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Greifswald Bis zu 750 neue Kitaplätze entstehen in Greifswald
Vorpommern Greifswald Bis zu 750 neue Kitaplätze entstehen in Greifswald
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09:57 28.06.2018
Die Unikita direkt neben dem Klinikum am Beitzplatz wird ihre Kapazitäten wegen der hohen Nachfrage nach Plätzen erweitern. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

In den kommenden drei Jahren sollen in der Hansestadt Greifswald bis zu 750 neue Krippen- und Kindergartenplätze entstehen. Das teilt Dirk Scheer, Sozialdezernent des Landkreises Vorpommern-Greifswald, mit. In den vergangenen Monaten hatte es massive Kritik an fehlenden Betreuungsplätzen gegeben.

Welche Maßnahmen ergriffen wurden, um das Problem zu bekämpfen, stellten Stadtverwaltung und Landkreis am Mittwochabend bei einem öffentlichen Kitagipfel im Rathaus vor. „Einige Projekte sind schon sehr weit in der Planung, andere noch am Anfang. Wahrscheinlich werden nicht alle Einrichtungen tatsächlich gebaut“, sagt Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne). Trotzdem werde das aktuelle Platzproblem vollumfänglich gelöst, weil laut aktueller Planung mehr Plätze entstehen als unbedingt benötigt werden. Eine Entspannung werde es ab Ende 2019 geben.

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Derzeit bleibt die Situation weiter angespannt. Nach Information von Dirk Scheer sind momentan 285 Greifswalder Familien auf der Suche nach einem Krippen-, Kita- oder Hortplatz. Trotzdem sei keine einzige Klage anhängig. Ab dem vollendeten ersten Lebensjahr gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. „Wir finden für jeden Einzelfall eine Lösung“, sagt Scheer. Er bittet alle Eltern, sich direkt an die Mitarbeiter des Jugendamtes zu wenden. Scheer verspricht während des Kitagipfels auch einen Platz für den den Sohn von Nele Friedrich zu finden. Die Doktorin an der Unimedizin berichtet, dass, sie bislang nur Absagen bekommen hat. „Die Kitas machen einem alle keine Hoffnungen. Sie nehmen fast ausschließlich zum September Kinder. Es werden aber nicht alle Kinder im Sommer geboren.“ Sie suche einen Krippenplatz ab Mai 2019.

„Das ist ein Problem“, räumt Scheer ein. Wenn das neue Schuljahr im August/September beginnt und die Vorschulkinder zu ABC-Schützen werden, entstehen viele Kapazitäten in den Einrichtungen. „Wir können aber für einen vorübergehenden Zeitraum Ausnahmeregelungen zulassen, sodass mehr Kinder aufgenommen werden, als das eigentlich zulässig ist“, erklärt Scheer. „Wir wollen die Kinder nicht nur unterbringen, sondern auch die Qualität einhalten“, sagt Doreen Rapphahn, Abteilungsleiterin Kindertagesstätten beim Landkreis.

Konkret bedeutet die Regelung trotzdem: Der Landkreis löst das Problem fehlender Plätze durch eine konsequente Überbelegung der Gruppen. Statt um sechs Einjährige muss sich eine Erzieherin dann um sieben oder acht Kleinstkinder kümmern. Dabei weist MV schon bei der Regelbetreuung von einem Erzieher für sechs Krippenkinder beziehungsweise 15 Kitakinder den schlechteste Schlüssel bundesweit auf. „Können Sie als Landkreis nicht den Betreuungsschlüssel heruntersetzen, damit die Kinder besser betreut sind und die Qualität steigt“, fragt das SPD-Bürgerschaftsmitglied Erik von Malottki. In die gleiche Kerbe schlägt die Fraktionskollegin Monique Wölk: „Vielleicht liegt es genau an diesen Arbeitsbedingungen, dass wir nicht genug Fachkräfte für Kitas finden.“ Scheer verweist darauf, dass das Land und damit das SPD-geführte Sozialministerium für die Finanzierung der Kitas samt Betreuungsschlüssel zuständig ist. „Ich würde mich freuen, wenn Sie bei den Ministern Ihrer Partei zusätzliche Mittel für den Landkreis einwerben können.“

Scheer teilt weiter mit, dass die Mitarbeiter des Jugendamtes einen besseren Überblick über freie Plätze haben als das für Eltern möglich ist. Das Kitaportal des Landkreises, über das sich alle Familien auf Platzsuche anmelden sollen, gebe keine verlässliche Aussage, wie Scheer einräumt. Obwohl aktuell wieder neue Plätze geschaffen wurden, zeigt das Kitaportal an, dass es keinen einzigen freien Platz in der Stadt gibt, wie Mutter Marie Frenzel erfahren musste. Die Doktorin an der Unimedizin suche einen Betreuungsplatz ab März 2019. „Es machen nicht alle Einrichtungen beim Kitaportal mit und selbst wenn, pflegen sie die Daten nicht regelmäßig“, sagt Rapphahn. Zwar seien alle Einrichtungen schriftlich verpflichtet worden, das System zu nutzen. „Wir müssen das aber auch kontrollieren als Landkreis. Bei 181 Einrichtungen geht das nicht in drei Monaten“, so Scheer.

Hier entstehen neue Einrichtungen

Die Kita Alexander Puschkin wird bis zum Jahresende um sechs Krippen- und zehn Kindergartenplätze erweitert.

Der Pflegedienst Ora Cura baut auf dem Betriebsgelände 20 Krippen- und 40 Kindergartenplätze. Die Fertigstellung soll Ende 2019 sein. Sozialsenator Dirk Scheer rechnet damit, dass Bauende erst 2020 ist.

Die Weidenbaum GmbH baut bis Mitte 2019 eine neue Kita, die Kindervilla Kopernikus mit 20 Krippen- und 90 Kitaplätzen.

Die IB Vorpommern plant bis März 2019 den Neubau von 36 Krippen- und 90 Kitaplätzen.

Die Aktion Sonnenschein baut in Hinrichshagen neu. Bis Ende 2018 entstehen dort 18 Krippen- und 33 Kitaplätze.

Die Johanneskirchgemeinde baut bis Sommer 2019 in Kooperation mit dem Kreisdiakonischen Werk in Schönwalde I. In der Kita mit Familienzentrum entstehen 18 Krippen- und 60 Kitaplätze.

Das Institut Lernen und Leben baut auf dem Grundstück der Weinertschule 24 Krippen, 54 Kitaplätze und 44 Hortplätze. Außerdem wird die Kita Hundertwelten in der Grimmer Straße erweitert. Dorte entstehen im Frühjahr 2020 60 neue Plätze. Die ILL-Grundschule Am Ziegelhof wird zum Schuljahresbeginn 2020/21 um 134 Hortplätze erweitert.

Die Unikita der Volkssolidarität am Uniklinikum erweitert ihren Bau bis 2020 um 90 Plätze.

In den planerischen Kinderschuhen steckt das Projekt für 36 Krippen- und 45 Kitaplätze von Jeanette Dabergott.

Degrassi Katharina