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Greifswald Jordanische Medizinstudentin ausgezeichnet
Vorpommern Greifswald Jordanische Medizinstudentin ausgezeichnet
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09:28 19.01.2019
Die 22-jährige Sara Qarqash, hier im Anatomischen Institut der Uni, wird für ihre Studienleistung und ihre Arbeit als Tutorin mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet. Quelle: Till Junker
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Greifswald

Als Sara Qarqash die Mail auf ihrem Computer öffnete, war sie mehr als überrascht. „Ich hätte damit niemals gerechnet. Ich war im Tiefpunkt meines Studiums und stand sehr unter Stress“, berichtet die Medizinstudentin über den Moment, als sie erfuhr, dass sie zur Preisträgerin des Jahres 2018 beim Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) gekürt wurde. Jetzt, sagt die 22-Jährige, sei sie umso glücklicher. Am 19. Januar wird sie während des Winterballs des International Office der Universität Greifswald im Kulturbahnhof ausgezeichnet.

Die quirlige, junge Frau mit den lockigen Haaren lebt seit dreieinhalb Jahren in Greifswald. Sie wurde in Syrien geboren und lebte dort bis zu ihrem 16. Lebensjahr: „Dann sind wir vor dem Krieg nach Jordanien geflohen.“ Ihre Eltern konnten noch alles Hab und Gut zusammenpacken. Später kamen ihre Großeltern und weitere Verwandte nach. „Sie hatten gar nichts und mein Vater unterstütze sie natürlich, obwohl er es anfangs schwer hatte, einen Job zu finden.“

Studienkolleg habe ihr sehr geholfen

Mit einem Einserabitur verließ sie das Gymnasium in der jordanischen Hauptstadt Amman. Ein Studium dort wäre für die Familie finanziell undenkbar gewesen. „Meine beste Freundin wollte zum Studieren nach Deutschland. Ihre Mutter wusste, dass ich auch studieren will. Sie sagte mir, dass sie mich hier finanziell unterstützen wird.“

Mit Hilfe des Studienkollegs und eines zehnmonatigen Deutschkurses am Goethe-Institut in Amman wurde sie in Greifswald für das Medizin-Studium zugelassen. Qarqash bedaure es sehr, das das Studienkolleg geschlossen wird: „Das Kolleg hat mir sehr geholfen, meine Deutschkenntnisese zu verbessern. Andere ausländische Studierende könnten es mit einem Studium dann hier sehr schwer haben.“

Das Leben in Deutschland

An das Leben in Deutschland habe sie sich schnell gewöhnen können. Nur eines fällt ihr immer wieder auf: „Viele meiner Kommilitonen und auch Freunde von mir kochen sehr oft Nudeln, weil es schnell geht. Ich könnte nicht jeden Tag Nudel essen“, sagt sie und lacht. Qarqash lebt ein typisches Studentenleben. Sie trifft sich mit Freunden, geht im Sommer gern joggen und fährt überall mit dem Rad hin. „Nur der Wind stört mich immer noch beim Fahrradfahren. Daran werde ich mich nicht gewöhnen. In Jordanien gibt es kaum Wind.“

Qarqash und ihre Familie trennen über 3000 Kilometer. Zweimal im Jahr fliegt sie nach Jordanien: „Ansonsten haben wir viel Kontakt. Wir telefonieren fast jeden Tag. Manchmal essen wir auch gemeinsam per Videostream.“ Bei der Preisverleihung wird ihre Familie nicht dabei sein.

Ihre zweite Familie

Dafür aber Menschen, die sie hier kennengelernt und ins Herz geschlossen hat. So zum Beispiel eine Greifswalder Familie, die sie über Facebook kennenlernte. Daraus sei eine intensive Freundschaft entstanden. Zusammen reisten sie nach Irland, verbrachten gemeinsam die Weihnachtsfeiertage. „Sie sind meine zweite Familie geworden. Ich werde auch immer scherzhaft als ihre zweite Tochter vorgestellt.“ Auch heute noch lernt Qarqash solche Menschen immer wieder kennen: „Ich habe auch Kontakt zu einer Familie aus Stralsund. Auch sie besuche ich regelmäßig.“

Nun erhält sie den DAAD-Preis für ihre Studienleistungen, ihre Arbeit als Tutorin im Präparierkurs der Anatomie und ihre Sonderwache am Klinikum. Sie setzte sich gegen elf weitere Bewerber durch. Die Auszeichnung, die seit zehn Jahren für besondere akademische Leistungen sowie gesellschaftliches oder interkulturelles Engagement verliehen wird, ist mit 1000 Euro dotiert. Qarqash weiß schon jetzt, was sie mit dem Geld machen wird. „Ich will meinen Führerschein machen. Dann muss ich im Winter, wenn es windig ist, nicht mehr mit dem Rad fahren“, sagt Qarqash und lacht.

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es in der Überschrift „Syrische Studentin ausgzeichnet“. Sara Qarqash ist zwar in Syrien geboren und aufgewachsen, allerdings hatte sie dort schon einen jordanischen Pass.

Über den Deutschen Akademischen Austauschdienst

Der DAAD ist die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern. Sie wurde 1925 ins Leben gerufen. Die Organisation vergibt nicht nur Stipendien, sondern unterstützt Hochschulen und stärkt die deutsche Sprache im Ausland. Außerdem hilft der DAAD beim Aufbau von Hochschulen in Entwicklungsländern. 2016 hat der die Organisation inklusive der EU-Programme mehr als 131 000 Deutsche und Ausländer rund um den Globus gefördert.

Christin Lachmann

Katharina Weit ist seit Mitte Oktober als Inselwartin auf dem Eiland Ruden tätig und lebt dort ein Stück Vergangenheit. Als Aussteigerin sieht sie sich nicht. Vielmehr geht es um Entschleunigung.

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