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Greifswald Dramatische Rettungsaktion auf Rügen
Vorpommern Greifswald Dramatische Rettungsaktion auf Rügen
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22:33 20.09.2019
Für sein Aquarell „Kreidefelsen auf Rügen“ war Friedrich auf Rügen und fertigte dazu entsprechende Skizzen an. Quelle: Repro André Farin
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Rügen

Rügens Kreideküste. Kaum zu glauben! Es vergeht nicht ein Sommer, in dem sich Menschen an Rügens Kreideküste in lebensgefährliche Situationen bringen. Nur für ein spektakuläres Foto, einen fantastischen Blick auf die Ostsee oder eine gewagte Abkürzung zum Hochufer. Bei einem Blick in die Chroniken der Insel oder die Reiseliteratur der letzten 200 Jahre fällt aber auf, dass sich derart gewagte Aktionen in steter Regelmäßigkeit wiederholen.

Ein berühmt gewordener Fall ereignete sich im August 1815. In dem Sommer reiste der Romantiker Caspar David Friedrich (1774–1840) wieder einmal auf die Insel, um sich „ganz den schönen Einwirkungen der Natur“ hinzugeben. Zahlreiche Motive hatte er sich auf seinen bisherigen Wanderungen über Rügen angesehen, die er nun erstmals oder erneut skizzieren wollte. Ihn begleitete sein Freund Friedrich Gotthelf Kummer (1782–1854), ein Dresdner Münzbuchhalter und ebenso begeisterter Naturfan. In zwei der Friedrich-Skizzen soll er beim Blick über Klein Zicker zur Insel Vilm oder über den Neuensiener See zur Granitz verewigt worden sein.

Beide erlebten die vielen romantischen Ecken der Insel, die immer mehr interessierte Gäste anzogen. So auch die Kreideküste von Stubbenkammer und den Herthasee, die am 10. August als Tagesziele angekündigt waren. Alles fing wie an einem ganz normalen Wandertag Friedrichs zu damaligen Zeiten an: mit viel Begeisterung, einem Picknick, dem Sonnenaufgang über dem Meer und verschiedenen Malstopps. Wandersmann Kummer schwärmte in seinem 1845 veröffentlichten Skizzenbuch von dieser Unternehmung. Er berichtete von einem gemeinsamen Picknick, bei dem Friedrich und er Kartoffeln in heißer Asche rösteten und „bei einem Wachtfeuer in unsere Mantelkragen gehüllt übernachteten und … auf den Sonnenaufgang“ warteten.

Caspar David Friedrich (1774–1840) organisierte im Sommer 1815 für seinen verunglückten Begleiter Hilfe Quelle: Repro André Farin

Nachdem sie das Naturschauspiel am frühen Morgen erlebt hatten, suchte sich Friedrich am Strand einen idealen Platz zum Zeichnen. Seinem Begleiter hatte er ein Motiv am nördlichen Fuße des Königsstuhls beschrieben, dass Kummer unbedingt sehen wollte. Zwei „Pfeiler“ wurden durch das dunkle Meer eingerahmt und ergaben so einen „ungemein malerischen Genuß“. Das war ihm aber nicht genug, denn er unternahm einen gefährlichen Aufstieg, um „in zurückgelehnter Lage ein gar wunderbares Gemälde“ zu bekommen. Auf gut Glück kletterte er also an den Kreidefelsen und dachte an die Friedrich-Hinweise; doch plötzlich blieb er stecken. Er kam zu seinem Erschrecken nicht weiter, weil eine „überhängende Felswand“ ein Vorwärtskommen oder Umkehren unmöglich machte. „Dieses Erkennen der Hilflosigkeit“, so schrieb er später, „war das Bitterste, was ich je in meinem Leben empfunden habe …“ Noch mehr Angst kam auf, als sich seine Hilferufe als „Echo … aus dem Geklüfte“ anhörten. Friedrich war entsetzt, wollte den Freund aber nicht beunruhigen und suchte nun nach einer passenden, schnellen Hilfe.

Viel Zeit war vergangen. Eine Viertelstunde nach 21 Uhr kamen endlich die rettenden Männer um Baumwärter Hans Jakob Ruge. Mit einem heruntergelassenen Seil wollten sie Kummer retten. Die Szene wurde noch dramatischer, denn Sturm war ausgebrochen, es regnete pausenlos und das „Meer erhob sich mit Donnergebrüll“. Fieberfrost durchfuhr all seine Glieder und er verfiel in Panik. Er glaubte sogar, an dieser Stelle sterben zu müssen und rief Friedrich seine letzten Aufträge an die Familie zu. Halb bewusstlos rettete Hans Ruge den Verunglückten und brachte ihn in das Baumhaus Schwierenz. Dort konnte er sich schließlich in einem „todähnlichen Schlaf“ wieder stärken. Seinen Tagesbericht überschrieb er mit der Überschrift „Der Schreckenstag auf Rügen“ und veröffentlichte diesen 30 Jahre später in der Stralsunder Zeitschrift „Sundine“. Für diese Rettung blieb der Beamte Kummer der Familie Ruge ein Leben lang dankbar. Er schickte später Geschenke, unterstützte die Ausbildung der Ruge-Kinder und ließ seinem Retter 1844 einen Grabstein setzen.

Caspar David Friedrich hatte sich bei der Rettungsaktion mit einem der Helfer unterhalten und erfahren, dass sein Mitreisender kein Einzelfall gewesen wäre. Der Experte aus der Stubnitz erklärte ihm, dass „dies gar oft vorfallen und [er] schon mehreren Reisenden begegnet sei, die dann aus Furcht ins Meer zu stürzen, nach Hülfe schickten …“

Information: Die sogenannten „Baumhäuser“ entstanden an Schlagbäumen in Buddenhagen, Hagen, Rusewase und Schwierenz. An diesen vier im 16. Jahrhundert eingerichteten Zufahrten zum Waldgebiet der Stubnitz wollte man den Zugang besser kontrollieren. Alle anderen Wege wurden zu dieser Zeit versperrt.

 

Der Königsstuhl war eines der beliebten Motive für die Friedrich-Skizzen, die er zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf mehreren Rügenreisen machte. Quelle: Repro André Farin

 

Von André Farin

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