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Greifswald Begräbnisorte der Gutsherren
Vorpommern Greifswald Begräbnisorte der Gutsherren
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00:03 28.05.2018
Vorpommern

Ludwigsburg bekommt eine neue Sehenswürdigkeit. Zu Schloss, Park, Gutshof, historischen Häusern und Kapelle kommt eine Dauerausstellung im Weissenbornschen Mausoleum.

Ausstellung in Ludwigsburg soll die Anlagen der Region vorstellen / EU fördert Projekt

Die Exposition soll die ländlichen Grabkapellen und Mausoleen in Vorpommern, konkret im früheren Regierungsbezirk Stralsund und auf Usedom, vorstellen. Sie führen derzeit „touristisch ein völlig ungerechtfertigtes Schattendasein“, heißt es im erfolgreichen Antrag für europäische Fördermittel. Eigentümer des Ludwigsburger Mausoleums ist seit der Bodenreform die Gemeinde Loissin.

Die Idee für die Ausstellung stammt von Detlef Niemann, dem ehrenamtlichen Küster der Ludwigsburger Kirche und Spiritus rector des Vorhabens. Beraten wird er von Michael Lissok, Kunsthistoriker an der Uni Greifswald. Er hat die Magisterarbeit von Claudia Behling betreut, die die wissenschaftliche Grundlage der beabsichtigten Ausstellung liefert.

Die meisten Mausoleen sind Zeugnisse des Repräsentationsbedürfnisses von Gutsherren. Pommern war ein Land der großen Güter. Dazu gehört Ludwigsburg, das die Greifswalder Kaufmannsfamilie Weissenborn 1810 erwarb. Karl Emil Wilhelm Weissenborn (1805 bis 1877) ließ das um 1845 errichtete neugotische Mausoleum mit einem Christusmedaillon nahe der Kapelle auf dem Friedhof bauen. Daneben befinden sich Gräber der Familie mit erhaltenen Grabsteinen. Auch diese Anlage besitzt Denkmalwert. Der siebenfache Vater Hermann Weissenborn (1843 bis 1917) und seine Kinder liegen hier begraben.

Im 19. Jahrhundert erwarben immer mehr Bürgerliche Güter. Vor allem prägten aber große alteingesessene Adlige wie die Behren, die Schwerine oder die von Bohlens den ländlichen Raum. Eine große Ausnahme unter den Mausoleen ist das der Familie Dannefeldt in Mönchow auf Usedom. Sie waren keine Gutsherren, sondern Bauern in Gneventhin.

Ein entscheidender Grund für die Errichtung der Mausoleen und der Grabkapellen, in denen auch Gottesdienste möglich sind, waren die Verbote für die Bestattung in Kirchen aus hygienischen Gründen. Ein Verbot erfolgte 1778 in Schwedisch-Pommern und 1794 in Preußen (Vorpommern war 1720 bis 1815 durch die Peene in einen preußischen und einen schwedischen Teil geteilt).

In den Gutsdörfern waren die Gutsherren in der Regel auch Patrone der Kirchen und damit für deren Unterhalt verantwortlich. Gutsherren saßen beim Gottesdienst auf Patronatsemporen und ließen traditionell ihre Toten in Grüften oder Erbbegräbnissen der Kirchen bestatten. Das war nun nicht mehr möglich, obwohl es Jahre dauerte, bis das Verbot überall durchgesetzt war. Behling hat sich in ihrer Arbeit mit dem bis 1932 bestehenden Regierungsbezirk Stralsund (früher Schwedisch-Pommern) und Usedom (war schon 1720 preußisch geworden) befasst.

Das älteste freistehende Erbbegräbnis steht laut Behling in Ostklüne, fünf Kilometer von Usedom entfernt, das den Schwerinen gehörte. Es wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet.

Als letztes wurde 1922 das Mausoleum der Familie Behr in Bandelin bei Gützkow im Gutspark gebaut, als solcherart Beerdigung eigentlich schon verboten war.

