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Greifswald Bürokratie gefährdet Stadtteil-Flohmarkt
Vorpommern Greifswald Bürokratie gefährdet Stadtteil-Flohmarkt
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05:00 29.06.2018
Verena Hassel (Mitte) war dieses Jahr zum ersten Mal beim Fleischervorstadt-Flohmarkt und verkaufte Aquarelle ihre Großvaters. Sie ist begeister von der Veranstaltung. Quelle: Christin Weikusat
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Greifswald

Seit mehr als zehn Jahren gibt es ihn: den Fleischervorstadt-Flohmarkt. Längst hat er sich zur festen Größe im Veranstaltungskalender der Hansestadt gemausert und nicht nur bei Anwohnern, sondern auch ein überregionales Publikum an. So kamen auch im Juni erneut hunderte Besucher an die etwa 150 Stände, die sich in diesem Jahr zwischen Bahnhofstraße, Lange Reihe und Neunmorgenstraße verteilten. Für die Veranstalter gab es in diesem und im vergangenen Jahr jedoch einige Hindernisse zu überwinden, um den Flohmarkt in der Form weiter ausrichten zu können: „Es war sehr viel Bürokratie. Immer, wenn etwas größer wird, fallen den Mitarbeitern des Ordnungsamtes eben auch mehr Sachen auf“, sagt Kati Mattutat, Projektkoordinatorin des Koeppenhauses und Vorsitzende des Kunst- und Kulturrates Vorpommern-Greifswald.

Kuchen nur noch mit AusnahmegenehmigungAls „Stadtgestalten Fleischervorstadt“ organisiert Mattutat zusammen mit einem vierköpfigen Team aus Ehrenamtlern den Stadtteil-Flohmarkt. Für die bürokratischen Hürden seien das zu wenig Freiwillige, beklagt die Projektkoordinatorin. Auch wenn es sich um eine private Veranstaltung handelt, findet der Flohmarkt auf den öffentlichen Gehwegen statt. Weil die Veranstaltung mit den Jahren gewachsen ist, wurden nun auch die Auflagen durch das Ordnungsamt verschärft. Verkehrsschilder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen rund um den Bereich mussten aufgestellt werden, Verkaufsstände durften nicht zur Straße ausgerichtet sein, Lebensmittel wie Kuchen durften nur mit einer Ausnahmegenehmigung verkauft werden. Diese Erlaubnis kostet 30 Euro pro Stand und würde in keiner Relation zu dem Verkauf eines Kuchen stehen, so Mattutat.

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Kontrollen durch Mitarbeiter des OrdnungsamtesAnwohner, die sich im April für den diesjährigen Flohmarkt angemeldet haben, bekamen eine Teilnahmebedingung mit sämtlichen Auflagen der Stadt. Einige Anwohner hätte sich jedoch spontan noch angemeldet, so Mattutat. Damit die Auflagen umgesetzt wurden, waren auch in diesem Jahr Mitarbeiter vom Ordnungsamt auf dem Flohmarkt unterwegs. „Bei so einer Kontrolle müssen wir schnell reagieren“, erläutert Mattutat, die das Ordnungsamt nicht an den Pranger stellen will. Allerdings könne durch die Reglementierungen der Flair des Flohmarktes verschwinden. Mattutat würde sich daher freuen, wenn die Stadt ihr und ihrem Team ein bisschen entgegenkommen würde. „Es geht bei dem Flohmarkt nicht um den Verkauf, sondern es ist auch eine Begegnungsstätte.“

Mehr Ehrenamtler würde den Veranstaltern helfenUnterstützung bekommen die Organisatoren von Jörn Kasbohm, Fraktionsvorsitzender Die Linke: „Die Veranstalter hatten das Gefühl, dass der Flohmarkt nicht mehr gewollt ist. Die bürokratischen Hürden sind zu hoch. Wir dürfen die Leute nicht demotivieren.“ Bausenatorin Jeannette von Busse (CDU) sieht das anders. Zwar finde sie Veranstaltungen, die von Privatpersonen organisiert werden, „eine schöne Sache“, allerdings habe die Verwaltung schon ihr Möglichstes getan: „Wir haben eine sehr gute Lösung geschaffen, indem wir die Aufgaben zentralisiert in einem Amt haben.“ So muss ein Veranstalter nicht mehr zu mehreren Behörden gehen. Bestimmte Sicherheitsvorkehrungen und ein Sicherheitskonzept müssen trotzdem von jedem Veranstalter vorgelegt werden, betont von Busse. Das Team rund um Mattutat will trotz des bürokratischen Aufwandes den Stadtteil-Flohmarkt im kommenden Jahr erneut ausrichten. Dies war jedoch eine knappe Entscheidung. Deswegen freut sich das Team über mehr jeden freiwilligen Helfer.

Christin Weikusat

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