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Greifswald Ritterschlag für Burg Spantekow (Vorpommern-Greifswald)
Vorpommern Greifswald Ritterschlag für Burg Spantekow (Vorpommern-Greifswald)
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17:53 12.08.2019
Die Wasserburg Spantekow Quelle: Eckhard Oberdörfer
Spantekow

 Ritterschlag für die Wasserburg Spantekow. Sie ist nun ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Das sind in Greifswald beispielsweise der Dom St. Nikolai, die Marienkirche und die historischen Gewächshäuser der Universität.

Das zahlt sich in klingender Münze für die Wasserburg aus. Sie wird in diesem Jahr „erstmalig aus dem Denkmalpflegeprogramm ,National wertvolle Kulturdenkmäler‘ gefördert“, informiert Walter Schmidt von der Pressestelle der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters. „Die Staatsministerin hat mir das in einem Schreiben mitgeteilt“, sagt Kaspar Freiherr von Harnier.

Bund verheißt Förderung über Jahre

Der Besitzer der Wasserburg hatte selbst den Antrag auf den Status als Denkmal von nationaler Bedeutung gestellt. Damit könne Spantekow in diesem Jahr bis zu 200 000 Euro bekommen, so Walter Schmidt weiter. Es sei eine Förderung für bis zu sechs weitere Bauabschnitte möglich.

Denkmäler von nationaler Bedeutung bilden beispielhaft architektonische, städtebauliche, wissenschaftliche, geschichtliche oder politische Leistungen ab, erläutert Schmidt. Land, externe Gutachter und die Ziele der Sanierung würden als Kriterien für die Förderwürdigkeit hinzugezogen.

Ulrich von Schwerin war einflussreichster Pommer seiner Zeit

Kamin der Erbauungszeit im Remter Quelle: eob

Dass die Wasserburg Spantekow zu den wichtigsten Denkmalen Vorpommern-Greifswalds gehört, steht außer Frage. Sie gilt als älteste und bedeutendste Anlage der Renaissance in ganz Norddeutschland. Zugleich ist die Wasserburg ein herausragendes Denkmal pommerscher Geschichte. Bauherr war Ulrich von Schwerin (um 1500 bis 1575), ein sehr vermögender Mann, bei dem sich sowohl die Herzöge von Pommern als auch die von Mecklenburg Geld liehen. Neun Jahre, 1558 bis 1567, wurde gebaut. An Ulrich von Schwerin und seine Frau Anna, eine geborene von Arnim, erinnert ein Relief über dem Eingangstor.

Die Allgemeine Deutsche Biographie bezeichnet Ulrich von Schwerin als einflussreichsten Mann im Pommern seiner Zeit. 1534 wurde er Rat und später Hofmarschall bei Philipp I. von Pommern-Wolgast (1515 bis 1560). 1547 machte ihn der Herzog zu einer Art Kriegsminister. Damals befürchtete man Vergeltungsmaßnahmen Kaiser Karl V. nach der Niederlage der Protestanten und damit auch Pommerns.

Großhofmeister unter zwei Herzögen

Barnim IX.(1501 bis 1573) von Pommern-Stettin bestellte ihn nach dem Tod Philipp I. zum Vorsitzenden des Regentschaftsrates für dessen fünf unmündigen Söhne. Auch unter dem Herzog Johann Friedrich (1542 bis 1600) blieb er als Großhofmeister „Inhaber der höchsten Staatswürde und Leiter der inneren und äußeren Angelegenheiten Pommerns“.

Die historischen Stifterfiguren, am Tor befinden sich Repliken Quelle: eob

Ulrich von Schwerin hatte umfangreichen Grundbesitz und war so wohlhabend, dass er den Herzögen von Pommern, aber auch von Mecklenburg, Kredite gewähren konnte. Um 1545 errichtete er ein Schloss in Putzar.

1677 nahm der gegen Schweden kriegführende Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620 bis 1688) Spantekow ein und ließ die Burganlage schleifen. Das Herrenhaus wurde 1899 und 1901 umgebaut. Damals erhielt der Treppenturm eine barocke Haube. Der zentrale Teil des Gebäudes wurde aufgestockt und mit einem Volutengiebel versehen.

Vor 20 Jahren erwarb Nachfahre des letzten Besitzers Wasserburg zurück

Spantekow ist trotz der Lage relativ weit von der Küste ein potenzieller Besuchermagnet. Vor 20 Jahren erwarb der Enkel des letzten Besitzers zum Zeitpunkt der Bodenreform, Kaspar Freiherr von Harnier, das Burgareal zurück. Mit seiner Frau wohnt er inzwischen im früheren Gärtnerhaus. Der 81-Jährige von Harnier bemüht sich um eine Sanierung und eine neue Nutzung. Das ist eine Mammutaufgabe. Vor 1945 standen, anders als heute, die Erträge der Land- und Forstwirtschaft des rund 2500 Hektar umfassenden Spantekower Besitzes zur Verfügung.

Von Harnier setzt auf kleine Schritte. Insbesondere das Wirtschaftsgebäude würde sich als große Veranstaltungsstätte eignen. Ein Museum sei vorstellbar, derzeit kann man die Burg nicht besichtigen. Auch Übernachtungsmöglichkeiten sind denkbar, denn das Haus hat über 30 Zimmer.

Führung zum Tag des offenen Denkmals

Seit 1999 wurde schon einiges für die Rettung des in der DDR unter anderem als Pflegeheim genutzten Hauses erreicht. Dabei halfen das Land, die Deutsche Burgenvereinigung und private Förderer. „Als nächster Renovierungsschritt ist die Fertigstellung des zweiten Teils der Abdeckung des Daches des Burggebäudes mit Ziegeln vorgesehen“, informiert Kaspar von Harnier. Ferner sollen die Außenfassade inklusive Fenster und Türen und der Remterbereich restauriert werden. Dort könnten dann Veranstaltungen stattfinden.

Am Tag des offenen Denkmals, dem 8. September 2019, besteht wieder die Gelegenheit, Spantekow zu besichtigen. Das Musikkorps der Bundeswehr wird im Burghof ein Konzert geben. Ferner wird eine Führung mit der Architektin Andrea Ruiken angeboten, die die Sanierung begleitet. Im September 2020 wird Spantekow sogar zum Veranstaltungsort der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Von Eckhard Oberdörfer

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