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Greifswald Biber sorgt für volle Gräben in Wald bei Greifswald
Vorpommern Greifswald Biber sorgt für volle Gräben in Wald bei Greifswald
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06:04 22.01.2019
Der Biber ist im Elisenhain aktiv, die Gräben sind voll Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

 Das Wasser in den Gräben bei Eldena Richtung Bierbach steht hoch. Viele Bäume haben dauerhaft nasse Füße. Einige sind schon umgefallen und liegen über den Gräben. Manche Wege sind nicht mehr nutzbar, auf Wiesen steht Wasser. Ärgerlich für Spaziergänger wie Manuela Olschewski, die den Elisenhain zur Naherholung nutzen. Dann liegt auch noch Holz im Elisenhain herum. „Kein schöner Anblick“, stellt Manuela Olschewski fest. Sie vermutet, dass die Unterhaltung der Gräben vernachlässigt wird. „Das Wasser in den Gräben stand selbst in diesem trockenen Sommer höher als sonst“, argumentiert sie. Zwar wohnten hier Biber, aber es fehlten frische Fraßspuren. Darum glaubt Manuela Olschewski nicht, dass Biberdämme die hohen Wasserstände verursachen.

Manfred Schalli, Geschäftsführer des zuständigen Wasser- und Bodenverbands Ryck-Ziese, wehrt ab. Etwa einmal im Jahr würden Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt, betont er. Einwohner Eldenas würden den Wasser- und Bodenverband regelmäßig über Wasserstände im Elisenhain informieren. „Schuld an den hohen Wasserständen sind Biber“, sagt Schalli. „Die bauen immer wieder Dämme, sodass sich das Wasser staut.“ 2015 wurden laut Naturschutzbehörde des Kreises von den durch europäisches Recht geschützten Nagern errichtete Dämme im Bereich des Bierbachs gesichtet. Die Nager breiten sich im Landkreis immer weiter aus. Allein im Greifswalder Stadtgebiet sind aktuell vier Biberreviere sicher nachgewiesen.

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Sogar der Einbau eines „Bibertäuschers“ wurde im März 2016 auf halber Strecke zwischen dem Naturschutzgebiet und dem Spielplatz in Eldena genehmigt. Das ist ein rotes Plastikrohr, das als Drainage des Biberdamms dienen soll und für Spaziergänger gut sichtbar ist.

Der nutzlos gewordene „Bibertäuscher“ Quelle: eob

Zunächst erfüllte dieser „Bibertäuscher“ seine Funktion, so Kreissprecherin Anke Radlof. Aber ewig ließen sich die Tiere nicht täuschen. „2017 begann der Biber neue Dämme zu bauen, einen etwa 100 Meter grabenabwärts, den jetzigen Hauptdamm, und zeitweise einen direkt am Spielplatz des Wohngebiets. Der ,Bibertäuscher’ im alten Damm könnte entfernt werden, weil er keine Funktion mehr erfüllt.“ Für den Damm am Spielplatz wurden in den letzten zwei Jahren mehrmals Genehmigungen zur vollständigen Abtragung erteilt. Denn dieses Biber-Bauwerk sei erstens nicht lebensnotwendig für die geschützten Tiere. Zweitens sei es zum Rückstau in die Regenentwässerung des Wohngebiets gekommen. „Daher konnte die Ausnahmegenehmigung erteilt werden“, so Radlof. Der jetzige Hauptdamm beeinträchtige die Wohnhäuser nicht. Auch hätten die Wiesen 2018 großteils gemäht werden können. Im Gegensatz zu Manuela Olschewski spricht die Kreissprecherin von niedrigen Wasserständen in den Gräben. „Die Naturschutzbehörde ist an Meldungen zum Gebiet interessiert“, sagt sie. Bei einer Erhöhung des Hauptdammes könnte wieder der Einbau eines „Bibertäuschers“ notwendig werden, weil der Wasserstand steigen würde.

In der Vergangenheit hätte es immer wieder Störungen der Tiere an den Dämmen gegeben. Das sei verboten. „Und je öfter Biber gestört werden, desto intensiver bauen sie neue und konfliktreiche Dämme.“

„Wir sind auch betroffen, da der Nager hier genau das tut, was er am liebsten macht: Rinde von den Bäumen abknabbern“, sagt Jan Meßerschmidt, der Sprecher des Waldbesitzers, der Uni Greifswald. Die Situation im Bereich des Bierbachs sei schwierig. Hier stünden viele kranke und geschädigte Eschen. „Die sind bei Sturm natürlich besonders gefährdet“, erinnert Meßerschmidt. „Durch die Stürme der vergangenen Wochen sind auch einige andere Bäume umgestürzt bzw. geschädigt worden. Das lässt sich nicht innerhalb weniger Tage beräumen, zumal der Boden sehr nass ist.“ Das gestapelte Holz sei im Herbst geschlagen worden. Für die Abholung sei der Käufer zuständig.

Bäume stehen im aufgestauten Wasser Quelle: eob

Eckhard Oberdörfer

22.01.2019
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