Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Bekommt Greifwald einen eigenen „Seligen“?
Vorpommern Greifswald Bekommt Greifwald einen eigenen „Seligen“?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:40 29.06.2018
Schwester Theresia am Grab von Pfarrer Wachsmann in Greifswald. Quelle: Sybille Marx
Anzeige
Greifswald

Es ist bisher nur eine Idee, aber eine, die mit Bitten an höchste Autoritäten im Himmel und auf der Erde verknüpft ist: Katholiken der Stadt beten um die Seligsprechung des katholischen Pfarrers Alfons Maria Wachsmann aus Greifswald, der 1944 von den Nazis hingerichtet wurde. „Allmächtiger, ewiger Gott, in großer Bedrängnis hast Du Pfarrer Wachsmann die Gnade geschenkt, bis in den Tod für Wahrheit und Gerechtigkeit zu kämpfen“, heißt es in einem Flyer, der in der katholischen Kirche St. Joseph seit ein paar Wochen ausliegt. „Wir bitten Dich.... Alfons Maria Wachsmann als Seligen verehren zu dürfen.“

Über Seligsprechung entscheidet der Papst

Die Seligsprechung eines Vorpommern – es wäre höchst ungewöhnlich im protestantisch-atheistischen Nordosten (siehe Infokasten). „Wir sind aber erst in der Vorphase“, betont Schwester Theresia, Ansprechpartnerin des kleinen Pfarrer-Wachsmann-Kreises in der Gemeinde. „Vor allem geht es uns darum, Wachsmanns Bekanntheit zu stärken.“ Nur, wenn es der Wunsch vieler werde, sein Andenken zu pflegen, könne man einen Antrag zur Seligsprechung in der katholischen Kirche anstoßen – ein höchst langwieriges Verfahren, das am Ende beim Papst landet.

Anzeige

Hinrichtung wegen kritischer Haltung zum NS-Regieme

Aber wofür überhaupt? Schwester Theresia erklärt es so: „Entscheidend ist, dass man aus der Erinnerung an einen Seligen Kraft und Mut schöpfen kann“, dass man ihn als Vorbild verehren und mit ihm zu Gott beten könne. „Wachsmann war ein sehr aufrechter Mensch“, meint sie. „Und in gewisser Hinsicht ein Märtyrer“: einer, der für seinen Glauben starb. Auch der katholische Hochschulseelsorger Christian Berkenkopf hält das Wort „Märtyrer“ für vertretbar. Zwar gehörte Wachsmann nicht wie der Theologe Bonhoeffer zu den politischen Widerständlern. „Aber aus seinem Glauben heraus hatte er eine kritische Haltung dem Nazi-Regime gegenüber, und daraus hat er keinen Hehl gemacht.“

Abschriften der Briefe Wachsmanns aus der Haft erhalten

Immer wieder soll Wachsmann ausländische Radiosender bei geöffnetem Fenster gehört haben – „Feindsender“. In mehreren seiner Predigten finden sich kritische Anspielungen auf die deutschen Machthaber, und er galt als Pazifist. Beeindruckend seien aber auch seine Briefe aus der Haft, findet Schwester Theresia. Im Juni vor 75 Jahren wurde Wachsmann von den Nazis wegen „Wehrkraftzersetzung durch das Hören feindlicher Radiosender“ in Zinnowitz verhaftet, sieben Monate später er in Brandenburg hingerichtet. Seine 14 Briefe aus der Zelle sind noch erhalten. „In ihnen sieht man, wie er anfangs hoffte, wieder frei zu kommen“, sagt sie. Nach und nach habe er sein Schicksal dann in Gottes Hand gelegt, „und einen Weg der Reifung durchgemacht.“ Abschriften von diesen Briefen, ein Messgewand von Wachsmann und weitere Materialien, die an ihn erinnern, lagern inzwischen im Pfarrer-Wachsmann-Haus neben der Kirche – als Archiv für alle, die mehr über ihn wissen wollen. Sein Grab hatte die Gemeinde schon 1983 vom Alten Friedhof an die Kirche verlegen lassen. Eine romanhafte Wachsmann-Biographie will sie 2019 herausgeben – im Gedenken an seine Hinrichtung, die dann 75 Jahre her sein wird.

Studientag im Januar 2019 geplant

Und der Studientag, den Berkenkopf zusammen mit evangelischen Theologen der Uni Greifswald und dem Krupp-Kolleg für Januar 2019 plant, soll den Priester als Wissenschaftler, Seelsorger und Märtyrer würdigen. „Ich glaube, dass da nicht nur Katholiken kommen werden“, sagt Berkenkopf. Für einen lokalen Regime-Gegner aus der Nazizeit interessierten sich viele. Erst vor Kurzem reisten fast 30 Vorpommern zu den Stationen in Vorpommern, Polen und Brandenburg, an denen Wachsmann ab der Verhaftung festgehalten wurde. Der ehemalige Geschichtslehrer Berndt Frisch war auch dabei – und will nun dem Wachsmann-Kreis beitreten. „Ich würde mich freuen, wenn der Kreis der katholischen Christen, die sich für seine Seligsprechung engagieren, immer größer wird.“

Sybille Marx

Greifswald Nachdenken über Freiheit in unserer Zeit - Hörstraße in Greifswalder Stadtrandgemeinde
29.06.2018
Greifswald Beliebtes Greifswalder Stadtteilfest - Bürokratie gefährdet Stadtteil-Flohmarkt
29.06.2018