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Greifswald Bürgerinitiative will Windpark bei Lüssow stoppen
Vorpommern Greifswald Bürgerinitiative will Windpark bei Lüssow stoppen
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09:04 21.09.2019
Christian Jaroslawski, Bernd Lukasch und Wiebke Hohberg gründeten die Bürgerinitiative „Stopp Windpark Schmatzin/Lüssow“. Sie sammeln Unterschriften gegen die Pläne. Quelle: Petra Hase
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Lüssow/Ranzin

Gegner des bei Lüssow/Schmatzin geplanten Windparks machen mobil. Nachdem sich Ende voriger Woche in Gribow eine Bürgerinitiative gründete, haben sich bereits Dutzende Einwohner der unmittelbar betroffenen Orte mit ihrer Unterschrift gegen die Pläne der drei Projektentwickler Enertrag, naturwind und wpd ausgesprochen. „Die genaue Zahl unserer Unterstützer kennen wir noch nicht, denn momentan kursieren überall Listen. Aber allein die erste Infoveranstaltung brachte 60 Unterschriften“, sagt der Ranziner Christian Jaroslawski, der gemeinsam mit Bernd Lukasch aus Schmatzin und Wiebke Hohberg aus Glödenhof die Bürgerinitiative gründete. Drei Tage später zählte die Gruppe bereits 38 Mitstreiter.

Acht Windkraftanlagen wollen die drei Projektentwickler auf einem 56 Hektar großen Areal nördlich von Lüssow errichten. „Im Entwurf des regionalen Raumentwicklungsprogramms ist diese Fläche als Eignungsgebiet für Windenergie ausgewiesen“, sagt nordwind-Pressereferentin Claudia Röhr. Zwar gebe es noch keinen Beschluss des Regionalen Planungsverbandes. „Doch mit dem derzeit laufenden vierten Beteiligungsverfahren sind die Planungsziele verfestigt.“ Es sei eher unwahrscheinlich, dass an diesem Eignungsgebiet noch gerüttelt werde.

Bürger befürchten Werteverlust ihrer Grundstücke

Christian Jaroslawski sieht das anders: Viele Leute in Glödenhof, Lüssow und Schmatzin, deren Grundstücke nur 800 bis 1000 Meter von den geplanten Anlagen entfernt liegen, stünden den Windrädern kritisch gegenüber. „Wir wollen sie mobilisieren, um angehört zu werden. Je mehr mitmachen, desto besser“, sagt der 44-jährige Vater von drei Kindern. 2001 habe er mit seiner Frau den alten Kindergarten in Ranzin erworben und Schritt für Schritt umgebaut. Die Familie fühle sich wohl in dem kleinen Ort abseits der Bundesstraße 111. Doch diese Idylle sehe er mit dem Windpark gefährdet. Besonders besorgniserregend sei der mögliche Werteverfall des Grundstücks. „Unser Häuschen ist unsere Rente“, sagt der Musikschullehrer.

40 Windeignungsgebiete in Vorpommern-Greifswald

Ähnlich argumentiert Bernd Lukasch. „Experten sprechen von einem Werteverlust von bis zu 50 Prozent“, sagt der 65-jährige Leiter des Anklamer Otto-Lilienthal-Museums, der in den 1970er Jahren ein altes Bauernhaus in Schmatzin erwarb und ausbaute. Zwar hielten sich die Projektentwickler an die gesetzlich geforderten Abstände zu Grundstücken (800 Meter) und Gemeinden (1000 Meter). „Dabei wird aber vergessen, das die Windräder heute doppelt so groß gebaut werden wir einst“, moniert er. Die geplante Nabenhöhe der acht Anlagen betrage laut Enertrag AG 161 Meter. Inklusive Rotorblätter kommt das Windrad damit auf 240 Meter. „Der Berliner Fernsehturm ist 330 Meter hoch, seine Kugelmitte 220 Meter“, verdeutlicht Bernd Lukasch die Größe der Anlagen. Für ihn und seine Mitstreiter ist entscheidend, dass der Regionale Planungsverband noch keine Entscheidung getroffen hat. Wobei es in dem Papier bei weitem nicht nur um den Windpark Lüssow/Schmatzin geht. Nachdem das Gremium im September 2018 sechs Eignungsgebiete aus den Plänen gestrichen hatte, gibt es noch 46 weitere in den Landkreisen Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald. Allein 40 Windeignungsgebiete liegen in Vorpommern-Greifswald.

Kreistagsfraktion regt Moratorium an

Widerstand regt sich nicht nur unter unmittelbar Betroffenen. Die Fraktion Freie Demokraten, Freie Wähler/Freier Horizont/Bürgerliste Greifswald im Kreistag regt den Erlass eines Moratoriums an, um den Bau von Windenergieanlagen solange auszusetzen, bis es einen gültigen Regionalplan gebe. Der Kreistag beschloss diesen Antrag zwar nicht, verwies ihn aber zur weiteren Diskussion in die Fachausschüsse. Denn Fakt sei, so Dominique van Eick (Freier Horizont): „Solange es keinen Regionalplan gibt, geht der Windkraftausbau im Wildwuchs vonstatten“, kritisiert sie.

„Wir nehmen die Ängste der Bürger sehr ernst.“ Dirk Donath, Projektleiter der Enertrag AG Quelle: HGW

Dirk Donath, Projektleiter der Enertrag AG, versicherte am Donnerstagabend in Ranzin, die Ängste der Bürger durchaus ernst zu nehmen. Gemeinsam mit nordwind und wpd hatte das Unternehmen zu einer Infoveranstaltung geladen, um Interessenten über die Pläne aufzuklären und mit ihnen sowie Fachleuten Details zu erörtern. Ein Werteverlust der Grundstücke wegen eines Windparks etwa, so Donath, sei bislang nicht nachgewiesen. Häufig seien es ältere Personen, die sich gegen Windenergieanlagen aussprechen. Die junge Generation indes habe damit kein Problem. Im Gegenteil. Die Friday-For-Future-Gemeinschaft zeige, dass es vielen Menschen mit den Klimazielen ernst ist.

700 Hektar weniger für Windräder

240 Meter hohe Windräder nahe Greifswald geplant

Von Petra Hase

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