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Greifswald Croy-Teppich wirkt als Besuchermagnet
Vorpommern Greifswald Croy-Teppich wirkt als Besuchermagnet
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11:10 29.01.2019
Der Croy-Teppich ist das wertvollste Exponat der landeskundlichen Ausstellung im Pommerschen Landesmuseum Greifswald. Er ist fast sieben Meter breit. Quelle: Universität Greifswald
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Greifswald

Stilvolle Ornamentik, gut erkennbare Gesichter historischer Personen, imposante Schriftzeichen: Der Croy-Teppich ist nicht nur das größte, sondern zugleich auch das wertvollste Exponat des Pommerschen Landesmuseums. Entstanden um 1554 im Auftrag des pommerschen Herzogs Philipp I., gilt der Gobelin als einzigartiges kulturhistorisches Zeugnis aus der Zeit der Reformation. Kein Wunder also, dass Gäste des Hauses ihre Schritte häufig zuallererst in seine Richtung lenken. Zumal das 31 Quadratmeter große Prunkstück auf der Liste des national wertvollen Kulturguts steht. „Neben so bedeutenden Werken wie der Himmelsscheibe von Nebra, der Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren, Carl Spitzwegs Bücherwurm und den amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts“, berichtet Museumssprecherin Julia Kruse.

Am 30. Januar 2014 wurde der Croy-Teppich offiziell in das Verzeichnis der national wertvollen Kulturgüter aufgenommen, die für das kulturelle Verständnis und die Identität Deutschlands von besonders herausragender Bedeutung sind. Die prachtvolle Tapisserie mit einer Höhe von 4,46 und einer Breite von 6,90 Metern zeigt Philipp I. mit seiner Familie sowie der Familie seiner Frau Maria, des kursächsischen Fürstenhauses, anlässlich der Hochzeit. Zudem gehören die Reformatoren Luther, Melanchthon und Bugenhagen zu den 23 abgebildeten Figuren des Werkes, das in der Verantwortung des niederländischen Bildwirkers Peter Heymans in Stettin entstand.

„Zum Glück war der Croy-Teppich über Jahrhunderte nicht in einer ständigen Ausstellung zu sehen.“ Gunter Dehnert, Historiker am Pommerschen Landesmuseum Quelle: OZ

„Der Gobelin befindet sich nach wie vor im Eigentum der Universität Greifswald“, stellt Historiker Gunter Dehnert klar. Ein Leihvertrag regele die Ausstellung und auch Aspekte der Restauration. Ernst Bogislaw von Croy stiftete der Alma Mater das Prunkstück sowie weiteren Besitz seiner Mutter Anna von Pommern im Jahr 1660. Um auch der Öffentlichkeit das wertvolle Objekt zu präsentieren, richtete die Hochschule alle zehn Jahre ein Croy-Fest aus. „Zum Glück war der Teppich nicht in einer ständigen Ausstellung zu sehen“, sagt Dehnert. Denn das hätte mit Sicherheit zu einem starken Ausbleichen der Farben geführt, ist er sich sicher. Aber nicht nur das: „Da der Teppich ein enormes Gewicht hat, wäre es bei einem dauerhaften Hängen zu Rissen in den Gewebefasern gekommen“, erklärt Museologe Kai Kornow, der sich im Landesmuseum um das Wohl und Wehe des Gobelins kümmert.

Staubdichte Glasvitrine bewahrt vor Verunreinigungen

Bevor die Universität dem Pommerschen Landesmuseum den Croy-Teppich 2005 als Dauerleihgabe überreichte, wurde deshalb mit Experten beraten, wie eine stetige Präsentation möglichst schonend vonstatten gehe. „Textilien gehören nämlich zu den heikelsten Objektgruppen in Museen überhaupt“, sagt Gunter Dehnert. Deshalb bedienten sich die Greifswalder des Wissens von Restauratoren des Nationalmuseums Nürnberg, die über einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit Textilien verfügen. Im Ergebnis dessen wurde der Croy-Teppich mit mehreren horizontalen Klettbändern auf einem Moltontuch befestigt. Er hängt nicht senkrecht mit seinem ganzen Gewicht herunter, sondern ruht leicht schräg auf dem Baumwollstoff. „Die staubdichte Glasvitrine bewahrt ihn außerdem vor Verunreinigungen“, sagt Kai Kornow. Gesponsort von der Kruppstiftung wurde sie einst für die Präsentation des wertvollen Gobelins auf der 1000-Jahrfeier Mecklenburgs 1995 im Güstrower Schloss angefertigt. Damit nicht genug: Das Licht im Ausstellungsraum ist im Gegensatz zu anderen Museumsbereichen stark reduziert. „Es gibt eine Richtlinie, wonach 50 Lux als Grenzwert gelten, doch wir liegen noch darunter“, sagt Kornow. Befindet sich kein Besucher im Ausstellungsraum, herrsche zudem völlige Dunkelheit. Ein ausgeklügeltes System von Lichtspots, befestigt am oberen Rand der Vitrine, ermögliche Besuchern mit Hilfe eines Pults, mehr Informationen zu einigen der abgebildeten Figuren zu erhalten, wobei diese dann jeweils erhellt werden.

Gobelin inspiriert Künstler auch heute noch

Der Croy-Teppich ist aber weit mehr als ein historisches Prunkstück. Es wirkt bis in die Gegenwart und inspiriert auch heute noch Künstler, sich mit dem Thema zu beschäftigen. 2017 etwa zeigte das Landesmuseum eine Ausstellung mit Adaptionen zu den Porträtdarstellungen des Gobelins, die die Hallenser Künstlerin Inge Götze fertigte. Der positive Zuspruch beflügelte die eremitierte Kunstprofessorin so sehr, dass weitere Arbeiten entstanden, zu sehen in der Foyerausstellung. Der Blickfang dieser Präsentation ist eine Schenkung Götzes an das Museum, die Applikation „Strandgeschichten“. Die Schau ist noch bis Ende März zu sehen.

Die Hochzeit Annas von Pommern mit Ernst von Croy wird demnächst übrigens auch das Thema eines Vortrags in der Reihe „Bausteine zur Landesgeschichte“ sein. Haik Thomas Porada aus Leipzig referiert am 19. Februar (18 Uhr) zum Thema „Vor 400 Jahren – die letzte Hochzeit im pommerschen Herzogshaus in Stettin 1619“.

Petra Hase

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