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Greifswald Campingplatz ist wieder offen
Vorpommern Greifswald Campingplatz ist wieder offen
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00:31 29.05.2018
Carsten Becker entfernt die Überklebung auf dem Hinweisschild. Der Platz ist wieder offen. Quelle: Foto: Peter Binder
Greifswald

Nach über eineinhalb Jahren hat der Campingplatz „An der Dänischen Wiek“ seit dem Wochenende wieder geöffnet. Noch länger wurde um den Verkauf von städtischen Grundstücken auf dem Gelände an Investor Carsten Becker gestritten. Der Hauptausschuss hatte im Dezember 2016 einen Verkauf abgelehnt. Nun hat die Bürgerschaft am 24. Mai diesen Beschluss gekippt. Mit Auslauf des aktuellen Pachtvertrages im Jahre 2022 werden etwa 8500 Quadratmeter für 154000 Euro an Becker verkauft.

Uns wäre ein Pachtvertrag lieber gewesen.Alexander Krüger, Grünen-Fraktionschef

Mit 27 Stimmen fiel die Mehrheit deutlich aus. Das war noch auf der Sitzung im April nicht zu erwarten, als die Entscheidung wegen zu langer Dauer der Sitzung vertagt wurde.

Aber außer den Fraktionen der CDU, der Kompetenz für Vorpommern und der FDP unterstützte nun auch die SPD den Verkauf an Becker. Dazu gesellte sich bereits vorher Peter Multhauf (Linke), der in den letzten Monaten intensiv für den Verkauf geworben hatte. Seine Partei als Ganzes konnte er nicht zum Meinungswechsel bewegen. Allerdings hat nach OZ-Informationen eine weitere Abgeordnete der Linken für den Verkauf gestimmt. Die Fraktion Grüne/Forum 17.4 hielt geschlossen an ihrem „Nein“ zum Verkauf fest.

„Ich bedanke mich bei allen, die uns unterstützt haben, besonders den Parteien, die die Vorlage für den Verkauf in die Bürgerschaft eingebracht haben“, sagt Becker. „Eigentlich wollten wir erst am 1. Juni eröffnen. Aber als ich noch mit dem Bagger an der neuen provisorischen Einfahrt stand, hielt schon das erste Wohnmobil neben mir. Das war wie bei unserer ersten Eröffnung 2015.“ Ein Wohnmobil an der Straße soll künftig für den Besuch des Platzes werben.

Mit dem „Ja“ der Sozialdemokraten sind allerdings auch einige Bedingungen in den Vertrag aufgenommen worden. Sie sollen sichern, dass der Campingplatz auf Dauer ein Campingplatz bleibt. So steht im Beschluss, dass der Verkauf erst dann erfolgt, wenn ein rechtskräftiger Bebauungsplan für einen Campingplatz vorliegt. Der wird – finanziert von Becker – derzeit erarbeitet. Ferner kann die Stadt das Grundstück zum jetzigen Kaufpreis zurückerwerben, wenn kein Campingplatz mehr betrieben wird.

„Wir haben uns entschlossen, den Verkauf zu unterstützen, weil bestimmte Regularien eingeführt werden konnten“, sagt SPD-Fraktionschef Andreas Kerath. „Nun erwarte ich, dass auch die Interessen der Anwohner der Rostocker Straße bei der neuen Zufahrt ausreichend berücksichtigt werden.“ Es sei wichtig gewesen, einen Kompromiss zu finden, damit der Campingplatz so schnell wie möglich wieder öffnen könne. Ähnlich sieht es Peter Multhauf. „Mein Ziel war es, dass der Zeltplatz so schnell wie möglich wieder Gäste empfängt und es möglichst keine Sieger und Verlierer gibt.“ Für Carsten Becker ist der Beschluss der Bürgerschaft voll in Ordnung und auch realistisch.

CDU-Fraktionschef Axel Hochschild kommentiert: „Schön, dass die Vernunft gesiegt hat und die investorenfeindliche Politik von Oberbürgermeister Stefan Fassbinder überstimmt wurde. Daran haben wir von der CDU und auch andere zwei Jahre gearbeitet.“

„Ich finde es grundsätzlich gut, wenn die Bürgerschaft einen Kompromiss findet“, sagt Stefan Fassbinder (Grüne). Den Vorwurf der Investorenfeindlichkeit weist er zurück. „Mein Vorgänger Arthur König und ich haben drei Vorlagen zum Verkauf der Grundstücke eingebracht“, sagt er. In allen Zusagen der Verwaltung zum Verkauf in der Vergangenheit sei darauf verwiesen worden, dass letzten Endes die Bürgerschaft entscheidet.

„Dass eine Mehrheit jetzt für den Verkauf gestimmt hat, ist eine demokratische Entscheidung“, kommentiert der Vorsitzende der Fraktion Grüne/Forum 17.4, Alexander Krüger. Seiner Ansicht nach wären eine Öffnung und weitere Investitionen auch über einen langfristigen Pachtvertrag möglich gewesen. „Herr Becker hätte den Campingplatz jederzeit öffnen können“, betont er. Dessen unternehmerische Leistung verdiene Respekt. Aber das Verhalten Beckers sei kritikwürdig. Einige Bürger in der näheren Umgebung hätten sich durch ihn massiv bedroht gefühlt (die OZ berichtete), erinnert Krüger.

Investition, Streit, Schließung

2014 begann der Campingplatz „An der Dänischen Wiek“ im Probebetrieb. Zwei Jahre zuvor hatte Betreiber Carsten Becker begonnen, zu investieren. 1,2 Millionen Euro gab er aus – inklusive nötiger Grundstückskäufe. Unter anderem entsorgte er auch die Überreste der ehemaligen Stallanlagen in diesem Bereich. Um das Projekt bemühte sich Becker seit 2010.

Im Dezember 2016 entschied der Hauptausschuss der Bürgerschaft gegen einen Verkauf städtischer Grundstücke auf dem Platz. Becker sollte dafür einen Pachtvertrag bekommen. Das akzeptierte Becker nicht und schloss den Platz 2017 – bis zum vergangenen Wochenende.

Eckhard Oberdörfer

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