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Greifswald Aus Deponie entweicht noch immer Methangas
Vorpommern Greifswald Aus Deponie entweicht noch immer Methangas
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07:45 29.04.2019
Blick von der Deponie auf Greifswald Quelle: Martina Rathke
Greifswald

Rund 23 Jahren nach Schließung der Deponie auf der Nordseite des Rycks entweicht noch immer Methangas aus dem inzwischen renaturierten Areal – allerdings reichen die Gasmengen nicht mehr zur Verstromung. „Bis vor zweieinhalb Jahren wurde das Gas abgesaugt, verdichtet und einem Blockheizkraftwerk zur Verstromung zugeführt“, sagte Anke Krüger, Leiterin der Abteilung Umwelt im Stadtbauaumt. Inzwischen seien der Methangehalt und die Gasmengen so stark gesunken, dass der Motor nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könne. „Das Gas hat derzeit einen Methangehalt von 35 Volumenprozent und wird jetzt über eine Schwachgasfackel verbrannt.“ Die Anlage, die Gas bis zu einem Methangehalt von sechs Prozent verbrennen kann und die zunächst im Probebetrieb lief, werde seit Anfang des Jahres im Regelbetrieb gefahren.

Wann das etwa 13 Hektar große Areal, das mit 21 Meter über Normal den höchsten Punkt in der Umgebung bildet, wieder frei zugänglich gemacht werden kann, ist noch offen. Die Mitarbeiterin der Umweltabteilung, Angela Mehnert, schätzt, dass dies noch mindestens fünf bis sieben Jahre dauern wird. Dazu müsse die Deponie von der Überwachungsbehörde, dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt, aus der Überwachung entlassen werden. Voraussetzung dafür sei wiederum, dass die Deponie nicht mehr aktiv entgast werden müsse.

Führung zum Tag der Erneuerbaren Energien

Historische Ansichten Deponie Greifswald Quelle: Stadtverwaltung Greifswald

Zum Tag der Erneuerbaren Energien hatte die Stadt am Samstag das umzäunte Gelände für Führungen geöffnet. Etwa 50 Greifswalder informierten sich über die Deponie, die 1965 angelegt wurde, weil die beiden Müllhalden in der Grimmer Straße und zwischen dem St. Georgsfeld und An den Wurthen gefüllt waren.

Peter Multhauf, scheidendes Bürgerschaftsmitglied der Linken, packte bei dieser Gelegenheit gleich erste Ideen für eine Nachnutzung auf den Tisch. „Ich kann mir ein Denkmal sehr gut vorstellen – eventuell die Begegnung von Caspar David Friedrich und Ernst Moritz Arndt“, sagte er. Zumindest sollte auf der markanten Ortsmarke im Norden der Stadt etwas entstehen, was neugierig auf Greifswald mache. CDU-Ortschef Gerd-Martin Rappen, der mit seiner Familie an der Führung teilnahm, kann sich eine Umgestaltung des Areals zu einem Freizeit- und Erholungsgebiet gut vorstellen.

Über der 30 Jahre wurde hier Müll abgekippt, ab 1996 wurde die Deponie saniert.

In der Stadt gibt es noch keine konkreten Planungen, aber erste Ideen. So sei ein Joggingparcour denkbar oder ein Umwelt-Informationsweg. „Wir wollen auf jeden Fall die Greifswalder Bevölkerung in die Ideenentwicklung einbeziehen“, sagte Krüger. Der immer wieder aufkeimende Gedanke eines Rodelberges sei schwierig, weil es keinen Auslaufbereich gebe. „Jetzt müssen wir aber erstmal schauen, wie sich die Gasproduktion in den nächsten Jahren entwickelt.“

Nach Angaben der Stadt wurden bis Ende 1996 in dem Niederungsgebiet nördlich des Rycks rund zwei Millionen Kubikmeter Müll abgekippt. „Es handelte sich vorrangig um Hausmüll, Sperrmüll, Klärschlamm aus den alten Klärteichen in Ladebow sowie um Bauschutt aus dem Flächenabriss im Hafenviertel. Auch geringe Mengen gewerbliche Abfälle waren dabei“, sagte Krüger. Welche Abfälle genau abgelagert wurden, sei damals nicht dokumentiert worden. Ältere Greifswalder werden sich noch an die über der Halde kreisenden Möwen und gelegentlichen Rauchwolken erinnern. Noch nicht verglühte Asche aus den mit Kohleöfen betriebenen Haushalten hatten damals immer wieder Schwelbrände ausgelöst.

Abgedichtet bis zum Jahr 2000

Für rund 20 Millionen D-Mark war die Deponie nach der Schließung bis zum Jahr 2000 abgedichtet und renaturiert worden. „Wir hatten Anfang der 1990-er Jahre die Befürchtung, dass das Grundwasser durch Schadstoffe aus der Deponie belastet sein könnte“, sagte Krüger. Unmittelbar nach der Wende seien dann Messungen gestartet worden, die den An- wie auch den Abstrom des Grundwassers überwachten. „Wir haben im Grundwasser keine Schadstoffe gefunden, die auf den Betrieb der Deponie zurückzuführen sind.“ Gesichert wurde die Deponie mit einem damals neuartigen dreistufigen Abdichtungssystem aus Betonit-Matten, verschweißter Folie und einer Drainage.

Bislang wurden nach Angaben der Stadt rund 12 Millionen Kubikmeter Gasgemisch abgesaugt, das Sechsfache des Deponievolumens. Das Gas, das noch immer durch den Abbau organischen Materials im Deponiekörper entsteht, wird mit Unterdruck über geschlitzte Rohre abgeführt. Dazu wurden im Zuge der Sanierung 27 Gasbrunnen installiert. Das Gas wird einer Verdichterstation zugeführt und seit vergangenem Jahr über die Schwachgasfackel verbrannt. Bis dahin wurden mit dem Biogas rund 18 Millionen Kilowattstunden elektrische Energie erzeugt und ins Netz eingespeist, was umgerechnet dem Jahresverbrauch von etwa 4000 Vier-Personen-Haushalten entsprach. Die Schäferin Dörte Wolfgramm-Stühmeyer beweidet die Fläche mit rund 150 Bio-Schafen, was der Stadt kostenintensive Mäharbeiten erspart.

Martina Rathke

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