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Greifswald Ausstellung präsentiert weltweit einmalige Sammlung
Vorpommern Greifswald Ausstellung präsentiert weltweit einmalige Sammlung
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01:25 12.01.2015
Die Vernissage zur Austellung über die Palästinareisen preußischer Theologen zog viele Besucher an.
Die Vernissage zur Austellung über die Palästinareisen preußischer Theologen zog viele Besucher an. Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Ein „Greifswalder Schatzkästlein“ wurde am Wochenende im Dom geöffnet. So zitiert die Wissenschaftliche Direktorin des Kruppkollegs, Prof. Bärbel Friedrich, indirekt ihren Vorgänger Klaus Pinkau. Schon seit 2004 unterstützte die Krupp-Stiftung die Bewahrung und Erschließung einer weltweit einmaligen Sammlung. Sie geht auf Gustaf Dalman (1855 bis 1941) zurück, der mehr als zwei Jahrzehnte in Greifswald lebte. Der Orientalist und Theologe baute von 1902 bis 1917 als Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des heiligen Landes in Jerusalem eine umfangreiche Sammlung auf.

1917 wurde Dalman Professor für Altes Testament und Palästinawissenschaft in Greifswald. Hier gründete er 1920 das Institut für biblische Landes- und Altertumskunde (jetzt Gustaf-Dalman-Institut).

Damit kam seine grandiose Sammlung nach Greifswald. Dazu gehören verschiedene Erden, die Pflanzen, die darauf wuchsen, und Ackergeräte. Dalman hortete Kleidung, Geweihe, Hölzer und Relikte. Auch eine große Judaica-Sammlung geht auf ihn zurück. Ein besonderer Schatz sind etwa 15000 Fotos, der Grundstock der sehenswerten Ausstellung im Greifswalder Dom.

Knapp 100 Greifswalder kamen zur Vernissage am Freitag. Bis zum 22. Februar ist die Sammlung im Dom zu sehen, jeden Dienstag um 16.30 Uhr werden von Studenten Sonderführungen angeboten.

Die Ausstellung vermittelt sehr ansprechend ein vielfältiges und vielfach unerwartetes Bild mit gut ausgesuchten Fotos, kurzen Erläuterungen und knappen Kommentaren von Studenten, ohne die es die Ausstellung nicht gäbe. So erfährt man auch einiges über ein deutsches Dorf, das fromme Schwaben in Palästina gründeten, und über den Besuch des deutschen Kaisers. „Wilhelm II. unternahm 1899 eine Propagandareise ins Heilige Land. Gekonnt inszenierte er sich als moderner Kreuzfahrer — und guter Freund des schwachen Osmanischen Reiches“, schreibt Theologiestudent Jan Richer dazu. „Nicht nur die Hoffotographen, auch Kaiserin Auguste Victoria griff zur Kamera. Was sie nicht zeigte, waren die wirtschaftlichen und militärischen Ziele ihres Gatten.“ Das Foto der Kaiserin zeigt Seine Majestät bei der Begegnung mit Scheichs.

Das Heilige Land war schon ein populäres Ziel, die Ausstellung zeigt eine schlafende Touristin neben einem Eisenbahnwaggon. 1900 organisierten Thomas Cook und Hapag Lloyd und Co schon Reisen unterschiedlicher Preisklassen und Komfortstufen.



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12.01.2015
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