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Greifswald Asche zu Asche: Besuch im einzigen Krematorium Vorpommerns
Vorpommern Greifswald Asche zu Asche: Besuch im einzigen Krematorium Vorpommerns
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16:02 06.09.2018
Jörg Simdorn leitet das Greifswalder Krematorium. Quelle: Sybille Marx
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Greifswald

Als vor 150 Jahren der Neue Friedhof in Greifswald errichtet wurde, war die Erdbestattung im Sarg noch der Normalfall, ein Krematorium gar nicht gebaut. Das hat sich gewandelt: Heute werden auf dem Gelände jedes Jahr rund 400 Verstorbene in Urnen beigesetzt, nur 23 unverbrannt in Särgen.

Und immer mehr Angehörige entscheiden sich für eine pflegeleichte Grabform, informiert Maren Sommer, Leiterin der Greifswalder Friedhofsabteilung. In mehr als jedem zweiten Fall wählen sie eine Urnengemeinschaftsanlage, ein Gräberfeld, in dem die Urne 20 Jahre lang bleibt und die Anlage von der Friedhofsverwaltung gestaltet und gepflegt wird. Nur an bestimmten Stellen dürfen die Angehörigen dann Blumen oder Kränze ablegen. „Der Trend geht immer weiter dahin, dass die Angehörigen die Pflege einfach nicht mehr übernehmen können“, meint Maren Sommer.

Haupteingang zur Feierhalle des Greifwalder Krematoriums

Wer sich als Besucher dem Krematorium auf dem Neuen Friedhof nähert, trifft auf eine von Büschen umgebene Steinkapelle mit Säulen, gut 100 Jahre alt. Efeu umrankt ihr Portal. Die Welt, in der Krematoriumsleiter Jörg Simdorn und seine Kollegen arbeiten, nur ein paar Schritte und Gänge weiter hinten und unten, wirkt indes viel nüchterner, fast steril: Zwischen Kacheln und weiß getünchten Wänden verrichten sie ihre Handgriffe.

Jörn Simdorn arbeitet seit 13 Jahren im einzigen Krematorium Vorpommerns, vor zwei Jahren hat er die Leitung übernommen. Pro Tag nehmen er und seine beiden Kollegen bis zu zwölf Einäscherungen vor, übers Jahr rund 2500, und die Zahlen steigen. „Im Moment haben wir schon 200 Einäscherungen mehr als 2017 um die gleiche Zeit“, sagt Simdorn. In ganz MV gibt es nur noch in Rostock und Neubrandenburg Krematorien. Der Einzugsbereich des Greifswalders reicht westlich bis nach Tribsees, östlich bis nach Wolgast und umfasst auch die Insel Rügen.

Sybille Marx