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Greifswald Arche-Verein möchte Pommerns Erbe erhalten
Vorpommern Greifswald Arche-Verein möchte Pommerns Erbe erhalten
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12:08 18.02.2019
Frank Sorge (v. l.) hat seinen Hofladen am Anfang des Jahres seinem Sohn Martin und dessen Frau Janne überlassen. Das Paar wird in den kommenden Wochen gemeinsam mit ihren Kindern nach Glowe ziehen. Hans Theodor ist mit fünf Monaten das jüngste Familienmitglied. Quelle: Pauline Rabe
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Gristow/Drigge/Glowe

 Herr Schröder ist ein echter Pommer. Nur die weißen Flecken auf seinem Gesicht könnten etwas anderes vermuten lassen, denn die sind nicht typisch für ein Rauhwolliges Pommersches Landschaf. Dass es diese Art überhaupt noch gibt, ist nicht selbstverständlich. Alte Nutztierrassen und Pflanzenarten aus Pommern sind vom Aussterben bedroht. Um ihren Erhalt und damit das Erbe der Region zu sichern, haben sich bereits 2014 verschiedene Akteure des ländlichen Raumes zusammengeschlossen und die Pommernarche gegründet. Nun stellen sich erste Erfolge für den Verein ein.

Wie genau diese aussehen, erklärt Friz Fischer, eine der Initiatorinnen, gern: „Die Pommernarche ist Ende 2018 als Leitprojekt in das integrierte Regionalentwicklungskonzept des Landkreises Vorpommern-Greifswald aufgenommen worden“, berichtet die Stralsunderin. Damit sei erkannt worden, wie wichtig pommersche Arten und Rassen für die regionale Identität sind. Weiter werde das Team seit Jahresbeginn personell durch zwei volle Stellen verstärkt, die als Strukturentwicklungsmaßnahme gefördert werden. Zusätzlich sei die Arche im Januar als „Ort der biologischen Vielfalt 2019“ durch die Greifswalder Michael Succow Stiftung geehrt worden.

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Es ist eine Liste, die Aufschwung für die Vereinsarbeit gibt: „Endlich können wir anfangen, richtig zu arbeiten“, sagt Fischer. Das bedeute neben der Gewinnung von weiteren Mitgliedern auch dabei zu helfen, Wertschöpfungsketten vom Acker auf den Teller zu realisieren und ein positives Image für Pommern aufzubauen. Insgesamt 13 Mitglieder wirken heute an den Plänen mit. In der Pommernarche kommen Höfe, Läden, Vereine und Umweltprojekte zusammen, die auf eigene Art und Weise einen Beitrag für den Erhalt von Pommerns grünem Kulturerbe leisten – sowohl in der Produktion, der Vermarktung, der Bildung und der Lobbyarbeit.

Landkultur bewahren

Reinhard Martin ist Züchter und Gründungsmitglied der Pommernarche. Vor 19 Jahren hat er sich den Traum eines Schafhofes in Drigge erfüllt. „Das Landleben hat etwas Besonderes“, erzählt er und lässt seinen Blick über die umliegenden Wiesen und Felder schweifen. 81 Mutterschafe gehören zu seinem Bestand Rauhwolliger Pommernschafe. Eine andere Rasse kam für ihn nie infrage. „Ich fand es spannend, ein Tier zu züchten, welches vom Aussterben bedroht ist und letztlich ein Stück Landkultur damit erhalten zu können.“ Außerdem seien Pommernschafe robuster als herkömmliche Hochleistungsrassen. Sie seien an das teils raue Küstenklima gewohnt und könnten das gesamte Jahr über draußen stehen. Zu nass oder zu kalt? „Das gibt es einfach nicht.“

Ob Schafzucht, Hofladen oder Naturerlebnispark – Die Mitglieder des Arche-Vereins sind vielfältig. Sie alle aber verfolgen das gleiche Ziel: das grüne Kulturerbe Pommerns zu sichern.

Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor

Das scheinbar in Vergessenheit Geratene reizt auch Familie Sorge in Glowe. Auf ihrem Hof wachsen alte Obstsorten wie Mispel oder Zibarte – und werden von den eigenen Bienenvölkern vermehrt. Auch sie sind Gründungsmitglied der Pommernarche. Sie produzieren und verkaufen ihre regionalen Bioprodukte. Im Hofladen gibt es neben selbst gebackenen Brot, auch Honig und Marmeladen. „Einige unserer Kunden kommen einmal in der Woche extra vom Festland zu uns, weil sie unsere Lebensmittel, vor allem das Brot, so schätzen“, erzählt Martin Sorge, der gemeinsam mit Vater und Frau täglich frisches Getreide mahlt. Bis zu 70 Brote pro Tag entstehen dabei in der Hochsaison.

Den Sorges geht es dabei nie ums große Geld. „Wir haben keine Ambitionen zu wachsen“, betont Ehefrau Janne. Stattdessen träume ihre Familie davon, sich irgendwann weitestgehend selbst versorgen zu können – und die Umwelt einfach daran teilhaben zu lassen. Kaum ein Kunde komme nur zum Konsumieren auf das abgelegene Gehöft. Viele würden sich für die Herstellung der Produkte interessieren. „Es gibt eine neue Generation. Eine, die sich vermehrt mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt“, sagt Janne Sorge weiter. Und darüber informieren sie und ihr Mann gern.

Pommernschaf hautnah

Aufklärung wird auch im Naturerlebnispark Gristow von Arne Christiansen und Vera Fickers als wichtig erachtet. Vor knapp einem Jahr haben die Wackerower den Park übernommen und ihre 140 Tiere dort untergebracht. Das Besondere? „Unsere Tiere sind alle handzahm“, sagt Fickers. Dadurch erhalten vor allem Kinder die Möglichkeit, alte Rassen wie Herrn Schröder zu streicheln und mehr über seine Herkunft zu erfahren. Nebenbei wird thematisiert, warum in der konventionellen Landwirtschaft auf die Zucht von Hochleistungsrassen gesetzt wird. Das dürfe nicht nur verteufelt werden, mahnt Christiansen: „Nicht alle Betrieben arbeiten schlecht, nur weil sie nicht bio sind.“ Statt verhärteter Fronten müssen ökologische und konventionelle Landwirtschaft zusammenarbeiten und auf den Austausch miteinander setzen.

Das ist auch im Sinn der Pommernarche. „Nur so können wir Ideen und Gedanken Einzelner bündeln, Lösungen für Probleme finden und helfen, diese umzusetzen“, sagt Friz Fischer. Oft würden gerade „die Kleinen“ unterschätzt werden. Ein Irrtum laut der Stralsunderin: „Es ist beeindruckend, was an Landkultur in Vorpommern passiert und wie viel Vielfalt auf unseren Höfen schlummert.“ Für sie seien alte pommerschen Rassen und Arten ein einzigartiger Schatz – der nicht nur bewahrt werden müsse, sondern mit dem auch zukunftsfähig gearbeitet werden könne.

Die Pommernarche im Überblick

Der Verein Pommernarche wurde 2014 von sieben regionalen Betrieben und Unterstützern gegründet. Heute wirken 13 Mitgliedsunternehmen, -vereine und -personen mit.

Ihr Ziel: das grüne Kulturerbe Pommerns zu erhalten und seine vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen und Pflanzenarten wiederzubeleben.

Dazu zählen unter anderem die Pommerngans, die Pommernente und das Rauhwollige Pommersche Landschaf, aber auch Obstsorten wie der Pommersche Krummstiel-Apfel.

Konkret wird versucht Züchter und Produzenten, Vereine und Netzwerke in Pommern – vorerst in den Landkreisen Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald, später vom Darß bis nach Danzig – miteinander zu vernetzen und ein nachhaltig wirkendes Image als erste grenzübergreifende Arche-Region Europas aufzubauen.

Pauline Rabe

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