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Greifswald Aufstocker: Einmal verschuldet, immer verschuldet?
Vorpommern Greifswald Aufstocker: Einmal verschuldet, immer verschuldet?
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12:43 05.04.2018
Rund 160 Klienten berät Inge Bienert als Schuldnerberaterin beim DRK in Greifswald - die meisten über viele Jahre hinweg. Quelle: Sybille Marx
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Greifswald

Jobverlust, Scheidung oder Krankheit – deutschlandweit führen solche Ereignisse dazu, dass Menschen sich verschulden. In MV spielt aber auch die Einkommensarmut eine große Rolle, sagt Kyra Quaas von der Schuldnerberatung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Greifswald, Wolgast und Anklam.

„Es ist leider ganz oft so, dass Arbeitnehmer ergänzend Arbeitslosengeld II bekommen, weil ihr Einkommen einfach nicht zum Leben reicht“, sagt sie. Und das Verrechnungssystem führe dazu, dass die Klienten immer wieder Sozialleistungen zurückzahlen müssten. „So entstehen neue Schulden und Abhängigkeiten.“

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4000 Euro Schulden beim Amt

Ein Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei Kindern, das bei Inge Bienert in die Greifswalder Schuldnerberatung des DRK kommt, kämpft seit Jahren mit Arbeitslosigkeit und geringem Einkommen. „Die sind immer mal wieder im Arbeitsprozess“, erzählt Inge Bienert. Aber oft seien es nur befristete 400-Euro-Jobs, ergänzend bekämen sie Sozialleistungen.

Das Problem dabei: Die Sozialleistungen werden pauschal zum Monatsanfang ausgezahlt und erst zum Monatsende mit dem eventuell erhaltenen Lohn verrechnet. „Dabei kommt es immer wieder zu unterschiedlich hohen Rückforderungen des Amts“erklärt Inge Bienert. „Und dann wird es schwierig, weil die Leute Strom, Essen, Ausgaben für die Kinder und anderes bis zum Monatsende ja schon bezahlen mussten.“ Oft hätten sie zum Zurückzahlen nichts mehr übrig.

Im Fall des Ehepaars haben sich auf diese Weise rund 4000 Euro Schulden bei der Arbeitsagentur angesammelt. Folge: „Das Amt behält zehn Prozent der Regelleistungen ein“, erklärt Inge Bienert. „Dadurch haben die beiden noch weniger Geld, ein Teufelskreis kommt in Gang.“ Alles in allem sei klar: „Wenn die beiden nicht eine gut bezahlte Arbeit finden, kommen sie aus dieser Misere nie wieder raus.“

„Arbeit muss sich wieder lohnen“

215 Menschen kamen im vergangenen Jahr neu in die Schuldnerberatung des DRK in Greifswald, Wolgast und Anklam. Insgesamt sind damit nun 743 Klienten in der Langzeitberatung, davon 160 in Wolgast. Die Höhe ihrer Schulden ist ganz unterschiedlich, der Schnitt liegt bei rund 14 000 Euro.

Chefin Kyra Quaas meint: „Der Mindestlohn hat an der Einkommensarmut nichts geändert“: In der Schuldnerberatung gebe es immer noch genauso viele Menschen, die arbeiteten und aufstockten. „Arbeit muss sich wieder lohnen“, fordert sie. Dann kämen auch weniger Menschen in eine Abhängigkeit.

Sybille Marx

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