegs, Christian Suhm.

„Herr Mylnik ist sehr interessiert an einer Kooperation und hat angekündigt, dass er am 6. August zur Eröffnung kommen kann.“ Der Botschafter habe signalisiert, dass eine gewisse finanzielle Unterstützung der Ukrainistik künftig möglich sei . „Wir können eine Wunschliste von der Unterstützung von Veranstaltungen bis zur Finanzierung befristeter Stellen an die Botschaft schicken“, berichtet Suhm. „Von Seiten des Kollegs ist das Ukrainicum bis 2023 finanziert.“

Dubasevych freut sich besonders, dass der Botschafter Hilfe bei der Vermittlung von Praktikumsstellen anbot. „Das verbessert die Perspektive unserer Absolventen“, sagt er. „Wir wollen ein Netzwerk aufbauen.“ Für Christian Suhm ist der Erhalt der Ukrainistik wichtig für die Konsolidierung und Attraktivität der Slawistik als ein „Markenzeichen der Greifswalder Universität“ mit Russistik, Polonistik, Bohemistik und eben Ukrainistik. Die Ukraine ist mehrsprachig, dort werden auch Polnisch und Russisch gesprochen.

Auch beim diesjährigen Ukrainicum gibt es nicht nur wissenschaftliche Vorträge und Seminare sowie Sprachkurse. Für die interessierte Öffentlichkeit dürfte besonders die Eröffnungsrede von Prof.

Andreas Kappeler interessant sein. Der Osteuropaexperte spricht über „Ukrainisch-russische Verflechtungen. Persönliche Erfahrungen und historische Reflexionen“. Am 11. August wird es wieder einen Filmabend geben, ergänzt Anna Lena Klatt, die im Kolleg für das Ukrainicum mitverantwortlich ist.

Die Sommerschule ist indes seit 2010 explizit wissenschaftlich angelegt. Das diesjährige Ukrainicum habe einen „deutlich literaturwissenschaftlichen Schwerpunkt“, so Dubasevych.

Das große Thema lautet in diesem Jahr „Mörderische Identitäten?“ Es gehe bei der Sommerschule beispielsweise um den Verlust von Identitäten nach dem Ende der Sowjetunion, so bei den ethnischen Russen in der 1991 in dieser Form entstandenen Ukraine. Einwohner des neuen Staates fürchten um den Verlust gerade gewonnener Demokratie und Menschenrechte als Teil dieser Identität. Kultur sei wie ein genetischer Code, aber den der Kultur könne man ändern. Kultur könne brutalisiert werden, so der Professor.

Aus dem Programm

Prof. Andreas Kappeler (Wien) spricht am 6. August um 18 Uhr über „Ukrainisch-russische Verflechtungen. Persönliche Erfahrungen und historische Reflexionen.“

Seminare: „The politics of hybridity and purityin Ukrainian Language an identity“ (Laada Bilaniuk, Seattle und Gastwissenschaftlerion am Krupp-Kolleg); „Return of the Native: History, Politics and Culture in Ukraine and the Post-Communist Space“ (Georgiy Kasianov, Kiew/Kiyv) und „Vom Kanon zu Kanonen (Roman Dubasevych, Greifswald)

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