Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Schafft es Feike in Dargelin bei Greifswald noch mal?
Vorpommern Greifswald Schafft es Feike in Dargelin bei Greifswald noch mal?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:45 20.05.2019
Fred Feike tritt noch einmal an, aber nur für den Bürgermeister Quelle: Eckhard Oberdörfer
Anzeige
Dargelin

Fred Feike regiert seit 20 Jahren in Dargelin. Bei dem letzten Urnengang vor fünf Jahren erhielt er nur knapp mehr als die nötigen 50 Prozent der Stimmen. Feike war der einzige Bewerber. Nach dem Willen der Gemeindevertretung sollte Dargelin mit den Wahlen am 26. Mai in der großen Gemeinde Landhagen aufgehen. Dargelin gehört wie Levenhagen zu den Gemeinden, die laut ihrer Selbsteinschätzung nicht zukunftsfähig sind. Die Kasse ist leer.

Doch die Fusion scheiterte an einem Bürgerentscheid in Neuenkirchen. Auch der zweite Fusionsversuch im Amt scheiterte. Dann schien die Fusion mit Behrenhoff perfekt. Parallel zum positiven Votum in Behrenhoff wurde in Dargelin abgestimmt. Knapp dagegen, so das Votum. Sowohl Fred Feike als auch sein Stellvertreter Mirko Kühn gaben Nein-Stimmen an. Fred Feike, der zuvor stets von seiner voraussichtlich letzten Amtszeit sprach, tritt nun wieder für die Wählergemeinschaft Gemeinde Dargelin an. Allerdings kandidiert er nur für den Bürgermeisterposten. Damit könnte Feike in dem Fall, dass er weniger als 50 Prozent bekommt, nicht durch die Hintertür doch noch durch die Gemeindevertretung zum Bürgermeister gewählt werden. Für das Ortsparlament kandidieren neun Personen.

„Ich kann die Leute jetzt nicht hängenlassen“

Warum treten Sie doch wieder an?

Ich kann die Leute jetzt nicht hängenlassen, nachdem ich den Zug zur Eingemeindung gestoppt habe. In unserer Wählergemeinschaft hatte niemand Interesse, sich der Wahl zu stellen. Man hat mich gebeten, doch weiterzumachen.

Warum haben Sie sich in letzter Minute auf die Seite der Gegner der Fusion mit Behrenhoff geschlagen? Immerhin sollte der kleinere Partner Dargelin 60 Prozent der Fusionsprämie von 400.000 Euro bekommen und alle Schulden wären weg gewesen.

Ich hatte schon länger Bauchschmerzen, dass die Eingemeindung der richtige Weg für uns ist. Wir hätten nach 750 Jahren unser Dorf aufgegeben. Der neue Gemeindename wäre nur noch Behrenhoff gewesen. Behrenhoff hat einen hohen Hebesatz der Grundsteuer B von 600 Prozent, den hätten wir bei einer Eingemeindung übernommen.

Aber auf den Ortsschildern hätte doch weiter wie bisher Dargelin, Sestelin oder Negentin gestanden. Behrenhoff ist raus aus den Schulden der Vergangenheit und steht finanziell gut da, da ist doch mit einer Senkung des Hebesatzes zu rechnen.

Festlegen im Vertrag kann man es nicht, und wenn einmal 600 Prozent festgesetzt ist, haben sich die Leute daran gewöhnt.

In vielen Gesprächen mit Bürgern habe ich mitbekommen, dass die Leute keine Veränderungen wollen. Sie fühlen sich so wohl, wie es jetzt ist. Dass Behrenhoff in letzter Minute noch Veränderungen im Vertrag wollte, hat meine Bauschmerzen stärker werden lassen.

Warum? Können Sie das erläutern?

Dargelin sollte ursprünglich 75 Prozent der Fusionsprämie bekommen, dann sollten es nur noch 50 Prozent sein. Wir einigten uns auf 60 Prozent. So ein Herangehen geht gar nicht.

Auf der Gemeinderatssitzung, auf der gegen den Vertrag gestimmt wurde und zuvor auf der Bürgeranhörung, gab es eine sehr lautstarke Ablehnung. Aber sehr gut besucht waren die Veranstaltungen nicht. Hätte man nicht die Bürger befragen sollen?

Ja, ich hätte auch gern einen Bürgerentscheid gehabt, aber die Zeit reichte nicht. Nach meinem Eindruck aus vielen Gesprächen setzten wir den Willen der Bürger um.

Die Gemeinde ist so klamm, dass sie sich nicht einmal den zehnprozentigen Eigenanteil für einen Straßenbau leisten kann. Wie soll es denn weitergehen?

Wir haben eine niedrige sechsstellige Schuldensumme und wollen in den nächsten fünf Jahren die schwarze Null erreichen, ohne die Grundsteuern zu erhöhen. Dargelin kann durch die Windräder, die Photovoltaikanlagen und den Klinkerbau und andere auf wachsende Gewerbesteuereinnahmen rechnen. Außerdem muss das Land den Kommunen endlich mehr Geld geben. Die Infrastrukturpauschale ist ein Anfang. Wir wollen sogar investieren.

Bei der Finanzlage?

Wir sind es den Bürgern schuldig, endlich die Löschwasserproblematik in den Griff zu bekommen. Favorit ist derzeit das Bohren von Brunnen wie in Behrenhoff. Da wir mit sehr viel Fördermitteln rechnen können ist das leistbar.

Lesen Sie Mehr:

Keine zweite Hochzeit im Greifswalder Umland

Dargelin bei Greifswald für neuen Namen

Eckhard Oberdörfer

Greifswalder setzen sich in der Fußgängerzone für ein freies und tolerantes Europa ein. Dazu luden Kultureinrichtungen zu einem Brunch und zum Gespräch ein.

19.05.2019

45 Helfer übten in Ludwigsburg bei Greifswald den Ernstfall und bildeten sich weiter. Sie suchten vermisste Personen und retteten Menschen, die auf der Dänischen Wiek in Not geraten waren.

19.05.2019

Der Historiker und viel schreibende Publizist Ernst Moritz Arndt sorgt noch heute für erregte Debatten. Nun hat der Schriftsteller Hans-Jürgen Schumacher ein Buch über Arndt in Greifswald geschrieben.

19.05.2019