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Greifswald Corona: Urlauber verlassen das Seebad Lubmin
Vorpommern Greifswald

Corona: Urlauber verlassen das Seebad Lubmin

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10:20 17.03.2020
Glück gehabt: Weil die Insel Usedom abgeriegelt wird, fuhr Inge Müller aus Halle mit ihrer Enkelin Wilhelmine zum Ausflug nach Lubmin. Noch ist das möglich. Doch eine Absperrung der Ostseebäder ist im Gespräch. Quelle: Anne Ziebarth
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Lubmin

Nach der Abschottung der Inseln Rügen und Usedom macht sich die Corona-Krise auch im Seebad Lubmin bemerkbar. Dabei muss es im Seebad nicht erst zu einer geballten Abreise der Gäste wie auf den Inseln oder einem von der Landesregierung verordneten Anreisestopp kommen. Viele Urlauber verlassen den Ort oder haben die Buchungen für Ostern bereits storniert.

Ostern fällt für die Touristiker flach

Eine Abschottung des Seebades würde Lubmin nicht mit voller Wucht treffen, wie etwa Rügen oder Usedom. „Die Saison beginnt bei uns zu Ostern erst so richtig “, sagt Bürgermeister Axel Vogt (CDU). „Deshalb sind derzeit noch nicht viele Gäste hier.“

Das Osterfest, der langerwartete Start in die Saison, können die Lubminer Touristiker und Gastronomen aber abhaken. Das Osterfeuer wurde bereits abgesagt, die Kurverwaltung ist nur noch eingeschränkt geöffnet, stündlich werden Meldungen erwartet, dass es zu weiteren Einschränkungen im Tourismus an der Ostseeküste kommt. Bereits in der vergangenen Woche habe sich das „Reise- und Buchungsverhalten der Menschen stark verändert“, so Vogt. Wo sich der Bürgermeister noch vorsichtig ausdrückt, wählt Andrea Moritz vom Hotel Seebrücke drastischere Worte.

Eine Stornierung nach der anderen

„Wir erleben hier gerade eine Stornierung nach der anderen“, klagt die Geschäftsführerin des traditionsreichen Familienhotels. „Es werden derzeit eigentlich alle gebuchten Reisen bis zum Mai abgesagt.“ Wendepunkt sei der vergangene Freitag gewesen. Eine Information über Corona jagte die nächste, die Verunsicherung bei den Gästen war groß. „Das Telefon stand nicht mehr still. Die Gäste im Hotel sind einer nach dem anderen abgereist. Die meisten am Sonntag“, erzählt sie. „Alle wollten sichergehen, dass sie überhaupt noch nach Hause kommen.“

Der Platz vor dem Seebadzentrum. Noch sind nach Angaben von Bürgermeister Axel Vogt nicht allzu viele Touristen im Ort. Quelle: Anne Ziebarth

Derzeit seien noch drei der vormals zwölf Gäste im Hotel, das Restaurant sei offen. Noch. „Ich kann solche Maßnahmen wie die Einschränkung des Reisens und die Sperrung für Touristen ja sogar verstehen“, sagt sie. „Es macht Sinn, wenn man das Virus in den Griff bekommen will. Aber wer hilft uns jetzt?“

„Vor so einer Situation standen wir noch nie“

Ostern sei gerade im ländlichen Bereich der Start in die Saison, ein auch finanzieller Lichtblick für die Hoteliers nach dem dunklen Winter. „Die finanziellen Reserven sind gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen im Frühjahr aufgebraucht“, sagt sie. „Das Hotel gibt es jetzt seit 26 Jahren. Ich weiß wirklich nicht, ob wir diesen Sommer überleben. Vor so einer Situation standen wir noch nie.“ Denn nicht nur die Gäste fallen weg, auch um die Zahlungen für ihre 18 Mitarbeiter muss sie sich kümmern.

„Arbeit für 18 Leute habe ich natürlich nicht, wenn das Haus leer ist. Derzeit versuchen wir für unsere Mitarbeiter Lösungen zu finden. Einfach ist das nicht.“ Sorge macht den Touristikern auch die unkalkulierbare Zeit, in denen Corona das öffentliche Leben lahmlege. Vier Wochen könne ein Haus ihrer Größenordnung ein Ausbleiben der Gäste wohl abfedern. Aber länger nicht.

Maßnahmen kommen zu spät

Auch die Lubminerin Christa Schütt sorgt sich wegen des Virus. Für ihr Ferienhaus nimmt sie vorerst keine Reservierungen entgegen. Auch zu Ostern hat sie keine Gäste. „Ich denke auch nicht, dass es nach diesem einen Monat wieder bergauf gehen wird“, sagt sie. Für Leute, die derzeit an das Urlaubmachen denken, habe sie kein Verständnis. „Meiner Meinung nach wurden die Maßnahmen eh schon zu spät ergriffen“, sagt sie. „Nun sollten wir alle etwas Ruhe bewahren und zu Hause bleiben, dass es sich nicht weiter ausbreitet. Denn die Gesundheit ist das höchste Gut.“

Ungewissheit über Projektstart „Ostwind 2“

Auch im Industriehafen Lubmin ist die Lage angespannt. „Wir haben erste Hinweise, dass bei den Subunternehmen der großen Projekte, die über unseren Hafen laufen, die Mitarbeiter in ihre Heimatländer zurückkehren“, erzählt Vogt. „Das Projekt Ostwind 2 zum Beispiel ist eigentlich für April avisiert. Da man aber von einer internationalen Besetzung ausgehen kann, wissen wir nicht sicher, ob die Arbeiten pünktlich starten.“ Bei diesem Projekt geht es darum, Windparks nordöstlich Rügens zu verkabeln. Auch der Abbau der Seebrücke Koserow laufe über den Hafen Lubmin.

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Von Anne Ziebarth und Stefanie Ploch

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