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Greifswald Blinder Maler aus Greifswald vor seiner ersten Ausstellung
Vorpommern Greifswald Blinder Maler aus Greifswald vor seiner ersten Ausstellung
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19:06 28.08.2019
Der blinde Künstler Maximilian Christopher Weihs malt Landschaftsbilder. Hier zeigt er Beispielarbeiten im Postkartenformat. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

Maximilian Christopher Weihs ist bereit. Endlich kann er der Öffentlichkeit zeigen, was er vor seinem inneren Auge sieht. Dass er blind ist, hält ihn nämlich nicht vom Malen ab. Am Donnerstag, dem 29.8., eröffnet er um 17 Uhr seine erste Greifswalder Ausstellung im Quartiersbüro in Schönwalde II.

„Ich vermisse das Sehen nicht“

Die Bilder zeigen Landschaften mit Bäumen und Sträuchern, die Motive leuchten mal in knalligem Grün, dann wieder sticht Rot heraus, ein anderes erscheint fast nur in Blautönen. Wie er auf die Motive komme, könne er selbst kaum erklären.

„Ich wurde mit der Infektionskrankheit Toxoplasmose geboren und als Kind häufig operiert. Ich vermisse das Sehen nicht, es ist für mich kein Verlust, weil ich es nie kennen gelernt habe. Die Bilder male ich, weil sie aus meinem Kopf rausmüssen. Wo auch immer sie herkommen – sei es Gott oder das Universum. Ich finde es angenehm, auf diese Art sehen zu können“, sagt der 48-Jährige.

Kunstwerke entstehen unter höchster Konzentration

Die Entstehung der Werke folgt einem speziellen Prozess. Meist malt Weihs mit Acryl- oder Wasserfarbe. An seinem Arbeitsplatz stehen die Farben vor ihm, jeweils markiert mit Punkten aus der Blindenschrift. Die Papier- oder Pappunterlage teilt sich der Künstler mit Stecknadeln und Kreppband ab. Mit der Grundierung beginnt er, deckt dann weitere Bereiche ab, so dass er weiß, wo er welche Farbe und welchen Strich aufträgt.

Weihs trägt häufig Werke im Postkartenformat bei sich, um sie als eine Art Visitenkarte zu verschenken. Um zu erkennen, welches Bild welches ist, nutzt er eine App auf seinem Smartphone, das er über die Bilder hält. Die App sagt ihm an, welche Farbe zu sehen ist.

Weihs spürt vor seiner Ausstellung die Aufregung

Weihs ist kein ausgebildeter Maler, stattdessen lernte er autodidaktisch und bei verschiedenen Mentoren. Seit Anfang der 1990er Jahre malt der gebürtige Ueckermünder, der 2011 nach Greifswald gezogen ist. In seiner Heimatstadt hatte er 2001 seine bisher einzige Ausstellung. „Jetzt bin ich wieder aufgeregt über den Pegel“, sagt er und lächelt dabei. Präsentiert werden Werke im Format 30 mal 40 Zentimeter. „Die Bilder stehen zum Verkauf, aber viel werde ich daran nicht verdienen“, sagt Weihs. Er bezieht nämlich eine Rente, seine Einnahmen würden gegengerechnet. „Jeder Verkauf wäre ein Erfolg für mich.“ Er hoffe auf weitere Ausstellungen und Projekte.

Ausstellung ist bis Dezember geöffnet

Der Künstler ist bei der Ausstellungseröffnung im Quartiersbüro anwesend. Zur Eröffnung spricht Manfred Prinz einführende Worte, es wird eine musikalische Untermalung geben. Die Ausstellung „Vor meinem geistigen Auge“ läuft bis zum 13. Dezember. Geöffnet sind die Räume im Quartiersbüro, Makarenkostraße 12, mittwochs von 9 bis 11 Uhr, donnerstags von 15 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 15 Uhr oder auf Anfrage unter Tel. 03834 884 9945.

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Von Christopher Gottschalk

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