Die Mausoleen und Grabkapellen entstanden auf Friedhöfen oder in Parks. Auch Anbauten an bestehende Kirchen wurden errichtet, zum Beispiel in Lüssow bei Gützkow. Unter den Grabkapellen gibt es vergleichsweise aufwendige Bauten wie die Kapelle des Grafen Ulrich Behr-Negendank. Der Oberpräsident der preußischen Provinz Pommern ließ diese 1880/81 in Semlow bauen.

1858 wurde im Auftrag des Generals Theodor von Bismarck-Bohlens in Steinfurth bei Karlsburg eine neugotische Grabkapelle gebaut. Der Entwurf stammt von Friedrich August Stüler, einem der maßgebenden Architekten seiner Zeit. In dieser Grabkapelle befinden sich noch die Särge der Gutsherrenfamilie. Das war vor 1945 noch Normalität, auch in den Mausoleen. Aber in Folge der Enteignung und Vertreibung der Gutsbesitzer in der Bodenreform 1945 verfielen viele Anlagen. Es wurde häufig in die Gebäude eingebrochen. Schon sowjetische Soldaten suchten nach Wertgegenständen. In Wieck (gehört zu Gützkow) wurden die Särge der Familie von Lepel für tote sowjetische Offiziere umgenutzt.

Einige Mausoleen und Kapellen wurden in der DDR abgerissen. Andere wurden zu Leichenhallen oder nunmehr als Kirche für alle genutzt, beispielsweise in Preetzen das Mausoleum der Gutsbesitzfamilie Dudy seit dem Abriss der dortigen Kapelle in den 1960er Jahren.

Das wird in der Weissenbornschen Kapelle gezeigt werden

In der Dauerausstellung werden 29 Mausoleen nur im Text vorgestellt. Weitere 15 (inklusive des Ludwigsburgers) werden mit Bildern dargestellt:

Bandelin: Das Mausoleum der Behren von 1922 steht auf dem Friedhof.

Behrenhoff: Die ummauerte Grabanlage an der Kirche wurde wohl nach dem Tode des Grafen Carl Felix Woldemar von Behr (1835 bis 1906) errichtet.

Groß Mohrdorf: Auf dem Friedhof blieben drei Erbbegräbnisse erhalten. Ein 1880 errichteter Bau entstand für die Familie Wilhelm von Klot-Trautvetters und Friederike von Bohlens. Um 1890 wurde das Mausoleum der Familie von Zansen-Osten-Rewoldt gebaut.

Gützkow-Wieck: Die Grabkapelle nahe dem heutigen Schlossgymnasium wurde 1859 im Auftrag von Franz Heinrich II. von Lepel errichtet.

Libnitz: Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ließen Fritz Meyer und seine Frau Emma Sarnow diese Grabkapelle bauen.

Mönchow: Das Mausoleum auf dem Friedhof wurde 1891 für den Bauern Carl Dannenfeldt und seine Frau Wilhelmine gebaut.

Ostklüne: Das Schwerinsche Mausoleum steht an einem Abhang, der an das kleine Haff führt.

Samtens: 1860 entstand das Mausoleum der von der Lanckens auf dem Friedhof.

Schlemmin: Graf Bolko zu Stolberg-Wernigerode ließ wohl 1862 nahe der Kirche nach dem Tod Wilhelm Ulrich von Thuns, seines Schwiegervaters, bauen.

Semlow: Auf dem Kirchhof steht eine 1827 errichtete Grabkapelle der Behr-Negendanks, eine zweite ließ Ulrich Behr-Negendank 1880/81 auf dem Neuen Friedhof errichten.

Steinfurth: Gruftkapelle der Bismarck-Bohlens von 1858 auf dem Friedhof.

Volksdorf: Das Mausoleum auf dem Friedhof wurde 1901 für die Familie derer von Mecklenburg errichtet.

Zemmin: Das Mausoleum der Familie von Sobeck stammt von 1845.

Battinsthal: 1858 wurde das Mausoleum der von Schuckmanns gebaut.

Eckhard Oberdörfer

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