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Greifswald Blackout: Greifswalder Stadtwerke kommunizieren jetzt krisensicher
Vorpommern Greifswald Blackout: Greifswalder Stadtwerke kommunizieren jetzt krisensicher
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08:07 22.06.2019
Funkmast der Stadtwerke Greifswald bei Wackerow Quelle: Martina Rathke
Greifswald

Mit Funknetzen, wie sie die Bundeswehr und Polizei nutzen, haben sich die Stadtwerke Greifswald jetzt für den Fall eines Blackouts (totaler Stromausfall) gerüstet. Das kommunale Tochterunternehmen setzt für die Notfallkommunikation mit ihren Mitarbeitern auf den Tetra-Sprechfunk, der auch von deutschen Sicherheitsbehörden verwendet wird. „Damit stellen wir uns krisensicherer auf“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Prauße. Als Energieunternehmen gehören die Stadtwerke zu den Unternehmen mit kritischer Infrastruktur.

„Mit dem Tetra-Sprechfunk können wir auch dann noch kommunizieren, wenn die normalen Handy-Akkus leer und die Telefonnetze zusammengebrochen sind“, ergänzte Projektleiter Henrik Umnus. Hintergrund: Die konventionelle analoge – und damit stromnetzunabhängige – Telekommunikation über Festnetz ist ein Auslaufmodell. Telefoniert wird zunehmend über Voice over IP, also internetbasiert. Bricht das Stromnetz zusammen, ist eine Kommunikation nicht mehr möglich. Ausnahmen sind einige wenige batteriegepufferte Basisstationen in Mobilfunknetzen. „Seitdem die Telekom die Netze auf VoIP umstellt, ist die Kommunikation im Falle eines Blackouts über Telefon nicht mehr gesichert“, so Umnus.

Die Stadtwerke haben dazu zwei Millionen Euro in ein digitales Datenfunknetz in Greifswald investiert. Dazu ließ das Unternehmen in den vergangenen Monaten vier markante, jeweils 36 Meter hohe Funkmasten errichten: auf dem Gelände des Freizeitbades, in Ladebow, bei Wackerow und zuletzt bei Friedrichshagen. Auch die Schornsteine der Heizkraftwerke in der Kapaunenstraße sowie am Helmshäger Berg dienen als Masten. Ein weiterer Turm soll in diesem Jahr auf dem Riems montiert werden, so Prauße.

Doch die Notfallkommunikation ist eher ein Nebeneffekt der neu installierten Technologie. Über das digitale Datenfunknetz steuern die Stadtwerke vor allem die etwa 200 dezentralen Photovoltaikanlagen, die inzwischen in Greifswald auf Privatdächern von Eigenheimen oder Firmengebäuden installiert sind. „Der Gesetzgeber hat im Netzstabilisierungsgesetz festgelegt, dass die Einspeisemengen aus den dezentralen EEG-Anlagen alle 15 Minuten an den vorgelagerten Netzbetreiber zu übermitteln sind“, erläuterte Prauße. Der vorgelagerte Netzbetreiber – für Greifswald das Unternemen 50Hertz – ist verantwortlich für die Netzsicherheit. Damit keine Schwankungen oder sogar Störungen im Netz auftreten, darf nur soviel Strom in das Netz eingespeist werden wie auch entnommen wird. „Wir müssen deshalb in der Lage sein, die Anlagen zu regeln“, so Umnus. Wenn an Wochenenden beispielsweise der Stromverbrauch sinkt, seien die Stadtwerke verpflichtet, Photovoltaikanlagen auch abzuschalten. Laut Stadtwerke ist auf den Greifswalder Dächern inzwischen eine Gesamtleistung von acht Megawatt installiert. (Zum Vergleich: Ein Offshore-Windrad vor Rügen hat eine Leistung von sechs MW)

„Wir brauchten dazu ein hochqualitatives Übertragungsmedium, das in der Lage ist, die Daten aus den Zählern in den Kellern der Anlagenbetreiber aufzunehmen und zu übertragen“, sagte Prauße. Vor Spionage in der Privatsphäre, Hackerangriffen oder der Übermittlung anderer als der Zählerdaten braucht nach Angaben der Stadtwerke niemand Angst haben. Mit dem digitalen Datenfunk würden die Messdaten in einem sicheren und end-to-end-verschlüsselten System übertragen. „Alle Photovoltaik-Anlagenbetreiber sind verpflichtet und haben eingewilligt, entsprechende Steuerungsanlagen vom Netzbetreiber einbauen zu lassen“, sagte Prauße. Sie mussten dazu entsprechende Modems kaufen. Über das Datennetz lassen sich auch die Zähler der Stromkunden auslesen –Stichwort: intelligente SmartHome-Systeme, die im Zuge der Digitalisierung auf immer größere Akzeptanz in Privathaushalten stoßen, wie Prauße sagte.

Apropos Blackout: Ein Ausgangsszenario, welches in dem Bestseller-Roman „Blackout“ ganz Europa in eine Stromausfall stürzte, hält Prauße für unrealistisch. Die Folgen eines Blackouts mit Nahrungsknappheit, Dunkelheit, Kälte und zivilem Chaos seien allerdings korrekt beschrieben. Die Stadtwerke müssen für einen möglichen flächendeckenden Stromausfall nicht einmal selbst verantwortlich sein. Wenn der vorgelagerte Netzbetreiber nicht liefere, wird es dunkel in der Hansestadt, sagte Prauße.

Auch wenn der Strom länger ausfallen sollte, würden die Stadtwerke in der Lage sein, die Menschen trotzdem einige Zeit mit Trinkwasser zu versorgen. Dazu gebe es eine klare Hierarchie und ein ausgeklügeltes System an Notstromaggregaten, um die Trinkwasserpumpen weiter zu fahren und das Abwasser abzuleiten. Warum gerade Wasser? „Das erste, woran der Mensch stirbt, ist fehlendes Wasser“, sagte Prauße. Um die Notstromaggregate für einen solchen Worst Case zu betreiben, gibt es einen Kraftöl-Tank mit einer Million Liter an einem Greifswalder Stadtwerke-Standort.

Martina Rathke

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