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Greifswald Arndt-Streit: Uni startet Umfrage unter allen Mitgliedern
Vorpommern Greifswald Arndt-Streit: Uni startet Umfrage unter allen Mitgliedern
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17:46 27.11.2017
Am Montag startet eine Online-Meinungsumfrage zum umstrittenen Namen Ernst Moritz Arndt unter den Universitätsmitgliedern. Quelle: Stefan Sauer
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Greifswald

Annäherungskurs im Arndt-Streit: Die Universität Greifswald hat am Montag eine groß angelegte Befragung zum Namenspatron Ernst Moritz Arndt (1769-1860) gestartet. Alle Studierenden, Hochschulmitarbeiter und Professoren können an der Onlineumfrage teilnehmen. Damit sind in den kommenden zwei Wochen 15.000 Personen aufgefordert, sich für oder gegen Arndt als Patron der Uni auszusprechen. Es handelt sich um die größte und umfassendste Befragung, die es je zu Arndt gegeben hat. „Angesichts der langen Diskussion in den Medien und auf den Marktplätzen der Stadt möchten wir gern wissen, wie eigentlich die Mitglieder der Universität zu dem Thema stehen“, sagt Professor Maria-Theresia Schafmeister, Vorsitzende des Senats.

Argumente für die Ablegung des Namens

  • Arndt hat Hass gegen Franzosen propagiert und zu Gewalt aufgerufen
  • Seine Schriften stecken voll Hass auf andere Nationen
  • Er sieht in Juden eine minderwertige Rasse
  • Er spricht sich gegen die Vermischung von Rassen und Nationen aus, preist die Reinheit des deutschen Blutes
  • Seine antisemitischen und rassistischen Schriften stehen den Grundsätzen einer weltoffenen Universität entgegen
  • NPD und AfD vereinnahmen Arndt für ihre rechtsextremen und rechtspopulistischen Aussagen
  • Arndt ist angesichts seines geistigen und historischen Erbes zu unbedeutend für einen Namenspatron
  • Mit Arndt kann sich nicht jeder identifizieren, die Uni braucht einen Namen, mit dem sich alle identifizieren können
  • Der Name wurde der Uni von den Nazis verliehen
  • Er war nicht für eine "reine" Demokratie ohne König, sondern nur für ne konstitutionelle Monarchie

Argumente gegen die Ablegung des Namens

  • Er hat sich für die Befreiung von der napoleonischen Fremdherrschaft eingesetzt
  • Er ist für ein vereintes Deutschland eingetreten
  • Er hat sich für die Abschaffung der Leibeigenschaft stark gemacht hat
  • Er hat sich für die Pressefreiheit ausgesprochen
  • Für seine Überzeugungen nahm er nach den Karlsbader Beschlüssen 20 Jahre Berufsverbot in Kauf
  • Er war Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung 1848
  • Er hat mit seinen Gedichten und Liedern das kulturelle Erbe Pommerns beeinflusst
  • Er war Professor für Geschichte an der Uni Greifswald
  • Viele Menschen identifizieren sich mit Arndt, damit schafft er Identität mit Pommern
  • Die Universität trägt den Namen Arndt bereits, ihn abzulegen, kommt einem Geschichtsexorzismus gleich

Die nun gestartete Onlinebefragung ist eine Zäsur im monatelangen hitzigen Streit um den Namenspatron. Der Senat der Universität hatte sich lange gegen eine breite öffentliche Beteiligung gewehrt und sich darauf berufen, dass der Senat das rechtlich legitimierte Gremium für die Namensentscheidung ist. Auch jetzt verweist die Senatsvorsitzende darauf, dass er bei seiner Abstimmung nicht an das Votum der Uniangehörigen gebunden ist. „Jedes Mitglied des Senats wird bei einer Entscheidung eigenständig und unabhängig im Senat abstimmen“, so Schafmeister.

Der auf Rügen geborene Schriftsteller und Historiker Ernst Moritz Arndt ist wegen antisemitischer und fremdenfeindlicher Schriften umstritten. Seine Anhänger ehren ihn als Kämpfer für die Freiheit und die Abschaffung der Leibeigenschaft.

Der Senat der Universität Greifswald hatte im Januar mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, den Namen Arndt abzulegen. Daraufhin war eine Welle des Protests entbrannt. Die Landesregierung hatte den Beschluss zur Namensablegung schließlich wegen formeller Mängel abgelehnt. Im Oktober brachten fünf studentische Senatoren und ein Professor erneut den Antrag auf Umbenennung ein. Die 36 Senatsmitglieder sollen nach der Auswertung des Meinungsbildes über den Antrag abstimmen.

Es handelt sich bereits um den vierten Arndt-Streit an der Universität Greifswald seit der Wende. Zuletzt hatten 2009 Studenten die Initiative "Uni ohne Arndt" gestartet. Bei der studentischen Urabstimmung 2010 nahmen damals 2832 Studenten teil. 49,9 Prozent sprachen sich für eine Beibehaltung des Namens aus, 43,4 Prozent dagegen. Der Senat stimmte später ebenfalls für den Erhalt des Namens.