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Greifswald Bäume leiden unter Trockenheit: Greifswalder an die Gießkannen
Vorpommern Greifswald Bäume leiden unter Trockenheit: Greifswalder an die Gießkannen
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09:06 17.07.2019
Janine Kansy, Azubi bei Garten- und Landschaftsbau Meißner, wässert einen Baum. Bis zu 100 Liter Wasser bekommt jeder Baum – bei der derzeitigen Trockenheit ist das gefährlich wenig.
Janine Kansy, Azubi bei Garten- und Landschaftsbau Meißner, wässert einen Baum. Bis zu 100 Liter Wasser bekommt jeder Baum – bei der derzeitigen Trockenheit ist das gefährlich wenig. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

Retten, was noch zu retten ist, könnte das Motto für Greifswalds Stadtbäume lauten. Denn sie leiden derzeit unter der andauernden Trockenheit. Steht der Stadt gar ein Baumsterben bevor? „Darauf will ich es nicht ankommen lassen“, sagt Dirk Meißner, der die Gefahr bei einzelnen Bäumen schon sieht. „Die derzeitigen Niederschläge reichen gerade für Jungbäume im Alter zwischen drei und sieben Jahren nicht für den Fortbestand aus. Sie brauchen Hilfe.“ Deswegen ruft er alle Greifswalder auf, selbst zum Wassereimer und zur Gießkanne zu greifen. „Schon ein Eimer Wasser am Tag hilft! Das ist wie bei einem Verdurstenden in der Wüste: Gebe ich ihm einen Schluck zu trinken, hat er die Chance, weiterzuleben.“

Bäume bekommen 50 bis 100 Liter Wasser alle zwei Wochen

Meißners Firma kümmert sich um rund 250 Bäume in der Stadt, die in den ersten drei Jahren nach Anpflanzen besondere Pflege von Meißner und seinen Mitarbeitern bekommen, weil ihre Wurzeln noch nicht das Grundwasser im Boden erreichen. Bei Gießaktionen bekäme jeder Jungbaum alle zwei Wochen zwischen 50 und 100 Liter Wasser. Bis zu einer Tiefe von 1,8 Metern hätten die Bäume derzeit kaum Wasser zur Verfügung, weil der Boden außergewöhnlich trocken ist. Das bestätigen Werte des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung.

Bis zu 300 Liter am Tag verdunstet ein großer Baum, während Jungbäume rund 100 Liter am Tag an die Umgebungsluft abgeben, erklärt Baumgutachter Gernot Hübner, der bereits Schäden wie abgebrannte Blätter entdeckt und langfristig mit toten Bäumen rechnet. „Die Baumsubstanz wird gerade so gerettet, damit die Bäume bis zum nächsten Regen durchhalten.“

Bäume in diesen Straßen seien laut Dirk Meißner besonders gefährdet: Wiesenstraße, Erich-Böhmke-Straße, Gützkower Straße, Stephaniestraße, Osnabrücker Straße, Grimmer Straße, Schießwall/Alte Mensa/Mühlentor, das gesamte Ostseeviertel Park- und Ryckseite, sowie die Lange Straße.

Dirk Meißner sorgt sich um Greifswalds Bäume Quelle: Christopher Gottschalk

Die Stadt schickt derzeit fünf Mitarbeiter des Bauhofs los, um rund 450 Bäume im Alter bis zu zehn Jahren zu bewässern, informiert Stadtsprecherin Andrea Reimann. Alle sieben bis zehn Tage werde gegossen. „Die Situation stellt sich in diesem Jahr lange nicht so schwierig dar wie 2018. Bislang wurde vielleicht ein Drittel des Wassers für die Bäume verbraucht wie im letzten Jahr: rund 30 Kubikmeter.“

Sommer 2018 brachte zu wenig Niederschlag

Dabei kämen die Mitarbeiter nicht an ihre Grenzen, die Hilfe der Feuerwehr sei bisher nicht nötig. Im vergangenen Sommer war hingegen von früh bis spät das Bewässerungsmobil der Stadt unterwegs um rund 5000 Liter pro Tag an die Jungbäume zu verteilen. Der trockene Sommer 2018 macht den Bäumen noch heute zu schaffen.

Im Juni 2018 regnete es 25 Liter pro Quadratmeter, im Juli waren es 50 Liter, im August 35,7 Liter. Normal, gemessen an den Mittelwerten zwischen den Jahren 1981 und 2010, wären im Juni, Juli und August rund 90 Liter pro Quadratmeter. „Das Niederschlagsdefizit aus dem letzten Jahr auszugleichen, wird schwierig. Was wir brauchen, ist Landregen“, sagt Gernot Hübner. Leichter, andauernder Regen, der in den Boden sickert und gerade den Bäumen an Straßen und auf Parkplätzen hilft, die wegen versiegelter Flächen wenig Wasser bekommen.

Klimabäume können Problem lösen

„Nach der nächsten Hitzewelle ist es vielleicht zu spät für manche Bäume“, warnt Hübner. Er schließt sich Dirk Meißner an und sagt: „Leute, gießt jeden Tag den Baum vor eurem Haus oder Grundstück mit einem Eimer Wasser.“ Trocken bleibt der Juli bisher mit 45 Liter Regen pro Quadratmeter.

Die Erderwärmung schreitet voran. Statt einheimischer Arten sollte bei der Pflanzung neuer Bäume auf mediterrane Arten gesetzt werden, sagt Gernot Hübner. „Wir müssen Abschied nehmen von einheimischen Bäumen. Pflanzen sollten wir stattdessen beispielsweise Akazien, Gleditschien, Blumeneschen oder ungarische Silberlinden.“ Die finden sich bereits dank Hübner auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums am Bahnhof.

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Christopher Gottschalk