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Greifswald „Hartz 4 braucht einen Wandel“
Vorpommern Greifswald „Hartz 4 braucht einen Wandel“
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21:07 27.03.2019
Christoph Oberst (Grüne) ist Mitglied der Bürgerschaft und Mitglied im Vorstand des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen. Quelle: Grüne
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Greifswald

Der Politikwissenschaftler Christoph Oberst ist Geschäftsführer des Kreisverbands der Grünen, Mitglied der Greifswalder Bürgerschaft und Geschäftsführer der Kreistagsfraktion. Er plädiert für für die Abschaffung von Sanktionen und fordert mehr Anreize statt Bestrafung.

Herr Oberst, was halten Sie von Hartz 4?

Christoph Oberst: „Hartz 4 braucht einen Wandel. Das aktuelle System setzt auf Bestrafung statt Anreiz, behindert die Rückkehr in die Arbeitswelt und der Regelbedarf ist zu niedrig. Aufgrund der sehr engen Voraussetzungen, kommt es schnell zu Abzügen, welche dann weder einen geregelten finanziellen Alltag, noch die Suche nach Jobs ermöglichen. Ich präferiere daher das von Robert Habeck vorgeschlagene Garantiesystem, weil es tatsächlich existenzsichernd ist, den Zuverdienst attraktiver macht und dadurch unbürokratischer wird, indem alle Sozialleistungen gebündelt werden. Die Bedürftigkeit muss auch weiterhin nachgewiesen werden. Klar ist für mich: Die Arbeitssuchenden brauchen für die Zeit der Jobsuche und der persönlichen Weiterentwicklung eine garantierte Absicherung. Statt jemanden mit viel Aufwand ergebnislos zur Arbeit zu zwingen, setzen wir darauf, dass durch passende Angebote und Anreize Beratung und Weiterbildung freiwillig angenommen werden.“

Wenn Sie etwas an Hartz 4 ändern könnten, was wäre das?

„Zuallererst sollten die Sanktionen abgeschafft werden. Hartz 4 bedeutet bereits ein Leben mit minimalen finanziellen Mitteln, davon darf es keine Abzüge geben. Ich möchte, dass den Menschen bleibt, was sie in ihrer Arbeitszeit aufgebaut haben: Niemand soll durch Hartz 4 dazu gezwungen werden, seine geförderte Altersvorsorge aufzulösen bzw. das selbst Haus zu verkaufen. Auch sollte sich das Jobcenter nur noch um seine originäre Aufgabe kümmern müssen: die Vermittlung von Arbeit.“

Haben Sie persönlich schon Erfahrungen mit Hartz 4 gehabt?

„Ich persönlich war bisher nur einmal kurz auf Arbeitslosengeld (ALG) I angewiesen und glaube, dass es wichtig ist, eine Form der Grundsicherung für Übergangszeiten zu haben. Der aktuelle Arbeitsmarkt fordert vielfältige berufliche Veränderungen im Laufe des Lebens. Mir ist in dieser Zeit aufgefallen, dass es bei ALG I schon ein sehr bürokratischer Prozess ist. Im Vordergrund sollte der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt stehen und nicht aufwendige Formulare den Blick auf den Arbeitsmarkt und die persönliche Weiterentwicklung verdecken.“

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