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Greifswald Autofreies Wohnen am Ryck?
Vorpommern Greifswald Autofreies Wohnen am Ryck?
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00:00 28.06.2017
Auf den 60000 Quadratmetern zwischen Hafenstraße und Friedhof sollen Miet- und Eigentumswohnungen entstehen. Quelle: Foto: Cornelia Meerkatz
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Greifswald

Wie wollen Sie im neuen Wohngebiet an der Hafenstraße leben? Darüber haben am Montagabend bei einem öffentlichen Workshop 70 Teilnehmer diskutiert. Fest steht, dass ab 2021 Wohnungen für 1000 Greifswalder in dem Gebiet entstehen. Die Stadt geht erstmals einen komplett neuen Weg, indem sie das gesamte Areal in die Hand einer Firma gegeben hat. Die Projektentwicklungsgesellschaft UTB aus Berlin hat ein Jahr Zeit, ein Konzept inklusive geschlossener Finanzierung zu erarbeiten. Als Kriterium hat die Bürgerschaft bei der Vergabe festgelegt, dass 20 Prozent der Flächen für maximal 7,50 Euro kalt je Quadratmeter vermietet werden.

Ebenfalls festgezurrt wurde, dass es sich um ein autoarmes Quartier handeln soll. Da Stellflächen häufig ein Kostenfaktor sind, passen beide Anforderungen gut zueinander, wie UTB-Chef Thomas Bestgen betont: „Tiefgaragen sind teuer. Unter dem Aspekt der Kostenreduzierung sollten wir hier andere Wege gehen.“ Er schlägt beispielsweise Parkflächen am Rande des Wohngebiets vor. Seine Vision ist, dass in Zukunft – vielleicht in zehn bis 20 Jahren – deutlich weniger Autos benötigt werden. Stellflächen, die jetzt geschaffen werden, könnten dann in Spielplätze oder Grünflächen umgewandelt werden.

Auch aus rein praktischer Sicht müsse die Autozahl im neuen Wohngebiet begrenzt werden – so ein Ergebnis der Arbeitsgruppe Infrastruktur. Den Grund sehen einige Teilnehmer darin, dass die Straße An den Wurthen als einzige Zuwegung geplant ist und die Verkehrsbelastung dort enorm ansteigt, sollten Hunderte zusätzliche Autos durch die Straße fahren. Ein Greifswalder regte an, eine zusätzliche Anbindung über die Marienstraße zu ermöglichen. Derzeit geht das nicht, weil ein Teil der Flächen im Besitz der Firma Avila ist. Wie viele Autos später tatsächlich zum Wohngebiet gehören, lässt sich derzeit nicht schätzen. Allgemeine Faustregel ist, dass für jede Wohnung ein Pkw-Stellplatz erforderlich ist. Das wären beim geplanten Gebiet demnach 450 bis 550 Parkplätze. UTB-Chef Bestgen ist überzeugt, dass deutlich weniger erforderlich sein werden. „Ein Drittel der Greifswalder nutzt ein eigenes Auto, ein Drittel hat gar kein Auto, ein Drittel nutzt eine Mischform“, sagt Bestgen. Ihm schwebt unter anderem Carsharing vor. Der Experte für gemeinschaftliches Bauen sagt: „Wenn man gemeinschaftlich plant und baut, ist es unter Garantie günstiger, als 20 Parzellen separat zu planen.“ Dadurch könne auch beim Parken eine deutliche Reduktion von Stellflächen erreicht werden.

Andererseits ist der Wunsch nach wenig Verkehr auch groß, um den Wohlfühlcharakter zu stärken und insbesondere eine Flaniermeile direkt am Ryck zu verwirklichen. „Der Zugang zum Wasser muss öffentlich sein. Darin liegt viel Potenzial. Das Wasser ist ein Magnet, der über das ganze Gebiet hinausgeht“, fasste Elisabeth Müller die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Architektur zusammen.

In die gleiche Richtung ging der Vorschlag einer Studentin, die Wege für Fußgänger und Radfahrer bautechnisch zu trennen, damit gegenseitige Behinderungen vermieden werden. Abgase und Lärm wurden ebenfalls als Gründe angebracht, warum der Autoverkehr weitestgehend zurückgedrängt werden sollte. Dabei richtete sich die Diskussion keineswegs einseitig gegen den Autoverkehr. Eine Greifswalderin betonte, dass sie auf ihr Auto angewiesen sei, Parkflächen vor dem Haus und ein Parkhaus selbstverständlich mitgedacht werden müssten. „Wir können das Auto nicht negieren“, sagt der Nächste.

Bausenatorin Jeannette von Busse (CDU) sagte: „Ganz ohne Auto und Parkplätze wird es nicht gehen. Man könnte die Stellflächen hinter grünen Wänden verstecken.“

Die Entwicklung hautnah verfolgen

10 Prozessbegleiter werden gesucht, die Interesse haben, die weitere Entwicklung des Wohngebietes an vorderster Front zu verfolgen und als Multiplikatoren zu wirken. „Es sollen Leute sein, die gut vernetzt sind in der Stadt und die Ideen weitergeben“, sagt Monique Wölk (SPD). Als Vorsitzende des Bauausschusses hat sie den Workshop mitorganisiert und wirkt intensiv am Projekt mit. Drei Prozessbegleiter haben sich bereits gemeldet. Sieben werden noch gesucht. Pflichttermin für die Prozessbegleiter ist der 6. Juli. Dann wird detailliert über die Fortschritte informiert. Interessenten können sich melden: greifswald@utb-berlin.de

Katharina Degrassi

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