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Greifswald Steffen Boos will Bürgermeister bleiben
Vorpommern Greifswald Steffen Boos will Bürgermeister bleiben
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09:55 25.01.2019
Der Levenhäger Bürgermeister Steffen Boos im Gemeindebüro. Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Levenhagen

Steffen Boos (Einzelbewerber) ist seit 2015 Bürgermeister der Gemeinde Levenhagen mit den Ortsteilen Levenhagen, Boltenhagen, Heilgeisthof und Alt Ungnade. Die Gemeinde mit nur über 400 Bürgern ist nach dem Kriterienkatalog des Landes nicht zukunftsfähig. Levenhagen war bei beiden gescheiterten Versuchen, zur Bildung einer Großgemeinde Landhagen mit über 5000 Einwohnern Partner.

Sie haben sich sehr für die Fusion engagiert. Treten sie trotz des Scheiterns im Mai erneut bei der Wahl an?

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Ja. Es hat mich natürlich schon mitgenommen, dass es keine Großgemeinde gibt. Aber wir haben in den letzten fünf Jahren gemeinsam einiges erreicht. Darum trete ich noch einmal an.

Was steht denn in der Bilanz?

Der größte Erfolg ist, dass wir es geschafft haben, dass endlich der Radweg von Greifswald nach Levenhagen gebaut wird. Wir haben wieder einen alljährlichen Subbotnik etabliert. In Eigenleistung entstand ein Buswartehäuschen. Bäume wurden gepflanzt und werden gehegt. Es gibt jetzt eine Bücherzelle im Ort, und die Ausrüstung der Feuerwehr wurde deutlich verbessert.

Eine Möglichkeit wäre doch eine kleine Lösung, ein Zusammenschluss mit einem Nachbarn wie Hinrichshagen oder Wackerow, gewesen. Kann das ein Weg in der Zukunft sein?

Wir haben alle Möglichkeiten vorher abgewogen. Eine große Fusion zu einer großen Gemeinde mit hauptamtlichem Bürgermeister war die beste Lösung. Eine Fusion mit Wackerow löst das Problem Wackerows und auch unseres nicht, weil die 2,8 Millionen Euro Schulden nicht komplett vom Land übernommen werden. Auch eine Fusion mit Hinrichshagen löst nicht unsere Probleme und ist keine Option.

Und wie geht es weiter, wenn das Land nicht wie immer wieder gefordert, die Kommunen besser ausstattet? Levenhagen hat doch einen defizitären Haushalt.

Im Haushaltsentwurf planen wir mit einem Defizit von etwa 70.000 Euro, 2018 waren es 140.000 Euro. Aber große Sprünge können wir nicht machen. Ich bezweifle auch, dass die Kommunalaufsicht uns nach dem absehbaren Ausscheiden unseres Gemeindearbeiters einen Nachfolger mit wieder 35 Stunden genehmigt.

Wäre dann nicht ein gemeinsamer Bauhof mit den Nachbargemeinden sinnvoll, um zum Beispiel den Winterdienst zu erledigen?

Ein leistungsfähiger Bauhof war eines der wichtigsten Argumente für die Großgemeinde. Ohne Fusion lässt sich das nicht machen, zum Beispiel wegen der schwierigen Aufteilung der Kosten. Aktuell arbeiten wir aber sehr gut mit Hinrichshagen zusammen. Die Gemeindearbeiter vertreten und helfen sich gegenseitig bei Krankheit, Urlaub und schwierigen Aufgaben.

Müssten nicht Grund- und oder Gewerbesteuern erhöht werden, um das Defizit auszugleichen und wieder handlungsfähig zu werden?

Das wollen wir nicht übertreiben. Wir liegen wie von Schwerin gewünscht bei der Grundsteuer B und der Gewerbesteuer bei den durchschnittlichen Hebesätzen des Landes für Dörfer, bei der Grundsteuer sogar darüber.

Und wie wäre es mit der Erhöhung der Einwohnerzahl durch neue Wohngebiete?

Wir haben ja eines in Levenhagen, das einem Investor gehört. Er will in diesem Jahr mit der Erschließung beginnen. Dort könnten etwa 20 neue Wohneinheiten entstehen. Das sind so viele, wie bisher Eigenheime seit der Wende entstanden sind.

Bleibt noch der Immobilienverkauf...

An Gebäuden haben wir noch das Feuerwehrhaus mit Gemeindebüro. In der alten Schule gibt es drei Wohnungen. Dann gibt es noch die Blöcke in Levenhagen und Heilgeisthof, die wir in die Wohnungsgesellschaft Hanshagen eingebracht werden. Verkäufe sind kein Weg. Wir müssen mit dem auskommen, was wir haben.

Kann Levenhagen überhaupt noch investieren?

Ja, wir wollen dieses Jahr für 8.500 Euro eine Wärmebildkamera für die Feuerwehr kaufen. Die zweite größere Sache ist der Erwerb eines Grundstücks von der Peter-Warschow-Stiftung in Heilgeisthof für den Bau einer neuen Bushaltestelle. Die jetzige muss für den Bau des Radwegs von Greifswald nach Levenhagen abgerissen werden. Etwas Geld bleibt für die Bauunterhaltung und die Beseitigung von Dreckecken.

Ist das Feuerwehrfahrzeug nicht auch bald am Ende seiner Lebenszeit angelangt?

Es ist über 25 Jahre alt. Irgendwann muss es schon wegen der Rostschäden erneuert werden. Aber selbst mit Fördermitteln sehe ich momentan keine Finanzierungsmöglichkeit. Dabei können wir auf unsere personell gut aufgestellte und einsatzbereite Wehr stolz sein. Wir haben anders als andere Gemeinden kein Löschwasserproblem.

Ist die Feuerwehr auch ein Kulturfaktor für das Dorf?

Auf jeden Fall. Wir planen in diesem Jahr am 22. Juni ein etwas größeres Sommerfest für Jung und Alt mit Tanz auf dem Sportplatz. Ohne das Engagement von fleißigen und interessierten Bürgern und der Feuerwehr wäre das nicht möglich.

Ihr Wunsch für 2019?

Ich wünsche mir, dass viele Einwohner im Mai bei der Kommunalwahl kandidieren. Die Bürger sollen die Wahl haben.

Eckhard Oberdörfer

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