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Greifswald Ballett Vorpommern: Ältester Fan ist 105 Jahre
Vorpommern Greifswald Ballett Vorpommern: Ältester Fan ist 105 Jahre
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12:09 31.07.2019
Dr. Sabine Richardt mit ihrer Mutter Maria Theresia Dittrich. Sie wurden am 21. Juli Ehrenmitglieder des Fördervereins des Balletts Vorpommern. Quelle: Petra Hase
Greifswald

Ob Frida Kahlo oder der Nussknacker, Carmen oder Don Quijote – sie hat sie alle gesehen: Maria Theresia Dittrich ist mit ihren 105 Lebensjahren nicht nur der älteste, sondern zugleich einer der größten Fans des Balletts Vorpommern. Wie ihre Tochter Dr. Sabine Richardt (72). Gemeinsam gehen sie in nahezu jede Vorstellung. Während das Gros der Theaterbesucher eine Inszenierung in aller Regel nur einmal erlebt, schauen sich die beiden Damen eine Choreographie immer wieder aufs Neue an. „Die Bewegungskunst der Tänzer ist derart hochkarätig, das muss man einfach mehrfach sehen“, sagt eine faszinierte Sabine Richardt. Diese Faszination bleibt auch den Akteuren und Freunden des Ensembles nicht verborgen. Deshalb hat der Förderverein des Balletts Vorpommern die beiden Greifswalderinnen auf Vorschlag des Ballettdirektors Ralf Dörnen jetzt als Ehrenmitglieder aufgenommen.

„Theater ist für sie das Fenster zur Welt, ist Lebensinhalt. In einem so hohen Alter immer noch so begeisterungsfähig zu sein, ist etwas ganz Besonderes“, würdigt Vereinsvorsitzender Prof. Thomas Klinger die jahrzehntelange Treue zur Bühne. Er kenne die beiden Damen seit langem. „Sie sind ikonisch: Ob Abonnementkonzerte, Musiktheater oder eben Ballett – sie kommen immer. Dieses Leuchten in ihren Augen zu sehen, ist auch für mich ein besonderer Moment“, sagt der Physiker.

Immer in der ersten Reihe dabei

Ähnlich gerührt zeigt sich Ralf Dörnen: „Sie sitzen immer erste Reihe Mitte, gut zu sehen vom Inspizientenpult“, so der Ballettdirektor. „Haben die Tänzer sie im Publikum entdeckt, heißt es sogleich: ‚Wir müssen gut sein!‘. Das mitzuerleben, ist so herzerwärmend, einfach wunderbar“, freut sich der mehrfach ausgezeichnete Choreograph. Aus diesem Grund seien die beiden Ballettfans jüngst zu einem Exklusivabend eingeladen worden. Das Ensemble tanzte nur für Mitglieder des Fördervereins und liebe Freunde.

Dr. Sabine Richardt und ihre Mutter Maria Theresia Dittrich werden von Prof. Thomas Klinger und Ballettdirektor Ralf Dörnen (v.l.) als Ehrenmitglieder des Fördervereins an einem Exklusivabend für Freunde des Balletts aufgenommen. Quelle: Theater Vorpommern

„Die Einladung war für uns eine Überraschung“, verrät Sabine Richardt. „Doch noch größer war die Überraschung, auf einstimmigen Beschluss des Vorstandes als Ehrenmitglieder aufgenommen zu werden. Wir waren sprachlos“, sagt sie. Die Choreographien von Alessio Ciaccio, Emilia Lakic, Barbara Flora, Andrea Truzzi und allen anderen an jenem Abend „waren Juwelen der Tanzkunst“, beschreibt Richardt das Erlebnis. „Wir kennen sie alle und haben sie alle ins Herz geschlossen“, fügt Maria Theresia Dittrich hinzu. Beide „lieben die darstellende Kunst und den zeitgenössischen Tanz ganz besonders“, erzählt Richardt, der die Liebe zu Kunst und Kultur in die Wiege gelegt wurde – wie schon ihrer Mutter.

