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Greifswald Aufstand für Marktbrunnen
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00:04 09.04.2018
Putbus

Vor 150 Jahren fegte ein freiheitlicher Sturm durch Europa, der auch nicht vor der beschaulichen gerade erst 1810 gegründeten Badeort Putbus Halt machte.

„Revolutionspumpe“ und Kriegerdenkmal auf dem Markt Anfang der 1960er-Jahre. REPRO: ANDRÉ FARIN

Argwöhnisch begutachteten die Putbusser die übereilte Rückkehr ihres Fürsten aus seinem „Winterquartier“ Berlin. Man sprach über das Blutvergießen bei den Straßenkämpfen am 18. und 19. März und hörte von Forderungen des Volkes, die der König angeblich erfüllte. Und warum sollte das nicht auch in ihrem kleinen Ort möglich sein? Wo der Fürst doch sonst ein so verständiger Mann war, mit dem sie recht einträglich lebten.

Ortschronist Victor Loebe schreibt in seiner Chronik von 1910: „Wenn auch selbst hier im Orte politische Klubs entstanden und aufreizende Reden gehalten worden waren und Zeitungen und Plakate die Unzufriedenen aufstachelten, so ging doch die unruhige, unglückliche Zeit leidlich vorüber und die Bewohnerschaft von Putbus, namentlich die zum Schutz zusammengetretene Bürgerwehr ... benahm sich ehrenhaft, und nur wenige Einwohner überließen sich dem allgemeinen politischen Schwindel und schlossen sich der demokratischen Richtung an, die in der benachbarten Stadt Bergen sich erhob.“

Das soll alles gewesen sein? All das bloß für eine Fahne mit dem preußischen Adler, mit der Fürst Malte die Bürgerwehr für hervorragende Dienste belohnte? Zwei Mutige waren bereit, alle Forderungen der auf dem Marktplatz versammelten Putbusser beim Fürsten vorzutragen. Sie suchten sich ihren Festtagsanzug aus, der sonst nur für den Kirchengang reserviert war, ließen sich von ihren Frauen schniegeln und bügeln und marschierten zum Schloss. Dort erwartete sie nicht der blutrünstige Herrscher, der sich verbarrikadierte, sondern ein wie immer liebenswürdig gestimmter Fürst. Er nahm den beiden allen Wind aus den Segeln, der ihnen von den Freunden draußen mitgegeben worden war.

Denn Wilhelm Malte zu Putbus erzählte von sich aus, was er mit den Einwohnern im Ort verändern wolle. So schlug er ihnen vor, die Luisenstraße, die heutige Bebelstraße, zu pflastern, damit man endlich mit Geschick vom Markt in Richtung Darsband und Bergen komme. Auf dem Marktplatz, der nach 1824 angelegt wurde, sollte ein Brunnen entstehen, um eine Erleichterung für die Frauen zu schaffen.

Der Brunnen, mit einer Pumpe an der Südseite des Platzes versehen, mauserte sich mit der Zeit zu einem Wahrzeichen. Er trug bis zum Abbau der überalterten Pumpe im August 1963 den Namen „Revolutionsbrunnen“.

Der Fürst verzichtete auf einige ererbte Nutzungsrechte (Gerechtsame), wie etwa das Monopol der Heringssalzerei, das Spinn- und Einliegergeld, Hofdienste und ähnliches. Die von ihm ausgeübte Rechtsprechung, um die er jahrelang gekämpft hatte, ging nach 1849 wieder an den Staat zurück.

Ebenfalls stellte er sein Entgelt für die Arbeit als General-Gouverneur für einen guten Zweck bereit. Er zahlte die jährlichen 6000 Taler in die Kasse ein, mit der Kinder aus bescheidenen sozialen Verhältnissen unterstützt wurden. In einem neuen Vertrag aus dem April des Jahres 1849 regelte man die Veränderung. Nicht mehr das Königliche Provinzial-Schulkollegium allein vergab die begehrten „Benefiziatenstellen“ mit ermäßigter Pension. Der Fürst konnte nun zehn dieser Stellen und zwölf „Unterrichtsfreistellen“ am Pädagogium in Putbus verteilen.

Während manche großdeutsche Kämpfer vom Scheitern der 48er sprachen, konnten die Putbusser das wohl schlecht verstehen. Sie hatten ihre zwei wichtigsten Forderungen bei ihrem Fürsten durchgesetzt – und das auch ohne Straßenschlacht.

Andrã© Farin

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