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Greifswald Archäologen suchen nach Skelett von Bürgermeister Rubenow
Vorpommern Greifswald Archäologen suchen nach Skelett von Bürgermeister Rubenow
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10:59 11.03.2019
Stoßen Archäologen hier auf die Gebeine von Bürgermeister und Uni-Gründer Heinrich Rubenow? Bagger tragen die erste Bodenschicht für Galerie der Romantik ab. Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Archäologen gehen in Kürze auf die Spur des wohl prominentesten Greifswalders aus dem Mittelalter – Bürgermeister und Universitätsgründer Heinrich Rubenow (um 1400 – 1462). Auf dem Areal zwischen Franziskanerkloster und Gemäldegalerie des Pommerschen Landesmuseums, dort wo der kapellenartige Neubau der Galerie der Romantik entstehen soll, trug ein Bagger vor wenigen Tagen die oberste, etwa 50 Zentimeter dicke Bodenschicht ab.

Bürgermeister Rubenow wurde auf dem Areal in Greifswald bestattet

Archäologen und Museumsdirektor Uwe Schröder schauen nun mit Spannung auf die anstehenden Bodenuntersuchungen, deren Start im März erfolgen soll und bei denen sich die Fachleute voraussichtlich rund anderthalb Meter tief in den Boden vorarbeiten werden: Denn genau an dieser Stelle befand sich der Chor des Franziskanerklosters, in dem Rubenow und seine Ehefrau Katharina Hilgemann historischen Quellen zufolge bestattet wurden. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir auf die Gebeine Rubenows stoßen“, sagte Heiko Schäfer vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege.

Die Familie Hilgemann, der Rubenows Ehefrau und Bürgermeistertochter Katharina entstammte, stiftete 1348 den Neubau des Chores der Klosterkirche. Die Familie ließ dort ihre Grablege anlegen. Verschiedene Quellen, zunächst Cramer (1603) und später der Geschichtsforscher und Jurist Augustin Balthasar (1737), beschrieben die Grabplatte von Heinrich Rubenow und dessen Ehefrau, die ehemals auf dem Boden des Chores gelegen und zu Beginn des 18. Jahrhundert an der nördlichen Chorwand aufgestellt worden sein soll.

Sechs Jahre nach dieser Erwähnung, im Jahr 1743, verliert sich allerdings die Spur der Platte, auf der – wie Jürgen Herold und Christine Magin in ihrem Buch „Die Inschriften der Stadt Greifswald“ schreiben – die Verstorbenen in Ritzzeichnung beziehungsweise im Flachrelief dargestellt wurden. Der Geschichtsforscher und Generalsuperintendent von Schwedisch-Pommern, Jakob Heinrich Balthasar (1690 – 1763), konnte die Platte nicht mehr finden.

Sollten die Archäologen bei ihren Untersuchungen auf die Gebeine des in der Silvesternacht 1462 ermordeten Bürgermeisters stoßen, könnte anhand von erhaltenen Beigaben – wie Ringen, Siegeln oder anderen Insignien – eine Identifizierung erfolgen, sagte Schäfer. Der Fund von Beigaben wäre bei einem Prominenten wie Rubenow nicht ungewöhnlich.

Möglicherweise lassen sich über Spuren an den Gebeinen auch die Umstände des wohl spektakulärsten Kriminalfalls aus dieser Zeit eruieren: Rubenow wurde, so berichten es Quellen, in der besagten Silvesternacht im Auftrag seiner innerstädtischen Gegner mit einer Axt erschlagen. Auch andere Prominente wie Angehörige der Grafen zu Gützkow wurden historischen Überlieferungen in der Kirche bestattet.

Heinrich Rubenow Quelle: HGW

Doch genauso wie der mögliche Fund der Gebeine interessiert die Archäologen die Baugeschichte des im 13. Jahrhunderts von Franziskanermönchen gegründeten Konvents St. Peter und Paul und dessen mögliche Umgestaltungen über die nachfolgenden Jahrhunderte, sagte Schäfer. Das Ende des Konvents wurde im 16. Jahrhundert mit der Reformation eingeleitet. Am 16. März 1557 verließ der letzte Mönch das Kloster.

Die Gebäude nutzte die Stadt später unter anderem für den Gottesdienst des Armenhauses. Die Universität lagerte zeitweise sogar physikalische Experimente in dem zunehmend dem Verfall preis gegebenen Gebäude. Im Jahr 1757 gab der Stadtrat den Chor endgültig auf, ließ aber das Kirchenschiff noch einmal reparieren. Gut 30 Jahre später riss man die Kirche zugunsten des von Johann Gottfried Quistorp entworfenen Schulneubaus ab, in dem sich heute die Gemäldegalerie befindet.

Museumsdirektor Uwe Schröder rechnet mit der Genehmigung für die archäologischen Grabungen, die dann die älteren Kulturschichten aufschließen sollen, in den nächsten Tagen. Ob bei den Untersuchungen dann tatsächlich auch die Grablegen erreicht werden, ist noch ungewiss. Denn die Archäologen arbeiten sich im Normalfall nur in die Erdschichten vor, die auch bautechnisch angefasst werden, erläuterte Schäfer.

Wann mit den eigentlichen Bauarbeiten für die auf fünf Millionen Euro veranschlagte Galerie der Romantik begonnen wird, kann Schröder derzeit noch nicht sagen. „Wir haben die Leistungsphasen 1 und 2 und damit die Entwurfsplanung abgeschlossen.“ Im nächsten Schritt würden die Planungen durch den Zuwendungsgeber geprüft, danach könne die Ausschreibung starten. Ob die vom Bund zugesagten fünf Millionen Euro für den Bau reichen, bezweifelte Schröder und verweist auf die aktuelle Baukostenentwicklung. „Alle Planer von Bauprojekten sagen, dass die Baukosten derzeit durch die Decke gehen.“ Er gehe deshalb davon aus, dass das Projekt nochmal nachfinanziert werden muss. „Wir werden erst dann mit dem Bau beginnen, wenn alle Kosten gedeckt sind.“

Martina Rathke

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