Maria Theresia Dittrich erblickte im Mai 1914 in Ludwigshafen am Rhein als eines von sechs Kindern der Familie das Licht der Welt. Zwei Jahre später folgte der Umzug nach Merseburg bei Halle, weil ihr Vater – ein aus München stammender Architekt – beim Chemiekonzern BASF eine Anstellung fand. Damals entstanden die Leunawerke. „In Merseburg bin ich groß geworden und habe mein Abitur abgelegt. Wir alle sechs Geschwister haben Abitur gemacht, das war in jener Zeit etwas Besonderes“, blickt die 105-Jährige zurück, deren Zwillingsschwester vor neun Jahren starb. Auch alle anderen Geschwister leben leider nicht mehr. Doch was bleibt, sind die Erinnerungen.

Liebe zum Theater begann in der Kindheit

„Schon die Großeltern haben immer viel Wert auf Kultur gelegt, haben Kultur gelebt“, betont Sabine Richardt. Theaterbesuche, wie die im betriebseigenen Kulturhaus der Leunawerke, gehören auch für sie zu den Kindheits- und Jugenderinnerungen. „Heute gibt es Theaterpädagogen, die Kindern die Liebe zur Bühne vermitteln. Früher waren die Eltern dafür verantwortlich“, sagt sie. Sowohl ihre Mutter, die als Fremdsprachenkorrespondentin arbeitete, als auch ihr Vater erfreuten sich vieler Vorstellungen aller Sparten. An dieser Begeisterung fürs Theater änderte sich auch nichts mit dem Umzug nach Greifswald Mitte der 1960er Jahre. „Mein Vater Mauritz Dittrich war an der Universität Professor für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften“, erzählt Sabine Richardt, die in Greifswald ebenso wie ihre beiden Brüder Medizin studierte. Alle drei wurden Internisten, bekamen fünf Kinder, neun Enkel ...

Doch während die berufliche Laufbahn einmal ein Ende nimmt, Kinder und Enkel eigene Wege gehen, setzt sich die Freude an der Kunst fort. Zu Schauspielaufführungen gehen die beiden Damen heute eher nur noch selten, da das Alter von Maria Theresa Dittrich seinen Tribut fordert. Zwar erfreue sie sich dank gesunder Ernährung und reichlich sportlicher Betätigung in jüngeren Jahren noch immer guter Gesundheit. Allerdings lasse das Gehör etwas nach. Doch Konzerte und Ballett stünden regelmäßig im Kalender. „Uns fasziniert die geistig-schöpferische Idee des Tanzes. Über 20 Jahre haben wir die wunderbare künstlerische Entwicklung des Ensembles miterleben dürfen“, sagt Richardt. „Den Fleiß und die Ausdauer der Tänzer beobachten zu können, das ist einfach toll“, fügt ihre Mutter hinzu.

Tanztheater auf ganz hohem Niveau

Thomas Klinger kann dem nur zustimmen. Deshalb gründete er vor drei Jahren auf Initiative des Tänzers Simon Kranz – heute am Hessischen Staatsballett Darmstadt Kompagniemanager – mit sechs weiteren Ballettfreunden den Förderverein. Der zähle jetzt 83 Mitglieder. Zwar gebe es mit der Hebebühne seit langem einen Theater-Förderverein. „Aber so ein großartiges Ensemble wie das Ballett Vorpommern sollte speziell gefördert werden. Es bietet Tanztheater auf ganz hohem internationalen Niveau. Für ein kleines Haus wie Greifswald eher ungewöhnlich“, sagt Klinger und freut sich wie Dittrich und Richardt auf die nächsten „großartigen Abende voller Staunen und Emotionen“.

Spielzeit 2019/20

Ballettfreunde dürfen sich in der nächsten Spielzeit 2019/20 auf „Und die Seele unbewacht…“ freuen. Ein Abend, für den Hermann Hesses Gedicht „Beim Schlafengehen“ Titelgeber war. „Mit Othello“ kommt im Februar außerdem Shakespeare auf die Bühne. Und für die traditionelle „Tanzzeit“ im Mai übernehmen erstmals Tänzerinnen und Tänzer selbst die Choreographien für insgesamt sechs Stücke.

Petra Hase

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