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Greifswald Bau neuer Wohnungen: Greifswalder bangen um ihr Eigentum
Vorpommern Greifswald Bau neuer Wohnungen: Greifswalder bangen um ihr Eigentum
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17:25 09.10.2019
Der Streit um diese Garagen dauert nun schon fast neun Jahre. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Wohnraum für junge Familien ist knapp in der Hansestadt. Die Verwaltung versucht, bei der Ausweisung von Bebauungsplänen Tempo zu machen. Als nächstes soll der B-Plan 111 in Eldena ins Rennen gehen. Zwischen Friedhofsweg und Hainstraße auf der Fläche der ehemaligen Kita „Gänseblümchen“ sollen 32 Wohnungen zwischen 60 und 120 Quadratmeter Wohnfläche entstehen. Doch bereits bevor der Plan ausgelegt wird, gibt es kräftigen Gegenwind von den Anwohnern.

Die Grundstücke wurden bereits vor einigen Jahren von der Stadt an den Investor Frank Ziemer verkauft. Dieser möchte dort vier kleinteilige Geschosswohnbauten sowie rund zwölf Ein- oder Zweifamilienhäuser bauen. Das ist auch zwingend notwendig, denn nach dem ISEK der Stadt Greifswald werden bis 2030 knapp 3000 neue Wohnungen benötigt.

Kritikpunkt 1: Garagen der Anwohner

Bei den Anwohnern des Wohnblockes im Franz-Wehrstedt-Weg, dessen Grundstück durch das B-Plan-Gebiet umzingelt ist, sorgt der Plan für Unmut. Sie fürchten um ihre Garagen, die direkt auf dem Grundstück des Investors liegen. Bereits seit 2010 streitet die Eigentümergemeinschaft mit dem Investor und der Stadt. Die rund 40 Garagen, die südlich des Wohnblockes stehen, sollen abgerissen werden, die Eigentümer wünschten sich schon damals, in die Pläne mit einbezogen zu werden. „Wir wurden über nichts informiert, hatten plötzlich die Kündigung im Briefkasten“, erinnert sich Peter Krämer, der zur Eigentümergemeinschaft des Wohnblockes gehört. „Seit neun Jahren können wir die Garagen dennoch benutzen, aber wer weiß, wie lange noch? Uns sagt ja niemand, was nun Sache ist.“

Städtebaulicher Entwurf des B-Plans 111 in Eldena, Stand 06/2019 Quelle: Raith Hertelt Fuß Stralsund

Die Stadt versucht, die aufgebrachten Einwohner zu beruhigen: Der Investor müsse im B-Plan nachweisen, dass er entsprechend Ersatzstellplätze für den Wegfall der Garagen habe, sagt Stadtsprecherin Andrea Reimann. Für die 42 Garagenplätze gibt es nun einen konkreten Vorschlag: 33 Stellplätze davon sollen im Norden des Plangebiets direkt am Franz-Wehrstedt-Weg errichtet werden, neun weitere Stellplätze werden im südlichen Teil angeordnet.

Kritikpunkt 2: Zufahrtsweg muss verbreitert werden

Ein weiteres Problem der Eigentümer wurde bei der jüngsten Ortsteilvertretersitzung laut: Der Zufahrtsweg zum Bebauungsgebiet ist sehr schmal. „70 Zentimeter Weg müssten dazu kommen“, erklärte Erik Wilde vom Stadtentwicklungsbüro auf der Versammlung. Daraufhin meldete sich Peter Krämer zu Wort: „Von uns kriegt der Investor keinen Zentimeter“, schimpfte er. Auf der einen Seite des Weges sei der Wohnblock, in dem auch Familie Krämer lebt, auf der gegenüberliegenden Seite eine Grünfläche – der Wäscheplatz, wie sie sagen. „Das ist unser Eigentum“, betonte er.

„Die Verkehrsfläche im B-Plan ist tatsächlich breiter als bisher, denn eine Straße muss Mindestmaße haben“, erklärt Andrea Reimann. „Wie sie letztlich konkret ausgebildet wird, ist Sache des Investors.“ Eine Einigung wird also notwendig, wenngleich sich das Vorhaben als schwierig erweisen wird. Der Investor selbst habe zurzeit jedoch andere Pläne, nach denen eine Erweiterung der Straße nicht nötig wäre, verrät er gegenüber der OZ. „Ich brauche die 70 Zentimeter nicht mehr unbedingt“, sagt er. Die Pläne will er in Kürze vorstellen.

Kritikpunkt 3: Baufahrzeuge zu schwer

Die Krämers fürchten außerdem, dass der schmale Weg die schweren Baufahrzeuge nicht aushalten würde. Das denkt auch Angelika Michaelis, die ebenso im Wohnblock eine Wohnung gekauft hat. „Direkt darunter liegen die Leitungen für Gas und Wasser, die schweren Fahrzeuge würden doch alles kaputt machen“, meint sie. Gegen die Bebauung habe sie nichts: „Ich freue mich ja für diejenigen, die dort wohnen können“, sagt die Anwohnerin. „Aber ich weiß nicht, wie sich die Stadt das vorstellt. Wir werden ja über nichts informiert.“

Das Bebauungsgebiet in Eldena beschäftigt in Kürze die Bürgerschaft. Als nächstes soll darüber im Bauausschuss diskutiert werden, bevor im Hauptausschuss darüber beraten wird. Am 04. November soll schließlich die Bürgerschaft über den Auslegungsbeschluss entscheiden. Selbst wenn dieser beschlossen werden sollte, läuft die Kritik der Bürger nicht ins Leere. Sie können sich während der Auslegung zu dem B-Plan äußern.

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