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Greifswald In der BDH-Klinik läuft es wieder besser
Vorpommern Greifswald In der BDH-Klinik läuft es wieder besser
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Chefarzt Torsten Stein (l.), Geschäftsführer Roger Gierczak  und Pflege- und Therapieleiterin Mareile Otto leiten die Greifswalder BDH-Klinik seit 2018.
Chefarzt Torsten Stein (l.), Geschäftsführer Roger Gierczak und Pflege- und Therapieleiterin Mareile Otto leiten die Greifswalder BDH-Klinik seit 2018. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

 Einiges lag bis vor Kurzem im Argen in der BDH-Klinik. Die Zusammenarbeit zwischen Pflegern, Therapeuten und Ärzten war unstimmig. Dazu demotivierte Mitarbeiter, ein Betriebsergebnis im roten Bereich. Einen neuen Geschäftsführer, Chefarzt und eine neue Pflegedienstleiterin später schreibt die Klinik wieder schwarze Zahlen. „Wir sind sehr gut aufgestellt“, sagt Geschäftsführer Roger Gierczak. „Wir reden nicht daher, sondern lösen Probleme“, findet Chefarzt und Neurologe Torsten Stein. Doch es geht um mehr als das Geld.

2500 Patienten kommen jährlich

In der Klinik werden jährlich 2500 Patienten mit Querschnittslähmung und schweren Schädel-Hirn-Schäden auf der Intensivstation, im Querschnittsgelähmtenzentrum und im Zentrum für Neurorehabilitation behandelt. Die Klinik verbindet Akutbehandlung und Frührehabilitation und Langzeitbehandlung auf insgesamt sieben Stationen. Das Focus-Ranking 2018 bescheinigt ihr eine Spitzenposition unter den Reha-Kliniken der Republik. Erst 2017 wurden 14 Millionen für einen Neubau investiert. Platz ist seitdem für 190 Betten, im Einsatz sind jedoch nur 156 Betten, weil für mehr Belegung das Personal fehlt. Der Fachkräftemangel ist in der BDH-Klinik ein Dauerbrenner.

Die Klinik sucht händeringend sowohl Pflegekräfte als auch Ärzte. „Es sind einfach keine Bewerbungen da. Wir haben jeden Qualifizierten, der sich beworben hat, genommen“, bringt Geschäftsführer Gierczak das Problem auf den Punkt. „Es braucht tragfähige Konzepte, die den Beruf der Pflegekräfte wieder attraktiv machen“, sagt Pflegedienstleiterin Mareile Otto. Solange es die Klinik in Greifswald gibt, ist auch Mareile Otto dabei. In ihren zwanzig Jahren hätten sie selten so eine hohe Motivation unter den Mitarbeitern erlebt. Nun gelte es, die Arbeitsumgebung so gut wie möglich zu gestalten und neue Fachkräfte anzuwerben. Die Hoffnung, ausländische Fachkräfte anzuwerben, ist jedoch geplatzt. Polnische und serbische Gesundheitspfleger hätten die Klinik allesamt in Richtung größerer Metropolen verlassen , sagt Roger Gierczak.

Arbeitsdichte ist gestiegen

Der Mangel sei nichts Neues, auch wenn es gern so dargestellt würde, sagt Stein, der seit dem Jahr 2000 in der Klinik arbeitet. „Natürlich schlägt der Personalmangel bei uns, so wie in ganz Deutschland durch. Der Arbeitstakt ist schneller geworden, auch die Arbeitsdichte ist höher. Das wird dann gerne zusammengefasst unter 'Effizienz'. Wenn andere sagen, es sei anders, glaube ich das nicht.“ An die Politik wolle er jedoch kaum Forderungen stellen, weil das Versprochene nicht umgesetzt werden könne.

Die BDH-Klinik biete flexible Arbeitszeiten innerhalb des vorgegebenen Schichtsystems, ein hohes Einstiegsgehalt schon in der Ausbildung und eine moderne Klinik. Beispiel: „Wir sind komplett digitalisiert“, sagt Chefarzt Stein. Unter dem neuen Führungstrio herrsche eine Politik der offenen Türen, würden regelmäßige Betriebsversammlungen stattfinden, Arbeitsschritte seien aufeinander abgestimmt worden und Mitarbeitern werde gesagt, dass sie wertgeschätzt werden und warum sie etwas tun. Die Klinik arbeitet als An-Institut mit der Uni zusammen, mietet sich im Klinikum einen OP-Saal an, und vergibt demnächst eine neue Promotion zum Thema multiresistente Keime im Krankenhaus. Bald, so Stein, solle zudem eine Wundauflage mit Kaltplasma eingesetzt werden – eine Greifswalder Erfindung, die die Wundbehandlung revolutionieren könnte. Das Geld für neue Investitionen werde auch weiterhin da sein, so Chefarzt Stein.

Gewinne wandern in Gehaltserhöhungen oder Investitionen

„Was wir erwirtschaften, kommt unseren Leuten zu gute oder wird für Investitionen in das Haus genutzt“, sagt Chefarzt Stein. Das hätte sich erst im letzten Jahr gezeigt als Mitarbeiter im nicht-ärztlichen Bereich nach dem positiven Betriebsergebnis fünf Prozent mehr Gehalt bekamen. Insgesamt arbeiten 340 Menschen für die BDH-Klinik, davon als Vollkräfte 25 Ärzte, 157 Pflegekräfte, 85 Therapeuten und Funktionsdienstler, 25 Leute in der Verwaltung und Haustechnik sowie 22 Auszubildende in der Pflege. Hinzu kommen Allgemeinmediziner, die Dienste auf Honorarbasis in der Klinik übernehmen.

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Christopher Gottschalk